Münchhausen in Agfacolor

Kürzlich lief auf Arte der UFA Klassiker Münchhausen.  Was für ein fantastisch-abgedrehter Film!

Interessanterweise kann ich mir, trotz seines Alters, noch immer ansehen und dabei im Filmgenuss schwelgen. Nicht bei allen Filmen funktioniert das. So wollte ich mir letztens mal wieder “Momo”  anschauen, musste  dann aber bereits nach den ersten 10 Minuten ausschalten, weil mir das alles doch viel zu albern vorkam.

Ganz anders beim Münchhausen-Film. Während des Schauens stiegen bei mir ganz langsam wieder Erinnerungen auf, hatte ich diesen Film ja in meiner Kindheit schon  gesehen, aber alles vergessen, vor allem war mir überhaupt nicht mehr bewusst, wie  kreativ dieser Film ist, der sich nur grob an die Münchhausen-Vorlage hält, ansonsten aber einen wilden Plot aufbaut, der zwischen der Gegenwart und der märchenhaften Vergangenheit hin und her springt und so die lineare Zeiterfassung außer Kraft setzt.

Erich Kästner hat übrigens Regie geführt. In Dresden, wo er aufgewachsen ist, gibt es  im Haus seines Onkels ein Museum, was seinen literarischen Schaffen gewidmet ist. Eine Figur, die Erich Kästner Kindheits-Ich darstellt, sitzt frech auf der Grundstücksmauer. Als ich vergangenen Samstag in Dresden war, ist der rote Doppeldeckerbus der Stadtrundfahrt daran vorbeigefahren.

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In Rübezahls Reich. 3. Teil

Dies ist der dritte Teil meines Berichts über meine sommerliche Schlesien-Reise. Heute geht es von Hirschberg nach Liegnitz, einer schlesischen Stadt, die die meisten Touristen links liegen lassen und die dennoch einen Besuch lohnt.

Wer meinen Reisebericht chronologisch lesen möchte, findet hier Teil 1 und Teil 2.

Von Hirschberg (Jelenia Gora) ging es über die Gemeinde Königszelt (Jaworzyna Sl.) nach Liegnitz.
Das Ticket kostete 23.60 Zlothy, was umgerechnet ca. 5,50 € ist.

Der Liegnitzer Bahnhof

Der Bahnhof  wurde im Jahre 1927 pünktlich zur Gartenbauausstellung (GUGALI) in Betrieb genommen; die offizielle Einweihung erfolgte jedoch erst 1929. Der Bahnhof  ist im expressionistischen Stil gehalten und wirkt, besonders in der Eingangshallte, so, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. “In Rübezahls Reich. 3. Teil” weiterlesen

Elfen-Kuckucksheim

Paul Scheerbart beeinflusste  mit seinen Gedanken über Glasarchitekten den Architekten Bernd Taut.


 

Auch das Haus Atlantis in Bremen ist eindeutig von der Glasarchitektur beeinflusst, wobei ich allerdings nicht zu sagen vermag, ob dies willentlich geschah oder eher  in Hinblick auf eine Öffnung zum Kunsthandwerk. Jedenfalls ist es im Innern fantastisch, im Äußeren leider durch eine vorgehängte Fassade zerstört.

Ursprünglich zeigte die Außenfassade Odin, der an einem Kreuz hängt, das sich wiederum innerhalb eines Rades, das mit den 24 Runen des älteren Futhark beschriftet ist, befindet.

Die Bilder von Berit, die sie mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, zeigen Details aus dem von Bernd Hoetger entworfenen Himmelssaal, der heute zu einem Hotel (Radisson Blu) gehört. Mit etwas Glück (oder mit Voranmeldung) kann es aber besichtigt werden.

Das Revolutionäre an der Glasarchitektur war der Versuch, die Abgrenzung zur Außenwelt architektonisch zu überwinden.

Lichtdurchfluteten Kuckucksheime sollten so entstehen.

