Der zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2

Der Samstag begann mit einer zweist√ľndigen Stadtf√ľhrung durch Venedig.

Wir bekamen dabei ein Audioger√§t und Kopfh√∂rer ausgeh√§ndigt, sodass wir die F√ľhrung, trotz der Besuchermassen in Venedig, gut verfolgen konnten.

Wir hielten uns dabei lange Zeit auf dem Marktplatz auf und bekamen n√§here Informationen zu den einzelnen Sehensw√ľrdigkeiten pr√§sentiert. Danach schlenderten wir durch das Gewirr der kleinen Stra√üen von Venedig, begleitet von ¬†durchaus unterhaltsamen Erkl√§rungen unserer F√ľhrerin Elisabeth.

Die Figur auf der S√§ule soll den Sieg √ľber das Heidentum darstellen.

Mir hat die Stadtf√ľhrung sehr viel Freude bereitet ¬†und ich kann sie unumschr√§nkt empfehlen. Man sieht schlie√ülich nur, was man wei√ü und eine professionelle F√ľhrung kann den ¬†ersten Zugang ¬†erleichtern. Danach sollte man sich dann die Zeit nehmen, um seinen eigenen Vorlieben nachzugehen oder sich einfach treiben zu lassen, um sich von dem √ľberraschen zu lassen, was einen begegnet. ¬†So √§hnlich halte ich es auf all meinen Reisen. ‚ÄěDer zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2‚Äú weiterlesen

O Isis und Osiris!

Bis zum 25. Februar wird im Hannoverschen Kestnermuseum die Ausstellung „O Isis und Osiris“ gezeigt. ¬†Der Titel der Ausstellung ¬†ist ¬†einer Arie des Freimaurers Mozart entnommen. In der Zauberfl√∂te singt ¬†n√§mlich der Priester Sarasto:¬†‚ÄěO Isis und Osiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar‚Äú.

Inhaltlich behandelt die Ausstellungen den Einfluss eines imagin√§ren √Ągyptens auf die Mysterienkulte, die die Freimaurer-Logen seit dem 18. Jahrhundert zelebrier(t)en.

Beispielsweise wird vom Gott Set(h) berichtet. Dieser ist¬†vor allem durch den Osiris-Mythos bekannt. ¬†Er t√∂tete seinen Bruder Osiris und zerst√ľckelte ihn. ¬†Nach dessen Tod beansprucht Set(h) den Thron √ľber ganz √Ągypten. In ihrer Eigenschaft als liebende Gemahlin und Schwester f√ľgte Isis, mit Hilfe von Magie, ¬†die zerstreuten Glieder Osiris wieder zusammen und erweckte Osiris so wieder zu neuem Leben. In der Gestalt eines Milans empfing sie so Horus, der sp√§ter zum Himmelsgott aufstieg und sich an Set f√ľr den Mord an seinen Vater r√§chte.

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Alltagszaubereien

Gestern ging es, zusammen mit einer Freundin, zum V√∂lkerkundemuseum in Hamburg. Wir waren extra wegen der dort stattfindenen Sonderausstellung √ľber „Kubas afrikanische Geister“ angereist und verloren uns schon bald in der Betrachtung der afro-kubanischen Objekten, die √ľberwiegend magisch bespielt worden sind.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30.04 und zeigt 600 Exponate des Santeria und Palo Mayombe Kultes, die aus der hauseigenen Sammlung sowie dem Soul of Africa-Museum, das wir gerne auch noch einmal besuchen wollen, stammen.

Zur Einstimmung auf den Ausstellungsbesuch hatte ich uns ein afro-brasilianisches Tarot besorgt, das sich von den westafrikansichen G√∂ttern hat inspirieren lassen, die √ľber den Sklavenhandel den Weg in die Neue Welt gefunden und sich dort mit christlich-indianischen Einfl√ľssen zu einer synkretischen Religion verbunden haben. Man kann hier sicherlich kritisieren, dass die Glaubenspraktiken der afro-amerikanischen Kulte, inklusive der Divinationspraktiken, rein gar nichts mit der Tradition des Tarots zu tun habent, allerdings steht im zugegebenerma√üen nicht sehr umfangreichen beigelegten B√ľchlein, dass es sich hier nur um eine Inspiration handelt und so kein Anspruch auf eine irgendwie geartete Authentizit√§t erhoben wird. Der w√ľrde ich sowieso kritisch gegen√ľberstehen, zumal ich es ablehne, irgendwelchen religi√∂sen Regeln, die von anderen erdacht worden sind, zu folgen, schlie√ülich ist jede/r sein eigener Gott/seine eigene G√∂ttin.

Als spielerische Annäherung zog meine Freundin die Karte die Hohepriesterin, die im vorliegenden Tarot der Orisha Nana Buruku zugeodnet wird. Sie ist die Urmutter, die aus dem zähen Schlamm neues Leben erschaffen kann und so beständig Altes zu Neuem verwandelt. Sie stapft durch die Zeiten, fegt mit ihrem Besen weg, was fort muss, hält an, was zu schnell ist und tanzt sich ganz langsam aus dem Ozean heraus, um als Regen die Erde neu zu befruchten.

