Der zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2

Der Samstag begann mit einer zweistündigen Stadtführung durch Venedig.

Wir bekamen dabei ein Audiogerät und Kopfhörer ausgehändigt, sodass wir die Führung, trotz der Besuchermassen in Venedig, gut verfolgen konnten.

Wir hielten uns dabei lange Zeit auf dem Marktplatz auf und bekamen nähere Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten präsentiert. Danach schlenderten wir durch das Gewirr der kleinen Straßen von Venedig, begleitet von  durchaus unterhaltsamen Erklärungen unserer Führerin Elisabeth.

Die Figur auf der Säule soll den Sieg über das Heidentum darstellen.

Mir hat die Stadtführung sehr viel Freude bereitet  und ich kann sie unumschränkt empfehlen. Man sieht schließlich nur, was man weiß und eine professionelle Führung kann den  ersten Zugang  erleichtern. Danach sollte man sich dann die Zeit nehmen, um seinen eigenen Vorlieben nachzugehen oder sich einfach treiben zu lassen, um sich von dem überraschen zu lassen, was einen begegnet.  So ähnlich halte ich es auf all meinen Reisen. „Der zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2“ weiterlesen

O Isis und Osiris!

Bis zum 25. Februar wird im Hannoverschen Kestnermuseum die Ausstellung „O Isis und Osiris“ gezeigt.  Der Titel der Ausstellung  ist  einer Arie des Freimaurers Mozart entnommen. In der Zauberflöte singt  nämlich der Priester Sarasto: „O Isis und Osiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar“.

Inhaltlich behandelt die Ausstellungen den Einfluss eines imaginären Ägyptens auf die Mysterienkulte, die die Freimaurer-Logen seit dem 18. Jahrhundert zelebrier(t)en.

Beispielsweise wird vom Gott Set(h) berichtet. Dieser ist vor allem durch den Osiris-Mythos bekannt.  Er tötete seinen Bruder Osiris und zerstückelte ihn.  Nach dessen Tod beansprucht Set(h) den Thron über ganz Ägypten. In ihrer Eigenschaft als liebende Gemahlin und Schwester fügte Isis, mit Hilfe von Magie,  die zerstreuten Glieder Osiris wieder zusammen und erweckte Osiris so wieder zu neuem Leben. In der Gestalt eines Milans empfing sie so Horus, der später zum Himmelsgott aufstieg und sich an Set für den Mord an seinen Vater rächte.

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Alltagszaubereien

Gestern ging es, zusammen mit einer Freundin, zum Völkerkundemuseum in Hamburg. Wir waren extra wegen der dort stattfindenen Sonderausstellung über „Kubas afrikanische Geister“ angereist und verloren uns schon bald in der Betrachtung der afro-kubanischen Objekten, die überwiegend magisch bespielt worden sind.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30.04 und zeigt 600 Exponate des Santeria und Palo Mayombe Kultes, die aus der hauseigenen Sammlung sowie dem Soul of Africa-Museum, das wir gerne auch noch einmal besuchen wollen, stammen.

Zur Einstimmung auf den Ausstellungsbesuch hatte ich uns ein afro-brasilianisches Tarot besorgt, das sich von den westafrikansichen Göttern hat inspirieren lassen, die über den Sklavenhandel den Weg in die Neue Welt gefunden und sich dort mit christlich-indianischen Einflüssen zu einer synkretischen Religion verbunden haben. Man kann hier sicherlich kritisieren, dass die Glaubenspraktiken der afro-amerikanischen Kulte, inklusive der Divinationspraktiken, rein gar nichts mit der Tradition des Tarots zu tun habent, allerdings steht im zugegebenermaßen nicht sehr umfangreichen beigelegten Büchlein, dass es sich hier nur um eine Inspiration handelt und so kein Anspruch auf eine irgendwie geartete Authentizität erhoben wird. Der würde ich sowieso kritisch gegenüberstehen, zumal ich es ablehne, irgendwelchen religiösen Regeln, die von anderen erdacht worden sind, zu folgen, schließlich ist jede/r sein eigener Gott/seine eigene Göttin.