Kennt ihr die Volksmärchen von Johann Karl August Musäus? Er verfolgte den Anspruch in gesteigerten Maße märchenhaft zu sein und dies mit einem romantisch-ironischen Unterton. In den Büchern der Chronika der drei Schwestern lässt er eine Königstochter  einen Delphin heiraten, mit dem sie fortan im schönen Schloss, den Rest der Zeit aber tief unten im See in einer kristallenen Wohnung hausen muss. Der Bruder besucht sie und möchte sich dort verstecken, damit ihr verzauberter Gemahl sie nicht finden kann. Bertha antwortet darauf: “Ach, …, wie könnt ich dich verbergen? Siehst du nicht, dass diese Wohnung von Kristall ist, und dass alle Wände so durchsichtig sind, wie der Eishimmel. “

Oh, diese Bilder verzaubert mich, inspiriert mich, läsat meine Phantasie nach oben, in dem Himmelssaal, fern ab all der Banalitäten und Gemeinheiten des irdischen Lebens, steigen.

Die heutigen Glasburgen der Banken, Versicherungen, aber auch der Politik, wirken längst nicht so filigran-fragil, wie es der Baustoff Glas vermuten lässt.  Musäus “Eishimmel” scheint mir eine treffliche Begrifflichkeit zu sein, denn schließlich spielt die moderne Glasarchitektur den Betrachter nur Offenheit und demokratische Mitbestimmung vor. In Wirklichkeit handelt es sich bei ihnen  jedoch um eine gläserne Abschottung, die diejenigen, die sie umschließt, mit einer Aura der Exklusivität und des Arkanwissens versorgt. Von der  Realität sind ihre Insassen genauso abgeschnitten, wie Bertha in ihrem gläsernen Haus. Doch sie wird erlöst.

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Der goldene Vogel

 

 

Ein ganzes Wochenende habe ich mich,im Zuge eines Seminars, mit einem Märchen der Brüder Grimm beschäftigt: “Der goldene Vogel”. Ich kannte es nicht und las es mir erstmals während der Bahnfahrt von Hannover nach Mühlheim an der Ruhr durch.

Das Seminar wurde von der Europäschen Märchengesellschaft ausgerichtet.

Die Fahrt war angenehm, teilte ich mir das Zugabteil (auch das gibt es noch!) mit einem netten Ehepaar und einer Frau, die durch ganz Deutschland fahren, um U-Bahnhöfe zu fotografieren. Im Gegensatz zu den furchtbaren Großraumwagen bieten die Abteile, die privat wirken, die Möglichkeit zu Gesprächen. “Der goldene Vogel” weiterlesen

Einblicke in die Kunst- und Tanztherapie 

Jetzt bin ich ja vielseitig interessiert und immer da, wo Kunst nicht für einen angenommenen Markt produziert wird, was ich Kunsthandwerk nenne, selbst wenn ein selbsternannten Malerfürst Kunst produzieren lässt, da ist es der Selbsterfahrungsprozess eines Künstlers, ausgenommen seien hier nur diejenigen, die dies aus Kalkül vorgeben, in Wirklichkeit aber Projekt- und Event-Management betreiben, was dann einen kreativen Mischmasch aus Kunsthandwerk und Wirtschafts-Blablabla ergibt.

Zurück aber zum Selbsterfahrungsprozess, denn da sind wir schnell bei den der Kunst innewohnenden heilenden Charakter, den jeder der sich längere Zeit in künstlerische Prozesse begibt, erfährt, angekommen. Von hier aus ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu der Überlegung, wie auch andere angeleitet werden können, die wohltuende und selbsttransformierende Kraft der Kunst, die dann, wenn sie erschüttert und verändert,  manchmal auch nicht mehr ganz so vordergründig wohltuend sein kann, zu erfahren. Das, was wirklich verändert, ist schließlich selten “Wellness”.

In die therapeutische Arbeit,  die mit den mir hinreichend bekannten  pädagogischen Ansatz gewisse Überschneidungen aufweist, habe ich mich dieses Wochenende einführen lassen.

Drei Workshops habe ich mitgemacht. Im ersten haben wir, ausgehend vom Grimmschen Märchen Jorindel und Joringel die Szene gemalt, die von uns am prägnantesten erlebt wurde und anschließend besprochen. Im zweiten haben wir uns vom Rhythmus der Musik zum künstlerischen Ausdruck beschwingen lassen und im dritten erfuhren wir tänzerische Bewegungsmeditationen.