In der Ausstellung fanden wir sie nicht vor, daf√ľr aber Osain, der als Orisha der W√§lder die Karte des Geh√§ngten zierte. Als Fetischobjekt ist er als geh√∂rnter Betonkopf, der f√ľr die Einweihung eines Priesters hergestellt wurde, vorhanden. Er wurde jedoch niemals spirituel genutzt, wie uns ein T√§felchen erkl√§rt. Wie solche Fetische aussehen, wenn sie in religi√∂sen Ritualen verwendet werden, kann man an den K√∂pfen sehen, die in der Vitrine daneben stehen und sichtbar mit Blut und Wachs beschmiert sind und so eine dunkle Farbe angenommen haben.

Die gezogene Tarotkarte zeigt Osain, wobei der Blick von oben, also wahrscheinlich vom Baumwipfel aus, auf ihn gerichtet ist. Er schreitet t√§nzerisch mit einem Zepter und einer Kalebasse, wohl als Symbole der Synthese von weiblicher und m√§nnlicher Macht, durch die W√§lder, die mit ihren heilerischen, t√∂dlichen und ekstatischen Ingredienzien, vielf√§ltige Ver√§nderungen des eigenen Blickwinkels erm√∂glichen, wie es eben auch durch den „Geh√§ngten“ im traditionellen Tarot ausgedr√ľckt wird.

Ein Bild von Osain ziert √ľbrigens die Wand meiner Wohnung. Es ist ein fr√ľhes Bild von mir, was ich in Gambia gemalt habe. Mit Osain selbst und der Energie, die er verk√∂rpert, besch√§ftigte ich mich lange nicht mehr. Vielleicht ist die magische Synchronit√§t, die ich gestern erlebte, der Ruf, ihn als wilder Mann oder als wilde Frau in die W√§lder zu folgen, um zu ver√§ndern, was der Ver√§nderung bedarf?

Ein weiteres Bild von Osain:

Nachdem wir uns auf diese Art und Weise in der Ausstellung vielf√§ltige Anregungen f√ľr Alltagszaubereien geholt hatten, besuchten wir die Bibliothek des Museums, die wunderbar altert√ľmlich daher kommt. Ein Vater erkl√§rt dort seinem Sohn, dass das hier aussieht „wie bei Harry Potter“ und wirklich stehen u.a. auch die Harry Potter-B√ľcher im – auf zwei Regalw√§nden – platzierten Hexenarchiv, dessen Literatur u.a. den Bogen zwischen der neuheidnischen Gegenwart und der magischen Praxis verschiedener Religionen, wie sie im Museum nicht nur in Bezug auf Kuba, sondern auch in den Kontexten anderer Ethnien pr√§sentiert wird, spannt. Leider fehlt aktuelle Literatur, zumindest sahen wir sie in der K√ľrze der Zeit nicht.

Das Restaurant im √ľberbauten Innenhof des Museums hei√üt „Okzident“, bietet aber vorwiegend orientalische K√∂stlichkeiten. Die schrillen Stimmen der anderen G√§ste lassen uns zur Darstellung des arktischen Schamanismus mit Rahmentrommeln und obskuren Darstellungen von Tiergeistern fl√ľchten. Die S√ľdseemasken, obwohl im sp√§rlich beleuchteten Raum mit Natursound als Hintergrund pr√§sentiert, entf√ľhren uns in tropische W√§lder, die uns aber weniger d√ľster erscheinen, als die Fetische des kubanischen Santeria-/Palo-Kultes. Zwergenhaft, verschwitzt und sp√∂ttisch l√§cheln sie einen an, bevor wir, auf diese Art von ihnen begleitet, ein Langhaus der Maori bestaunen d√ľrfen.

Wir durchqueren Westafrika, um uns dann mit den Sch√∂nheitsidealen der Afrikaner vertraut zu machen und das alles in einem herrlich historischen Geb√§ude von 1911. So kann ich bei der Besucherbefragung, die gerade durchgef√ľhrt wurde (Evaluation ist schlie√ülich alles!) nur Positives berichten. Doch meine Geschichten sind hier nicht gefragt, stattdessen kreuze ich lachende Smilies an, derweil meine Freundin zwischen alt√§gyptischen Mumien verschollen geht.

F√ľnf Stunden waren wir nun im Museum und die Zeit verging uns wie im Fluge, wof√ľr Nana Buruku danke m√ľssen.

Danke auch Ihnen f√ľr Ihre hingebungsvolle Aufmerksamkeit! ūüôā

P.S. Auf der R√ľckfahrt zeichnet Mo, gl√ľcklich dar√ľber, weitgehend von gr√∂lenden Fu√üballfans verschont geblieben zu sein, im Zug Waldlandschaften. Nat√ľrlich.

Etwas Besonderes sein!

Wer möchte das nicht? Sich von der Menge abheben und  irgendwie einzigartig sein! Doch die meisten Entscheidungen, die wir treffen, sind die zwischen Alternativen, die uns andere vorgegeben haben und die uns innerhalb eines Variantenraumes individuell vorkommen, in Wirklichkeit aber nur kleine Abweichungen der immer gleichen Einfalt sind, die uns von der Bewusstseinsindustrie tagtäglich eingetrichterte wird.

Die Entscheidung lieber zum italienischen als zum griechischen Restaurant zu gehen, unsere Vorliebe f√ľr die Farbe Orange und unser Interesse am Jogging, all das macht nicht die Einzigartigkeit unseres Selbst aus. Wir n√§hern uns diesem aber an, wenn wir uns von den Erwartungshaltungen unserer Umwelt l√∂sen.