Als spielerische Annäherung zog meine Freundin die Karte die Hohepriesterin, die im vorliegenden Tarot der Orisha Nana Buruku zugeodnet wird. Sie ist die Urmutter, die aus dem zähen Schlamm neues Leben erschaffen kann und so beständig Altes zu Neuem verwandelt. Sie stapft durch die Zeiten, fegt mit ihrem Besen weg, was fort muss, hält an, was zu schnell ist und tanzt sich ganz langsam aus dem Ozean heraus, um als Regen die Erde neu zu befruchten.

In der Ausstellung fanden wir sie nicht vor, dafür aber Osain, der als Orisha der Wälder die Karte des Gehängten zierte. Als Fetischobjekt ist er als gehörnter Betonkopf, der für die Einweihung eines Priesters hergestellt wurde, vorhanden. Er wurde jedoch niemals spirituel genutzt, wie uns ein Täfelchen erklärt. Wie solche Fetische aussehen, wenn sie in religiösen Ritualen verwendet werden, kann man an den Köpfen sehen, die in der Vitrine daneben stehen und sichtbar mit Blut und Wachs beschmiert sind und so eine dunkle Farbe angenommen haben.

Die gezogene Tarotkarte zeigt Osain, wobei der Blick von oben, also wahrscheinlich vom Baumwipfel aus, auf ihn gerichtet ist. Er schreitet tänzerisch mit einem Zepter und einer Kalebasse, wohl als Symbole der Synthese von weiblicher und männlicher Macht, durch die Wälder, die mit ihren heilerischen, tödlichen und ekstatischen Ingredienzien, vielfältige Veränderungen des eigenen Blickwinkels ermöglichen, wie es eben auch durch den „Gehängten“ im traditionellen Tarot ausgedrückt wird.

Ein Bild von Osain ziert übrigens die Wand meiner Wohnung. Es ist ein frühes Bild von mir, was ich in Gambia gemalt habe. Mit Osain selbst und der Energie, die er verkörpert, beschäftigte ich mich lange nicht mehr. Vielleicht ist die magische Synchronität, die ich gestern erlebte, der Ruf, ihn als wilder Mann oder als wilde Frau in die Wälder zu folgen, um zu verändern, was der Veränderung bedarf?

Ein weiteres Bild von Osain:

Nachdem wir uns auf diese Art und Weise in der Ausstellung vielfältige Anregungen für Alltagszaubereien geholt hatten, besuchten wir die Bibliothek des Museums, die wunderbar altertümlich daher kommt. Ein Vater erklärt dort seinem Sohn, dass das hier aussieht „wie bei Harry Potter“ und wirklich stehen u.a. auch die Harry Potter-Bücher im – auf zwei Regalwänden – platzierten Hexenarchiv, dessen Literatur u.a. den Bogen zwischen der neuheidnischen Gegenwart und der magischen Praxis verschiedener Religionen, wie sie im Museum nicht nur in Bezug auf Kuba, sondern auch in den Kontexten anderer Ethnien präsentiert wird, spannt. Leider fehlt aktuelle Literatur, zumindest sahen wir sie in der Kürze der Zeit nicht.

Das Restaurant im überbauten Innenhof des Museums heißt „Okzident“, bietet aber vorwiegend orientalische Köstlichkeiten. Die schrillen Stimmen der anderen Gäste lassen uns zur Darstellung des arktischen Schamanismus mit Rahmentrommeln und obskuren Darstellungen von Tiergeistern flüchten. Die Südseemasken, obwohl im spärlich beleuchteten Raum mit Natursound als Hintergrund präsentiert, entführen uns in tropische Wälder, die uns aber weniger düster erscheinen, als die Fetische des kubanischen Santeria-/Palo-Kultes. Zwergenhaft, verschwitzt und spöttisch lächeln sie einen an, bevor wir, auf diese Art von ihnen begleitet, ein Langhaus der Maori bestaunen dürfen.