Insgesamt war das ein inspirierend-großartiges Wochenende mit angenehmen Menschen.

 

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Bad Sachsa entdecken!

Gestern  besuchte die Wildfrauenhaus-Wandergruppe Bad Sachsa.

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Vom Bahnhof wanderten wir in den Kurbezirk, wo wir – ausgehend von der Touristinformation – den Rundwanderweg 1 folgten. Dieser führte uns am Pädagogium vorbei zum Hermann Löns-Denkmal, was doch recht unscheinbar in der Hecke versteckt aufgestellt ist, sodass wir es erst suchen mussten, zumal die nebenstehenden Bänke, was verwirrend ist, vom Denkmal wegweisen. Dann ging es hinab ins Borntal, wo wir  auf einem ziemlich absurden Ort trafen. Nicht nur, dass die teilweise genutzten und teilweise maroden Gebäude des Kinderheimes, auf eine spannende Geschichte zurückblicken, wurden schließlich die Kinder der Attentäter auf Hitler vom 20.07.1944 interniert und auch Werner von Braun war hier untergebracht, als er im nahegelegenen Nordhausen an der  Entwicklung der “Wunderwaffe” V2 arbeitete, sondern auch, dass die zwischen den Gebäuden aufgestellten Campingfahrzeuge und Zelte, die bizarre Atmosphäre eines Nicht-Ortes versprühten und uns durchaus zu faszinieren verstanden. Nun wurden wir leider von einem Camper-Pärchen so dermaßen misstrauisch beäugt, dass der “böse Blick” dagegen ein Kinderstreich zu sein schien, sodass wir uns in unseren Entdeckungen der düsteren Häuser  etwas eingeschränkt fühlten. Nichtsdestotrotz gibt es hier nun ein paar Lost-Place Fotografien von mir und meinen Mitwanderinnen zu sehen; weitere Informationen zum Ort lassen sich – unter einer reißerischen Überschrift – , die eher an die Bild-Zeitung als an den Spiegel denken lässt,  hier nachlesen.

Im Gebäude Nr. 2 befinden sich jetzt die Sanitäranlagen des Campingplatzes. Hier waren die Kinder von H. Werner von Stauffenberg untergebracht.
Im Gebäude Nr. 2 befinden sich jetzt die Sanitäranlagen des Campingplatzes. Hier waren die Kinder von H. Werner von Stauffenberg untergebracht.
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Blick in das Gebäude Nr. 1 durch eine zerbrochene Fensterscheibe.
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Und der Vorhang weht im Wind!
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Knauf mit verwitterter Kinderkopf Dekoration
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Das dritte Haus: Leider war es verschlossen.

 

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Detailansicht, zweites Haus
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Detailansicht, erstes Haus, Verandatür
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Veranda, 1. Haus
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Rückansicht, drittes Haus

Vor dem Eingang des Campingplatz weist ein kleines blaues Schild auf die geschichtlichen Gegebenheiten hin.

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Ein kleiner Exkurs sei mir gestattet: Die auf Veranstaltung der neuen Opposition oftmals zu sehende Flagge im rot-schwarz-gelben Design, die sogenannten Wirmer-Flagge,  verweist übrigens auf eben dieses Attentat. Insofern ist es wenig verständlich, dass die Presse  Veranstaltungen, bei denen solche Symbole des Widerstandes gegen den historischen Nationalsozialismus gezeigt werden, gerne dümmlich mit dem Nazi-Bann belegt.

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Berlin am 07.05.2016, aufgenommen bei der “Merkel muss weg”-Demo

Traurig sind solche Verwerfungen der Gegenwart, die kritische Stimmen mundtot machen sollen,  und so trieb es uns zurück in die Romantik des deutschen Waldes.  Ein Warnschild informierte uns jedoch nun darüber, dass der um 1900 angepflanzte Buchenwald kameraüberwacht ist. Erstaunt  mussten wir auf diese Art und Weise feststellen, dass Orwells Dystopie “1984” schon längst von der Realität überholt worden ist. Der Wald, so scheint es,  ist nicht länger ein Ort des Rückzuges!