1. Der erste Schritt dazu kann es sein, nicht  beständig danach, zu schielen,  was gerade angesagt ist und wie wir bei anderen ankommen.  So durchbrechen wir die Fernsteuerung, die uns beständig zombifiziert,  wenn wir nichts dagegen setzen.

Folgende Fragen können uns bei der eigenen Bewusstwerdung helfen:

Welche Art von Person m√∂chtest du sein? Wie siehst du aus? Wor√ľber denkst du nach? In welcher Umgebung h√§ltst du dich auf? Lade das Bild immer wieder mit Kraft auf und hinterfrage fortlaufend, inwieweit dieses¬†deinen oder fremden Erwartungen entspricht. Nur das, was nicht ferngesteuert W√ľnsche und Projektionen¬†von anderen erf√ľllt, darf in diesem Prozess Bestand haben. Insofern musst du dich fortlaufend¬†selbst in Frage stellen und damit auch niemals aufh√∂ren, ansonsten l√§ufst du Gefahr, dass das, was du¬†errungen haben, wieder in das Unbewusste zur√ľcksinkt.

2.  Was kannst du jetzt schon tun, was diesem idealen Selbst entspricht? Fange mit kleinen Dingen an und gebe Ihnen beständig Aufmerksamkeit, sodass sie wachsen können. Zieh die Aufmerksamkeit  von den Lebensumständen ab, die nicht passend sind, ohne dabei deine ethische Verantwortung, die immer selbstgeschöpft sein sollte,  aufzugeben. Werde  nicht zum Unmenschen, indem du dich nur noch auf dich selbst konzentrierst, womit wir bei den Gefahren sind:

Die Gefahr an dieser Stelle ist es, ganz und gar im Eigenen zu verharren und den Kontakt zu seiner Umgebung zu verlieren. Dann wirst du zum Eigenbr√∂tler, zum merkw√ľrdigen Kauz oder gar zum Verr√ľckten.

Meistens sind das Männer und so ist es kein Zufall, dass ich hier die männliche Schreibweise verwendet habe. Ihnen geht, in viel größerem Ausmaß als dies bei Frauen zu beobachten ist,  der soziale Bezug ab und so verharren sie in ihrer eigenen seltsamen Welt, die sie, mit zunehmenden Alter, immer weniger  mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Manche  indes bedienen sich dazu Frauen, die  aufopferungsvoll ihren Alltag managen.

Vorrangig Frauen neigen leider dazu, ¬†schon am ersten, hier aufgez√§hlten Schritt zu scheitern, schlie√ülich werden sie, seit ihrer fr√ľhen Jugend, ¬†immer wieder dazu aufgefordert, sich vorrangig auf andere zu beziehen, sei es auf das Kind, dem Partner , den pflegebed√ľrftigen Elternteil oder anderen Mitmenschen, die ihren Beistand abrufen und dem sie nur allzu gerne nachgeben, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es sich hier per se um gesellschaftlich anerzogene oder doch angeborene Determinanten handelt. Nichtsdestotrotz lassen sie sich durchbrechen. Wenn die Frauen n√§mlich immer wieder ausschlie√ülich die ¬†Erwartungen der anderen erf√ľllen, erlangen sie kein Bewusstsein √ľber sich selbst und machen sich¬†so ¬†zum Opfer ihrer selbst.

Nun pl√§diere ich nicht daf√ľr, jegliche soziale Verantwortung fallen zu lassen, vielmehr geht es darum, sich innerlich soweit davon zu isolieren, wie irgendwie m√∂glich und auch nur dem nachzukommen, was den eigenen ethischen √úberlegungen entspricht. So schaffen sich dann auch Frauen die notwendigen Freir√§ume, ihre eigenen Innenwelten zu entdecken und zu leben.

H√ľtet euch dabei aber vor Floskeln wie „Das tut man aber so“, „Das erwartet meine Familie/Religion von mir“, „Das w√ľrde immer schon so gemacht“. Das ¬†sind Ausfl√ľchte, ¬†mit deren Hilfe wir uns vom eigentlichen Menschsein abschneiden.

3. ¬†Im dritten Schritt muss man sein Sein nach au√üen tragen und danach trachten, seine eigene subjektive Welt im Objektiven zu verwirklichen. Menschen, die dies geschafft haben, gelten als Charismatiker, die nicht mehr, wie Marionetten an den F√§den h√§ngen, die von anderen gespielt werden, sondern selbst zu Puppenspielern geworden sind. All dies l√§sst sich nicht durch gewaltt√§tige-monstr√∂se Anstrengungen verwirklichen, vielmehr gelingt es, wenn man sich selbst immer wieder auf seine eigenen, selbst gew√§hlten und immer wieder hinterfragten Kriterien bezieht. Man sollte best√§ndig ¬†dar√ľber¬† reflektieren, f√ľr was man seine Kraft ¬†investiert und mit wem man seine Zeit verbringt.

Nun bist du in der Königs- und Königinnenklasse angekommen. Du bist nun eine charismatische Persönlichkeit, die die eigene subjektive Welt zum Zentrum von dem macht, was sie umgibt. So strahlst du dann als deine eigene Sonne nach außen  und machst dir die Welt, wie sie dir gefällt.

 

Über die Dämonen!

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Die Geburt eines Dämons, Din A3, Mixed Media, Rauhnächte 2015/16

Die Vergangenheit umzudeuten, sodass uns – aus dem, was wir ¬†uns r√ľckblickend selbst oder auch anderen erz√§hlen, eine eing√§ngige Geschichte wird, f√ľhrt, wenn dies unbewusst und nicht willentlich geschieht, ¬†dazu, dass die eigentliche Wahrheit zu einem Energiefeld wird, was nicht mehr ber√ľhrt werden will: ¬†was in Ruhe gelassen werden will und was eigentlich danach verlangt, tief in den Zeitstrom zu versinken. Dass, was da immer weiter in die Tiefen unseres Unterbewusstseins absinkt,¬†¬†kann zum Nacht-Alb werden, zum D√§mon, der uns qu√§lt und der – von unseren √Ąngsten gen√§hrt – ¬†immer monstr√∂ser wird.

Der D√§mon, den wir erschaffen haben, ¬†ist von uns isoliert. Er ist nun ein anderer als wir selbst und doch schreit er danach, integriert zu werden. ¬†Doch dazu m√ľssten wir uns ihn bewusst machen, wogegen sich der Mensch in der Alltags-Hypnose wehrt und¬†so bef√§higen wir den D√§mon – gerade durch unsere¬†Abwehr – dazu, ¬†dass er¬†uns, als das eigenst√§ndige Wesen, was er nun ¬†ist, in unserem Innern vernichten m√∂chte.¬†Uns¬†von D√§monen aller Art zu¬†befreien, das ist der Sinn von schamanischen Extraktionen oder – im christlichen Bezugsrahmen gesprochen – von Teufelsaustreibungen. ¬†Hier wird zumeist ¬†jemand anderes als man selbst t√§tig, n√§mlich ein Schamanen-Priester, ¬†um den D√§mon fortzuschicken und/oder zu verwandeln.

Der D√§mon ¬†wird sich, einmal Energie geworden, ¬†unabh√§ngig ¬†davon, ob er noch im Innern des Menschen haust oder schon im Au√üen befindet, danach trachten, sich mit seinesgleichen zusammenschlie√üen¬†und so das d√§monische Kraftfeld st√§rken, wo jede gute Absicht ¬†in B√∂sartigkeiten vielf√§ltigster Art verwandelt wird. ¬†Das ist die¬†¬†d√§monische Zone, ¬†die im Kollektiv verwurzelt ist. Sie l√§sst sich von Mutigen bereisen, wie es einst Dante getan hat, der die neun H√∂llen durchschritten hat, sich dabei aber vom weisen Virgil f√ľhren lie√ü. ¬† In dieser Zone¬†befinden sich die¬†gr√∂√üten Tabus und die monstr√∂sesten Abgr√ľnde.¬†Den D√§mon bei einer Extraktion deshalb¬†nur einfach fortzuschicken, ohne ihn zu verwandeln, halte ich f√ľr grob fahrl√§ssig, es sei denn, man h√§tte gute Gr√ľnde daf√ľr, hier¬†anders zu¬†handeln, beispielsweise weil man die tiefste Dunkelheit als Treibstoff¬†nutzt,¬†um das, was noch nicht materialisiert ist, zu erschaffen.

Doch soweit sind wir noch nicht.¬†Um uns der ungeliebten D√§monen erst einmal nur zu entledigen, ben√∂tigen wir keine Heiler oder Priester. Die Wahrheit will ans Tageslicht kommen und wir m√ľssen uns nur der verdr√§ngten Vorg√§nge bewusst werden, um den D√§mon in sich aufzul√∂sen und in etwas St√§rkendes zu verwandeln. Indem wir Probleme klar benennen, ohne dabei verletzend zu werden, bezwingen wir auf diese Art und Weise nicht¬†nur eigene, sondern auch fremde D√§monen.

Wir¬†k√∂nnen uns¬†die Kraft der D√§monen jedoch, wie ich schon andeutete, ¬†auch zunutze machen. Wir isolieren dann unseren Willen, geben ihm einen Energiek√∂rper und senden diesen als D√§mon in das objektive Universum aus, um f√ľr uns t√§tig zu werden. Vielleicht verbinden wir unseren so erschaffenen D√§mon sogar mit denen, die in der kollektiven Zone der Dunkelheit wohnen, um so die ¬†Kraft ¬†des von uns kreierten Energiek√∂rpers ¬†zu potenzieren. ¬† Goethe hat ¬†einen solchen¬†¬†Vorgang im „Zauberlehrling“ anschaulich geschildert¬†und warnt darin vor einer Magie, deren Konsequenzen wir nicht mehr h√§ndeln k√∂nnen. Mit Gewissheit aber wird der¬†Lehrling nach vielen Fehlversuchen und Ausdauer zum Meister werden.¬†Wehe dem, der den Zorn eines solcherma√üen gereiften Zauberers ¬†auf sich gezogen hat und der nun nicht nur von den eigenen, sondern auch von fremden D√§monen gequ√§lt werden wird. Verdammt bis in alle Ewigkeit ist er: ¬†es sei denn,¬†er¬†w√§re selbst ein Magier.

Wenn die subjektive Welt und die objektive Welt der Magierin ¬†jedoch eins geworden sind, dann braucht es keine Heerscharen von D√§monen mehr, die ausgesandt werden, um zu ver√§ndern, was noch nicht passend erscheint. Bis¬†eine solche Vollendung erreicht ist, erschaffe ich mir meine individuelle Mythologien auf k√ľnstlerischen Wegen.

Was sind die Götter?