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An der Moseberghütte  wanderten wir vorbei und  erreichten  wieder unseren Ausgangspunkt, das Pädagogium, wo mittlerweile eine Veranstaltung stattfand, deren Bratwurst-Duft uns, an der historischen Turnhalle vorbei, auf das Gelände trieb. Auch hier ernteten wir merkwürdige Blicke (Vielleicht lag es an unserer Wanderbekleidung?) und mussten leider feststellen, dass es sich nicht, wie von uns vorab vermutet, um einen Tag der offenen Tür, sondern vielmehr um eine geschlossene Gesellschaft handelte, die wir nicht stören wollten. An der regulären Eingangspforte informierten wir uns darüber, dass es sich um eine Absolventenfeier handelte und entschlossen uns, anstatt bei Bratwurst und Bier die kleine Wanderung abzuschließen, noch die vom Tourismusbüro Bad Sachsa vorgeschlagene Rundwanderung 2 zu absolvieren.

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Eingang Pädagogium
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Frechdachs

Vorbei am lustig geschmückten Schülerdenkmal, suchten wir den Schmelzwasserteich Bad Sachsas und bekamen den Weg vom Bürgermeister gewiesen, der eilig in Richtung Pädagogium unterwegs war, wohl um, wie wir vermuteten, dort eine stimmige Rede zu halten.

Historische Holzbäderarchitektur: Eindrucksvoll und erhaben!
Eindrucksvolle historische Holzbäderarchitektur kann man in Bad Sachsa bewundern.
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Schmelzteich

Am Wasser ging es vorbei, jedoch versäumten wir es am Erwachsenen-Spielplatz die “Hinweg”-Abzweigung der Wanderweg-Route 2 zu nehmen und liefen stattdessen schnurstracks zum Endpunkt der Wanderung, ohne die eigentliche Runde gedreht zu haben. Dadurch versäumten wir  leider, die Überreste der Freilichtbühne zu sehen, die zumindest mich interessiert hätte, vermute ich dort schließlich Anknüpfungspunkte zur Thingplatz-Bewegung des vorigen Jahrhunderts.

Bedingt durch unsere falsche Wegentscheidung muss der Wahrheitsgehalt meiner historischen Vermutung  vorerst ungelöst bleiben, stattdessen beschäftigten sich meine Mitwanderinnen mit ganz anderen Rätseln.  Märchenfragen bezüglich der Volksmärchen waren nämlich in kurzen Abständen an die Bäume gepinnt worden und animierten so zum fröhlichen Rätselraten. Mit Leichtigkeit und viel Lachen erreichten wir so den Märchengrund. Das ist der älteste Märchenpark in Deutschland, der schon 1911 gegründet wurde und der bei mir mit seinen Märchenbildern aus den 70er Jahren Kindheitserinnerungen aufkommen ließ, derweil meine Begleiterinnen auf der Bank pausierten.

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Wassermühle
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Hänsel und Gretel
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Rotkäppchen

Nach einem unschönen, weil anstrengenden,  Abstecher steil bergauf und wieder hinab, vorbei am Falkenhof, traten wir unsere Rückwanderung zum Bahnhof an, der außerhalb von Bad Sachsa liegt. Diesmal nahmen wir nicht den schönen Wanderweg durch die Natur, sondern gingen an der Straße entlang.

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Die weitere Rückreise gestaltete sich unspektakulär, was bei uns nicht immer der Fall ist, siehe auch hier.  Rückblickend hat uns der Aufenthalt in Bad Sachsa  sehr gut gefallen und wir kommen gerne wieder.

Wer die Wanderungen nachwandern möchte, findet detaillierte Beschreibungen hier.

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Jenseits des Spiegels: DísCall

Jenseits des Spiegels befindet sich die Welt unserer Imagination, was auch nur eine Beschreibung dessen ist, was in der momentanen Wirklichkeit noch nicht verwirklicht ist.

Die Spiegel-Welt ist der Resonanz-Raum unserer Möglichkeiten, unserer (noch) nicht-gelebten Träume, unserer Wünsche und unserer Verfluchungen.