Dark Goddesses

Dark Goddesses, mixed media, 49 x 42 cm

Das sind meine Gedanken zu den Göttern:

Die G√∂tter bestehen im objektiven wie auch im subjektiven Universum. Sie sind also gleichfalls von mir (oder dir) kreiert, wie sie auch im Au√üen, also unabh√§ngig vom Individuum bestehen. Vielleicht sind alle G√∂tter urspr√ľnglich vom Menschen erschaffen worden, haben dann aber ihre Autonomie errungen. Die Riesen sind die G√∂tter der G√∂tter.

Die meisten G√∂tter pflegen eine Wechselwirkung von unabh√§ngiger Existenz und „sich von der Glaubensenergie der Menschen n√§hren“.

Die Götter werden also durch den Glauben der Menschen größer, wobei verschiedene Menschen immer auch verschiedenen Vorstellungen von den Göttern folgen. Der Gott nimmt diese Energien auf und gibt ihnen Form. Götter können auch in Vergessenheit geraten. Ihre Energieformen werden  dann kleiner, was aber nicht meint, dass sie nicht mehr existent wären.

Die herrschenden Glaubenssysteme √ľben ein Dogma aus, was die Glaubensaus√ľbung ihrer Anh√§nger jeweils in eine vorgeschriebene Richtung kanalisieren soll. Es wird den Menschen also vorgeschrieben, wie ihre Sicht auf einem beliebigen Gott zu sein hat, dessen Energiek√∂rper dann im Objektiven sich immer mehr in genau diese Richtung verfestigen wird.

Zu Göttern unseres eigenen Kulturkreises finden wir leichter Zugang als zu denen anderer Völker, einfach deshalb, weil uns zu ersteren schon durch die Geburt und eine lange Ahnenreihe ein intuitiver Zugang vererbt ist. Nichtsdestotrotz ist es uns möglich auch zu Göttern anderer Völker eine Verbindung aufzubauen.

Als kultur√ľbergreifender „Archetyp“ existieren G√∂tter, die in verschiedenen Auspr√§gungen, allen Kulturen gemein sind. Als Beispiele w√§ren hier die gro√üe Mutterg√∂ttin oder der Trickster-Gott zu nennen.

Es gibt jedoch auch Götter, die von der Menschheit unabhängig sind.

Als Magier kann ich mich, um meinem Willen zu wirken, auf die Energien der Götter beziehen.

Als K√ľnstler kann ich individuelle Mythologien erschaffen. Eine solche Kunst hat ihren Ursprung im Subjektiven, erschafft g√§nzlich neue Gott-Energien oder bezieht sich – was meistens der Fall ist – auf schon bestehende.¬† Nicht nur das Leben des K√ľnstlers wird so verwandelt, sondern auch die¬†G√∂tter werden¬†durch das k√ľnstlerische Tun bewegt, schlie√ülich sind deren Energien amorph. ¬†Kunst ist also ein Dialog zwischen subjektiver und objektiver Realit√§t und schafft so f√ľr alle Beteiligten neue M√∂glichkeits-R√§ume.

Was ist ein K√ľnstler also anderes als ein Magier und Schamane?

Wir sollten danach trachten, selbst zum Gott zu werden, was meint unser Selbst zu perfektionieren. Dazu muss man erst ein Monster töten. Manchmal sind es auch mehrere. Ich bin gerade dabei.

Jenseits des Spiegels: DísCall

Jenseits des Spiegels befindet sich die Welt unserer Imagination, was auch nur eine Beschreibung dessen ist, was in der momentanen Wirklichkeit noch nicht verwirklicht ist.

Die Spiegel-Welt ist der Resonanz-Raum unserer M√∂glichkeiten, unserer (noch) nicht-gelebten Tr√§ume, unserer W√ľnsche und unserer Verfluchungen.

Als K√ľnstlerin halte ich mich nur zu gerne in dieser Welt auf, muss dabei jedoch den Drang bezwingen, ganz darin versinken zu wollen und letztendlich mir dabei SELBST verloren zu gehen. Die Zauberm√§rchen des irisch-keltischen Raumes berichten von dieser Gefahr: Immer dann n√§mlich, wenn Sterbliche in das Elfenreich gelangen, wo ein Tag pl√∂tzlich sieben Jahre im menschlichen Leben z√§hlt, haben sie die Spiegelscheibe zwar durchbrochen, jedoch vers√§umt, zeitnah den R√ľcktritt in ihre irdische Existenz anzutreten. Sie sind dann „zu sp√§t“ zur√ľckgekommen, um noch vorzufinden, was sie verlassen haben und sind so letztendlich f√ľr das Diesseits verloren.

In den deutschen Sagen von der Bergentr√ľckung ist das H√∂hlenk√∂nigreich, das unendliche Sch√§tze birgt, f√ľr immer verschlossen. Die Trennung der beiden Welten ist unabweisbar vollzogen und sie kann nur dauerhaft durch die Kraft der Imagination, die sich jedoch nicht in den unendlichen Fluss des phantastischen Gaukelspiels verliert, √ľberwunden werden.

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Die blaue Blume öffnet zwar den Berg und lässt uns hinter dem Spiegel blicken, doch dann, wenn die Kraft unserer inneren Schau erlischt, stehen wir vor geschlossenen Felsenwänden und sind dazu verdammt, dumpf auf eine utopische Zukunft zu vertrauen, in der ein Retter-Kaiser sein Berg-Grab verlassen wird, um ein wunderbares Friedensreich zu errichten. Uns bleiben vorerst nur die Geschichten aus fernen Vergangenheiten. Verzweifelt suchen wir die blaue Blume.

Doch selbst wenn wir sie gefunden haben, ben√∂tigen wir die Kraft der D√≠sen, die uns helfen werden, die Trennung zwischen den Welten dauerhaft aufzuheben. Sie sind – vergleichbar den Walk√ľren – kriegerische Schlachthelferinnen und Sturmreiterinnen. Als solche unterst√ľtzen sie uns in den zahlreichen K√§mpfen mit den Zumutungen der objektiven Welt und k√∂nnen uns die Manifestation dessen erm√∂glichen, was sich noch verschlossen in unserem Traum-Bewusstsein befindet und was sich dennoch best√§ndig seinen Weg in das Diesseits bahnen will.

Die D√≠sen sind auch die Verk√ľnderinnen des nahenden Todes, der auch nur eine Umschreibung f√ľr den Zustand ist, der uns erwartet, wenn sich unser Bewusstsein vom Diesseits ins Jenseits verschiebt. Sich SELBST gesegnet ist derjenige, der die Nabelschnur zwischen den Welten niemals hat abrei√üen lassen und auch diejenige, die im jetzigen Leben ihr Bewusstsein schon mit dem des Jenseits-Bewusstseins verbunden hat und sich gerade deshalb dabei SELBST-bewusst bleibt.

Und so manifestiere ich mein Werk in der objektiven Welt, indem ich Zwiesprache halte zwischen den Welten „vor“ und „hinter“ dem Spiegel. Die D√≠sen werden so zur Geburtshelferinnen des kreativen Traumes. Die Rahmentrommel kann die Reise begleiten, w√§hrend die Leinwand zum Ort der Synthese zwischen „hier“ und „dort“ wird und so begebe ich mich auf meine schamanisch-magische Reise. Immer wieder. Zweifelsfrei. Willst du mich begleiten?

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Filmempfehlung:

Virtueller Kunstworkshop, Teil 2

Das Ergebnis meines virtuellen Kunstworkshops der letzten Woche gibt einen Eindruck davon, wie ein kreativer Prozess bei mir abläuft. Dies kann euch vielleicht animieren, es ähnlich zu versuchen oder aber eure kreativen Techniken mit meiner zu vergleichen.

Konkret habe ich ausgehend von einem zuf√§llig ausgelosten Begriffes des Deutschen W√∂rterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm in einem durchaus als tranceartig-schamanistisch zu beschreibenden Zustand Korn√§hren gemalt, die sich immer mehr zur Rune Othala verformten. Die Deutung dieser Rune habe ich dann erneut mit dem Begriff des W√∂rterbuches verkn√ľpft, was wiederum neue Assoziationsketten freisetzte, die mich – was aber in der Video-Pr√§sentation nicht eingearbeitet ist – letztendlich bis zu den Walk√ľren, den germanischen Totend√§monen, f√ľhrten.

Mittels dieses spielerischen Prozesses kreiere ich, indem ich Kontexte verschiebe und das Bewusstseinsfeld der Synchonit√§ten f√ľr mich nutze, individuelle Mythologien, die aber durchaus das Kraftfeld tradierter Mythen ber√ľhren und mit ihnen wiederum in Dialog treten. Dies schafft einen rational-intuitiven Wachstumsprozess (Xeper!), kann aber auch – das ist quasi der doppelseitige Nutzen – das angesprochene Kraftfeld im objektiven Universum m√§andernd-ausweitend bef√∂rdern.

Und wie sieht es bei denjenigen aus, die ein solcherma√üen initiiertes Kunstprodukt konsumieren – vielleicht sogar unwissend? Wird der Betrachter durch seine Rezeptionen und Interpretationen nicht auch in das Kraftfeld bef√∂rdert, geht in das Gespr√§ch damit und wird so selbst zum Teil des Stromes des Werdens? Und wenn er dies nicht ignoriert oder negiert, kann es ihn dann nicht auch bef√∂rdern, sein Selbst best√§ndig zu transformieren? Ist nicht genau dies die heilende Wirkung von Kunst, die sich als erweiterter¬†„Aura“ -Begriff beschreiben l√§sst?

Zum Nachlesen: Vorstellung der Projektidee
Weitere Erklärungen zum Konzept der Individuellen Mythologien finden sich hier.

Im Tanz die Unendlichkeit ber√ľhren

Dieser Text ist in meinem Buch „Mami Watas Tanz“ 2008 erschienen. Mittlerweile ist es¬†nur noch in Restbest√§nden k√§uflich zu erwerben.

Tanz ist eine wichtige Form der religi√∂sen √Ąu√üerung, machtvoll und wild. Bauchtanz ist der Weiblichste aller T√§nze, was liegt also n√§her, als den Bauchtanz als ein Tor zu erkennen, durch das wir treten k√∂nnen, um uns eine weibliche Spiritualit√§t zur√ľckzugewinnen, die l√§ngst verloren geglaubt schien.

Nicht l√§nger wollen wir mit unseren stinkenden Autos der dicht befahrenen, breiten Stra√üe folgen, die uns direkt zur H√∂lle des Plagiats f√ľhren w√ľrde. Ein Unfall wirft uns aus der Bahn und l√§sst uns einen kleinen steinigen Pfad entdecken, der unscheinbar von der gro√üen Stra√üe abzweigt.