Als Künstlerin halte ich mich nur zu gerne in dieser Welt auf, muss dabei jedoch den Drang bezwingen, ganz darin versinken zu wollen und letztendlich mir dabei SELBST verloren zu gehen. Die Zaubermärchen des irisch-keltischen Raumes berichten von dieser Gefahr: Immer dann nämlich, wenn Sterbliche in das Elfenreich gelangen, wo ein Tag plötzlich sieben Jahre im menschlichen Leben zählt, haben sie die Spiegelscheibe zwar durchbrochen, jedoch versäumt, zeitnah den Rücktritt in ihre irdische Existenz anzutreten. Sie sind dann “zu spät” zurückgekommen, um noch vorzufinden, was sie verlassen haben und sind so letztendlich für das Diesseits verloren.

In den deutschen Sagen von der Bergentrückung ist das Höhlenkönigreich, das unendliche Schätze birgt, für immer verschlossen. Die Trennung der beiden Welten ist unabweisbar vollzogen und sie kann nur dauerhaft durch die Kraft der Imagination, die sich jedoch nicht in den unendlichen Fluss des phantastischen Gaukelspiels verliert, überwunden werden.

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Die blaue Blume öffnet zwar den Berg und lässt uns hinter dem Spiegel blicken, doch dann, wenn die Kraft unserer inneren Schau erlischt, stehen wir vor geschlossenen Felsenwänden und sind dazu verdammt, dumpf auf eine utopische Zukunft zu vertrauen, in der ein Retter-Kaiser sein Berg-Grab verlassen wird, um ein wunderbares Friedensreich zu errichten. Uns bleiben vorerst nur die Geschichten aus fernen Vergangenheiten. Verzweifelt suchen wir die blaue Blume.

Doch selbst wenn wir sie gefunden haben, benötigen wir die Kraft der Dísen, die uns helfen werden, die Trennung zwischen den Welten dauerhaft aufzuheben. Sie sind – vergleichbar den Walküren – kriegerische Schlachthelferinnen und Sturmreiterinnen. Als solche unterstützen sie uns in den zahlreichen Kämpfen mit den Zumutungen der objektiven Welt und können uns die Manifestation dessen ermöglichen, was sich noch verschlossen in unserem Traum-Bewusstsein befindet und was sich dennoch beständig seinen Weg in das Diesseits bahnen will.

Die Dísen sind auch die Verkünderinnen des nahenden Todes, der auch nur eine Umschreibung für den Zustand ist, der uns erwartet, wenn sich unser Bewusstsein vom Diesseits ins Jenseits verschiebt. Sich SELBST gesegnet ist derjenige, der die Nabelschnur zwischen den Welten niemals hat abreißen lassen und auch diejenige, die im jetzigen Leben ihr Bewusstsein schon mit dem des Jenseits-Bewusstseins verbunden hat und sich gerade deshalb dabei SELBST-bewusst bleibt.

Und so manifestiere ich mein Werk in der objektiven Welt, indem ich Zwiesprache halte zwischen den Welten “vor” und “hinter” dem Spiegel. Die Dísen werden so zur Geburtshelferinnen des kreativen Traumes. Die Rahmentrommel kann die Reise begleiten, während die Leinwand zum Ort der Synthese zwischen “hier” und “dort” wird und so begebe ich mich auf meine schamanisch-magische Reise. Immer wieder. Zweifelsfrei. Willst du mich begleiten?

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Filmempfehlung:

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Im Tanz die Unendlichkeit berühren

Dieser Text ist in meinem Buch “Mami Watas Tanz” 2008 erschienen. Mittlerweile ist es nur noch in Restbeständen käuflich zu erwerben.

Tanz ist eine wichtige Form der religiösen Äußerung, machtvoll und wild. Bauchtanz ist der Weiblichste aller Tänze, was liegt also näher, als den Bauchtanz als ein Tor zu erkennen, durch das wir treten können, um uns eine weibliche Spiritualität zurückzugewinnen, die längst verloren geglaubt schien.

Nicht länger wollen wir mit unseren stinkenden Autos der dicht befahrenen, breiten Straße folgen, die uns direkt zur Hölle des Plagiats führen würde. Ein Unfall wirft uns aus der Bahn und lässt uns einen kleinen steinigen Pfad entdecken, der unscheinbar von der großen Straße abzweigt.

“Da müsst’ ich ein Narr sein, wenn ich den engen und rauen Weg gehen sollte”, verkündet Bruder Lustig im alten Märchen. Doch wir, wagemutig geworden, werden zur Närrin und verlassen unser sicheres Auto.