„Da m√ľsst‘ ich ein Narr sein, wenn ich den engen und rauen Weg gehen sollte“, verk√ľndet Bruder Lustig im alten M√§rchen. Doch wir, wagemutig geworden, werden zur N√§rrin und verlassen unser sicheres Auto.

Unser eigenes Lebensprofil wollen wir entwickeln, sei es nun im Tanz oder in anderen Lebens-K√ľnsten. Und so folgen wir unserer eigenen Bestimmung, unserem ureigensten Talent, das wir einst von einer gutm√ľtigen Fee in die Wiege gelegt bekommen und danach – in der Phase der Imitation – vervollkommend haben.

Wir wandern den kleinen Pfad entlang. Bald schon finden wir uns in einem dunklen un√ľberschaubaren Tannenwald wieder. Die B√§ume stehen eng beieinander. Immer dichter dr√§ngelt sich ein Baumstamm an den n√§chsten, schlie√ülich sickert das Tageslicht nur noch als ein sp√§rlicher Schimmer von oben herein. Die ungewohnten Ger√§usche des Waldes, das Knacken und Rascheln im Unterholz, mahnen uns zur Umkehr. Doch wir lassen uns nicht beirren und singen ein fr√∂hliches Lied gegen die Angst: „Ich wandere meinen Weg, √ľber Br√ľcke und Steg.“ Und w√§hrend wir noch selbstvergessen „bald da, bald dort, immer fort und fort“ summen, haben wir l√§ngst den kleinen Pfad im wild wuchernden Gestr√ľpp verloren.

Nur Kleingeister versinken nun im Selbstmitleid und trauern der stinkenden Schnellstra√üe hinterher, die Sicherheit versprach und doch nur Tod meinte. Voller Panik irren sie, auf der Suche nach ihren leicht demolierten, dennoch startklaren Autos, durch den Wald. Wir dagegen verlassen uns lieber auf unsere Intuition. Unabwendbar wird sie uns zur√ľck zum kleinen Pfad f√ľhren, der uns schlie√ülich zu unserer wahren Bestimmung, dem Himmel, bringen wird.

Schon auf unserer Wanderschaft werden wir belohnt durch ungeahnte Perspektiven, die sich uns auftun. Und langsam, ganz langsam, werden wir dabei selbst zu dieser starken T√§nzerin, deren Arme – ganz ohne orientalische Choreografien – in den Himmel weisen. Die F√ľ√üe stehen dabei fest auf der Erde. Ihre H√ľften zeichnen unsichtbare Achten. Achten nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten. Sie versinkt selbst in ihren Achten, wird eins mit der Figur, dem Symbol f√ľr die Unendlichkeit.

Auch der Kreis des Jahres wiederholt sich unendlich. Anschaulich f√ľhrt uns der Jahreskreis vor Augen, dass auf die Dunkelheit das Licht folgt. Nach einem langen ¬†kalten Winter, wenn sich die ersten Fr√ľhlingsblumen noch m√ľhsam durch den Schnee k√§mpfen, tr√§gt unsere Hoffnung farbenfrohe Knospen. Und wir feiern ein fr√∂hliches Fr√ľhlingsfest, feiern uns und die wiedererwachende Natur.

Unentwegt zelebriert die Frau weiterhin Achterschleifen, die wie R√§der hinweg rollen auf der Stra√üe des Lebens. Es wird Sommer, Herbst und Winter. Im Fr√ľhling kehrt sie zur√ľck, zum Ausgangspunkt, an dem alles begann. Acht mal Acht ergibt dann auch 64 und schon im I-Ging, dem chinesischen Orakelspiel, folgt dieser Zahl nur noch die Vollkommenheit.

Wer ist die Frau, die da unerm√ľdlich tanzt? Du bist es; ich bin es; wir sind es. Es ist die Allmutter, die G√∂ttin selbst, die alles Leben aus ihrem gro√üen dicken Bauch hinaus presst, immer wieder.

Und so tanzen wir mit ihr zusammen im Reigen der alten Jahreskreisfeste. Acht Feste gibt es. Acht Feste zum Tanzen, Singen und Fröhlichsein.

Die Jahreskreisfeste geben uns einen Rahmen vor, eine Struktur, die wir jeweils mit zauberhaften Festen f√ľllen k√∂nnen. In deren sch√ľtzendem Rahmen k√∂nnen wir uns r√ľckbesinnen auf l√§ngst vergessen geglaubte weibliche Lebenskraft. Weibliche Kreativit√§t, die sich bisher nicht in gesellschaftlich anerkannte Bahnen lenken lie√ü, die schlie√ülich negiert, dann vergessen wurde, bahnt sich wieder einen Platz: frei, wild, entschlossen, vielleicht auch beunruhigend h√§sslich! Wir d√ľrfen es wieder sein. Hysterisch! Warum eigentlich nicht? Kreischend! Das sind wir. Ein Haufen von fettwanstigen Weibern mit H√§ngebusen, die den „Arsch“ wackeln lassen und dabei die W√ľnsche und Tr√§ume, die vor Jahren die Mutter in die Spielzeugkiste gepackt hat, wieder Gestalt werden lassen.

Tanzende Frauen treffen auf Geschichten erzählende, schreibende, malende und musizierende, acht Mal im Jahr. Es gibt keine starre Trennung mehr zwischen den Kunstgattungen. Und was wird daraus?