Unser eigenes Lebensprofil wollen wir entwickeln, sei es nun im Tanz oder in anderen Lebens-Künsten. Und so folgen wir unserer eigenen Bestimmung, unserem ureigensten Talent, das wir einst von einer gutmütigen Fee in die Wiege gelegt bekommen und danach – in der Phase der Imitation – vervollkommend haben.

Wir wandern den kleinen Pfad entlang. Bald schon finden wir uns in einem dunklen unüberschaubaren Tannenwald wieder. Die Bäume stehen eng beieinander. Immer dichter drängelt sich ein Baumstamm an den nächsten, schließlich sickert das Tageslicht nur noch als ein spärlicher Schimmer von oben herein. Die ungewohnten Geräusche des Waldes, das Knacken und Rascheln im Unterholz, mahnen uns zur Umkehr. Doch wir lassen uns nicht beirren und singen ein fröhliches Lied gegen die Angst: “Ich wandere meinen Weg, über Brücke und Steg.” Und während wir noch selbstvergessen “bald da, bald dort, immer fort und fort” summen, haben wir längst den kleinen Pfad im wild wuchernden Gestrüpp verloren.

Nur Kleingeister versinken nun im Selbstmitleid und trauern der stinkenden Schnellstraße hinterher, die Sicherheit versprach und doch nur Tod meinte. Voller Panik irren sie, auf der Suche nach ihren leicht demolierten, dennoch startklaren Autos, durch den Wald. Wir dagegen verlassen uns lieber auf unsere Intuition. Unabwendbar wird sie uns zurück zum kleinen Pfad führen, der uns schließlich zu unserer wahren Bestimmung, dem Himmel, bringen wird.

Schon auf unserer Wanderschaft werden wir belohnt durch ungeahnte Perspektiven, die sich uns auftun. Und langsam, ganz langsam, werden wir dabei selbst zu dieser starken Tänzerin, deren Arme – ganz ohne orientalische Choreografien – in den Himmel weisen. Die Füße stehen dabei fest auf der Erde. Ihre Hüften zeichnen unsichtbare Achten. Achten nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten. Sie versinkt selbst in ihren Achten, wird eins mit der Figur, dem Symbol für die Unendlichkeit.

Auch der Kreis des Jahres wiederholt sich unendlich. Anschaulich führt uns der Jahreskreis vor Augen, dass auf die Dunkelheit das Licht folgt. Nach einem langen  kalten Winter, wenn sich die ersten Frühlingsblumen noch mühsam durch den Schnee kämpfen, trägt unsere Hoffnung farbenfrohe Knospen. Und wir feiern ein fröhliches Frühlingsfest, feiern uns und die wiedererwachende Natur.

Unentwegt zelebriert die Frau weiterhin Achterschleifen, die wie Räder hinweg rollen auf der Straße des Lebens. Es wird Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling kehrt sie zurück, zum Ausgangspunkt, an dem alles begann. Acht mal Acht ergibt dann auch 64 und schon im I-Ging, dem chinesischen Orakelspiel, folgt dieser Zahl nur noch die Vollkommenheit.

Wer ist die Frau, die da unermüdlich tanzt? Du bist es; ich bin es; wir sind es. Es ist die Allmutter, die Göttin selbst, die alles Leben aus ihrem großen dicken Bauch hinaus presst, immer wieder.

Und so tanzen wir mit ihr zusammen im Reigen der alten Jahreskreisfeste. Acht Feste gibt es. Acht Feste zum Tanzen, Singen und Fröhlichsein.

Die Jahreskreisfeste geben uns einen Rahmen vor, eine Struktur, die wir jeweils mit zauberhaften Festen füllen können. In deren schützendem Rahmen können wir uns rückbesinnen auf längst vergessen geglaubte weibliche Lebenskraft. Weibliche Kreativität, die sich bisher nicht in gesellschaftlich anerkannte Bahnen lenken ließ, die schließlich negiert, dann vergessen wurde, bahnt sich wieder einen Platz: frei, wild, entschlossen, vielleicht auch beunruhigend hässlich! Wir dürfen es wieder sein. Hysterisch! Warum eigentlich nicht? Kreischend! Das sind wir. Ein Haufen von fettwanstigen Weibern mit Hängebusen, die den “Arsch” wackeln lassen und dabei die Wünsche und Träume, die vor Jahren die Mutter in die Spielzeugkiste gepackt hat, wieder Gestalt werden lassen.