Magie. Zauberei. Die I-Magie-nation der eigenen W√ľnsche und Tr√§ume mit Hilfe von Symbolen bewirkt Wundersames: erst bei dir und dann auch in der Au√üenwelt. Du beginnst vielleicht ¬†zu fordern, was dir zusteht, mehr Raum, nicht nur Frauenraum. Du machst dich auf, beginnst die Expedition, folgst der eigenen inneren Landkarte, beginnst das Territorium f√ľr dich abzustecken, zu erobern. Leichtf√ľ√üig tanzt du durch die Stadt, durch das Land. Du bist das M√§dchen mit den tanzenden Schuhen, kannst gar nicht mehr aufh√∂ren. Aber was ist daran noch schlimm? Im M√§rchen von Andersen ist das alles vom Teufel, aber wenn doch die ganze Welt mittanzt, eine tanzende, feiernde Welt von fr√∂hlichen Frauen und Kindern, sogar die M√§nner lassen schlie√ülich Schlips und Aktentasche fallen, tanzen mit dir, gleichberechtigt, dann ger√§t alles in einen beschwingten Fluss. Und pl√∂tzlich findet ihr euch wieder in der m√§rchenhaften Zeit, wo das W√ľnschen noch geholfen hat. Doch es ist Gegenwart: wo das W√ľnschen noch hilft. Und ehe ihr euch verseht, ist der Teufel l√§ngst ein f√ľr allemal in die H√∂lle gefahren und mit ihm all die h√§sslichen Fabriken und √∂den B√ľro-Kasernen.

Dahin kann es f√ľhren, wenn du der tanzenden Urmutter, Athene, Frau Holle, Maria oder wie du sie auch nennen magst, in dir Raum gibst. Die G√∂ttin hat die Kraft zur Ver√§nderung. Sie verspricht keinen Fortschritt mehr, der immer nur ein Mehr an Lebensfeindlichkeit bedeutet. Sie schenkt Lebensqualit√§t und ist in ¬†dem, was sie bewirkt, genauso real wie der Gott, der gr√ľne Mann, der immer wieder am Ende eines Jahres geopfert werden muss, um ein neues Wachstum der Natur zu erm√∂glichen.

Und so kehrt die G√∂ttin langsam, auch mit deiner Hilfe – zum Beginn eines neuen Zeitalters – zur√ľck, um die Menschen auszus√∂hnen mit ihrem Planeten: der Mutter Erde.

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Weiße und schwarze Magie

Obelisk in der Dunkelheit

Plotin, einer der Neuplatoniker, unterscheidet die Welt in drei Schichten. Ganz oben ist der Geist, aus dem die Welt flie√üt. Er verfestigt sich zur Materie, die weit entfernt ist vom Geist. Die G√∂tter befinden sich in der Zwischenebene und sollen uns „auf“ helfen. Nach Plotin lautet n√§mlich das finale Ziel, dass der Mensch das „Eine“, also den numinosen Geist erreicht und damit eine mystische Symbiose bildet, um letztendlich den ewigen Wiedergeburten zu entgehen.

Wenn jetzt der Mensch die Götter beschwört (Theurgie) ist dies nach herkömmlicher Auffassung weiße Magie, wenn er sich aber beispielsweise mit der Totenbeschwörung beschäftigt (Goetik), dann gilt das als böse, schließlich verbinden wir uns dann mit Geistern, die den Aufstieg nicht geschafft haben. Happy Halloween!

Divination wiederum w√§re in diesem System wei√üe Magie, denn schlie√ülich greife ich damit das „Feld“ ab, was zum Aufstieg zum Einen dienen soll. Die G√∂tter geben mir quasi „Zeichen“. Bewusste Ver√§nderung der Divinationsergebnisse w√§ren dann aber wiederum schwarze Magie, genauso wie selbstverst√§ndlich Fl√ľche.

Alles sehr interessant Рschließlich hat der Neuplatonismus seinen Einfluss auf die mittelalterliche Philosophie gehabt, die wiederum die christliche Heilslehre in eine neuplatonische Schablone umschrieb. Unterschwellig scheint Рsozusagen als christliches Kulturgut Рdie eben aufgezeigte Definition von weißer und schwarzer Magie bis heute zu wirken.

Jedenfalls werden nun nicht nur die Aufklärungsschriften der christlichen Fundamentalisten gegen das Halloween-Spektakel verständlich, auch können wir esoterisch-spirituelles Handeln nun im Sinne von Plotin deuten. Und das bringt Überraschungen:

Wenn jetzt n√§mlich die Geomanten ein Mantrasingen f√ľr die Erdheilung zelebrieren ist das neuplatonisch „eng“ gesehen als „schwarze“ Magie zu interpretieren, da es sich dabei um einen bewussten Eingriff in das g√∂ttliche Feld handelt. Genauso ist jegliche Form von Reiki zu beurteilen und rein performativ betrachtet ist ein gut gemeinter Segen genauso eine magische Operation wie ein b√∂ser Fluch.

Dies wird die sogenannten „Lichtarbeiter“ sicherlich erstaunen, w√§hnen sie sich doch auf der Seite der Guten.

Die Grenzen zwischen „wei√ü“ und „schwarz“ schwinden also, besonders dann, wenn wir jetzt beispielsweise auch noch versuchen wollen, die Kerzenmagie der katholischen Kirche einzuordnen. Dabei handelt es sich eindeutig um schwarze Magie.