Tanzende Frauen treffen auf Geschichten erzählende, schreibende, malende und musizierende, acht Mal im Jahr. Es gibt keine starre Trennung mehr zwischen den Kunstgattungen. Und was wird daraus?

Magie. Zauberei. Die I-Magie-nation der eigenen Wünsche und Träume mit Hilfe von Symbolen bewirkt Wundersames: erst bei dir und dann auch in der Außenwelt. Du beginnst vielleicht  zu fordern, was dir zusteht, mehr Raum, nicht nur Frauenraum. Du machst dich auf, beginnst die Expedition, folgst der eigenen inneren Landkarte, beginnst das Territorium für dich abzustecken, zu erobern. Leichtfüßig tanzt du durch die Stadt, durch das Land. Du bist das Mädchen mit den tanzenden Schuhen, kannst gar nicht mehr aufhören. Aber was ist daran noch schlimm? Im Märchen von Andersen ist das alles vom Teufel, aber wenn doch die ganze Welt mittanzt, eine tanzende, feiernde Welt von fröhlichen Frauen und Kindern, sogar die Männer lassen schließlich Schlips und Aktentasche fallen, tanzen mit dir, gleichberechtigt, dann gerät alles in einen beschwingten Fluss. Und plötzlich findet ihr euch wieder in der märchenhaften Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Doch es ist Gegenwart: wo das Wünschen noch hilft. Und ehe ihr euch verseht, ist der Teufel längst ein für allemal in die Hölle gefahren und mit ihm all die hässlichen Fabriken und öden Büro-Kasernen.

Dahin kann es führen, wenn du der tanzenden Urmutter, Athene, Frau Holle, Maria oder wie du sie auch nennen magst, in dir Raum gibst. Die Göttin hat die Kraft zur Veränderung. Sie verspricht keinen Fortschritt mehr, der immer nur ein Mehr an Lebensfeindlichkeit bedeutet. Sie schenkt Lebensqualität und ist in  dem, was sie bewirkt, genauso real wie der Gott, der grüne Mann, der immer wieder am Ende eines Jahres geopfert werden muss, um ein neues Wachstum der Natur zu ermöglichen.

Und so kehrt die Göttin langsam, auch mit deiner Hilfe – zum Beginn eines neuen Zeitalters – zurück, um die Menschen auszusöhnen mit ihrem Planeten: der Mutter Erde.

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Landschaft als Orakel! Mythologisch Wandern. Wie geht das? 2. Teil

Ith

Interessanterweise hat sich mir diese Wanderung, auch schon in der Vorbereitung, als extrem widerspenstig gezeigt. So wollten meine Freundin und ich eigentlich eine Etappe des beworbenen Ith-Hils-Weges gehen, mussten aber feststellen, dass die Anfangs- und Zielpunkte mit Bus- und Bahn nur schwerlich bis überhaupt nicht zu erreichen sind.

Nachdem schon die Planung keinen Erfolg verhieß, entschlossen wir uns – zugegebenermaßen war ich ziemlich genervt – einfach nach Cloppenbrügge zu fahren, um von dort eine Rundwanderung zu starten. Der Flyer verhieß Märchenhaftes und ließ sich im Coppenbrügger Reisebüro auch in der Druckversion abholen.

Nun ja … diese Wanderung war wirklich anstrengend und zeichnete sich durch eine extrem eigenartige Beschilderung aus, die uns zwar ständig mit Sagen und Göttern konfrontierte, uns aber einfache Ortshinweise verweigerte. Sportlich ging es los, doch wir (oder war ich es nur?) scheuten den steilen Aufstieg, was dann einen gemächlichen Anfang ergab, der fatalerweise aber nach ca. zwei Minuten doch zum Aufstieg führte. Dumm gelaufen. Noch übler war es, dass der Weg in einem Waldarbeiter-Trekker-Pfad mündete, der uns zum Abstieg und der Entdeckung einer Schwefelquelle zwang. Die “grillbratende” einheimische Bevölkerung war auch keine große Hilfe, sodass wir nach einer erneuten Rast den zweiten Anlauf für den Aufstieg zur Felsenformation “Adam und Eva” erprobten. Auch hier führte uns der gewählte, anscheinend “bequemere” Weg ins tiefe Dickicht. Immer tiefer ging es im Steilaufstieg in den Wald hinein, wo sich dann auch dieser Weg als Waldarbeiter-Pfad entpuppte, der im Nirgendwo endete. Querfeldein erreichten wir schließen den Gipfel und den schmalen Kammweg. Ich fragte mich zum wiederholten Male, warum meine Wanderbegleitung das flache Cuxland nicht vorab in Erwägung gezogen hatte und wurde von unzähligen “Bärlauch, Bärlauch”-Rufen durch eine frühblühende, wirklich hübsch anzusehende Ithlandschaft geführt. Beim Ith-Turm schließlich, der einen romantischen Blick auf das nahe Atomkraftwerk bot, ging es zurück nach Coppenbrügge. Total erschöpft bin ich zu Haus angekommen und muss sagen, dass rückblickend die Wanderung nicht ganz so schlecht war, wie sie mir in den ersten vier Stunden vorgekommen war.

Schön wäre es aber, liebe Verantwortlichen (wer immer ihr seid!), Waldarbeiterwege abzusperren, sodass Wanderinnen nicht in den tiefen Schlammfurchen versinken (Ich habe jetzt das Prinzip des mittelalterlichen Hohlweges verstanden!), bevor sie im forstwirtschaftlichen Nirgendwo landen. Auch wären Schilder, die nicht nur “Pilze” oder andere Symbole zeigen und nicht nur auf den jeweiligen Märchen- und Sagen-Podcast-Content hinweisen, stattdessen aber – ganz profan – Ortsnamens-Beschriftungen auf Pfeilen aufweisen, auch unterhalb des Ith-Kammes angenehm gewesen.

Bei einem eventuellen zweiten Anlauf zu einer Ith-Wanderung würde ich mich auf “einen steilen Aufstieg” einstellen, um dann hinterher entspannt die sagenhaften Plätze des Iths genießen zu können.

Doch genug der profanen Worte:

Wenn ich den Ith rückblickend als Person ansehe, dann würde ich meinen, dass er sich meines Besuches mit aller Kraft verweigern wollte. Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass ich zum “Opfer” des Aufstiegs nicht bereit gewesen war und so der Berggeist -nehmen wir mal an, dass es so etwas gibt – sein Geheimnis (immer vorausgesetzt, dass er eines hat!) nicht preisgeben wollte. Vielleicht hätte ich auch ganz zu Beginn meiner Wanderung dem Baumheiligtum Coppenbrügges: “Peterlinde” meine Ehrerbietung bringen müssen und um Unterstützung für die Wanderung bitten sollen.

Ich lese die Landschaft wie ein Orakel und bin dann – ganz und gar freiwillig – in einer virtuellen Welt, die ich als Spiegelbild meiner inneren Zustände ansehe. Das ist letztendlich ein Spiel, dass natürlich von einer unglaublichen Wichtigkeit des eigenen Selbst ausgeht. “Gut so!”, denke ich, “wer glaubt sonst an mich, wenn nicht Ich!”

Ein solcher Umgang mit der Landschaft eröffnet Dimensionen, die mit dem alltäglichen Bewustsein nicht mehr viel gemein haben.

Ihr merkt es: Das ist der Beginn des Geschichtenerzählens. Die Wanderung wird zur persönlichen Quest und ich bin mittendrin.

Ich kann entscheiden, inwiefern diese Geschichte für mich Relevanz haben soll und inwieweit ich mich auf das Spiel einlassen mag oder nicht.

Und ihr, die ihr die Geschichte hört, könnt mir vielleicht die Frage beantworten: Was – zur Hölle – war da gestern los? Und so beginnt ihr – vollkommen spielerisch – eure eigene Reise.

Habt ihr auch Lust auf Wanderungen? Dann partizipiert am Wildfrauenhaus.

Zum Weiterlesen: Mythologisch Wandern. Teil 1

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