Wir durchqueren Westafrika, um uns dann mit den Schönheitsidealen der Afrikaner vertraut zu machen und das alles in einem herrlich historischen Gebäude von 1911. So kann ich bei der Besucherbefragung, die gerade durchgeführt wurde (Evaluation ist schließlich alles!) nur Positives berichten. Doch meine Geschichten sind hier nicht gefragt, stattdessen kreuze ich lachende Smilies an, derweil meine Freundin zwischen altägyptischen Mumien verschollen geht.

Fünf Stunden waren wir nun im Museum und die Zeit verging uns wie im Fluge, wofür Nana Buruku danke müssen.

Danke auch Ihnen für Ihre hingebungsvolle Aufmerksamkeit! 🙂

P.S. Auf der Rückfahrt zeichnet Mo, glücklich darüber, weitgehend von grölenden Fußballfans verschont geblieben zu sein, im Zug Waldlandschaften. Natürlich.

Etwas Besonderes sein!

Wer möchte das nicht? Sich von der Menge abheben und  irgendwie einzigartig sein! Doch die meisten Entscheidungen, die wir treffen, sind die zwischen Alternativen, die uns andere vorgegeben haben und die uns innerhalb eines Variantenraumes individuell vorkommen, in Wirklichkeit aber nur kleine Abweichungen der immer gleichen Einfalt sind, die uns von der Bewusstseinsindustrie tagtäglich eingetrichterte wird.

Die Entscheidung lieber zum italienischen als zum griechischen Restaurant zu gehen, unsere Vorliebe für die Farbe Orange und unser Interesse am Jogging, all das macht nicht die Einzigartigkeit unseres Selbst aus. Wir nähern uns diesem aber an, wenn wir uns von den Erwartungshaltungen unserer Umwelt lösen.

1. Der erste Schritt dazu kann es sein, nicht  beständig danach, zu schielen,  was gerade angesagt ist und wie wir bei anderen ankommen.  So durchbrechen wir die Fernsteuerung, die uns beständig zombifiziert,  wenn wir nichts dagegen setzen.

Folgende Fragen können uns bei der eigenen Bewusstwerdung helfen:

Welche Art von Person möchtest du sein? Wie siehst du aus? Worüber denkst du nach? In welcher Umgebung hältst du dich auf? Lade das Bild immer wieder mit Kraft auf und hinterfrage fortlaufend, inwieweit dieses deinen oder fremden Erwartungen entspricht. Nur das, was nicht ferngesteuert Wünsche und Projektionen von anderen erfüllt, darf in diesem Prozess Bestand haben. Insofern musst du dich fortlaufend selbst in Frage stellen und damit auch niemals aufhören, ansonsten läufst du Gefahr, dass das, was du errungen haben, wieder in das Unbewusste zurücksinkt.

2.  Was kannst du jetzt schon tun, was diesem idealen Selbst entspricht? Fange mit kleinen Dingen an und gebe Ihnen beständig Aufmerksamkeit, sodass sie wachsen können. Zieh die Aufmerksamkeit  von den Lebensumständen ab, die nicht passend sind, ohne dabei deine ethische Verantwortung, die immer selbstgeschöpft sein sollte,  aufzugeben. Werde  nicht zum Unmenschen, indem du dich nur noch auf dich selbst konzentrierst, womit wir bei den Gefahren sind:

Die Gefahr an dieser Stelle ist es, ganz und gar im Eigenen zu verharren und den Kontakt zu seiner Umgebung zu verlieren. Dann wirst du zum Eigenbrötler, zum merkwürdigen Kauz oder gar zum Verrückten.

Meistens sind das Männer und so ist es kein Zufall, dass ich hier die männliche Schreibweise verwendet habe. Ihnen geht, in viel größerem Ausmaß als dies bei Frauen zu beobachten ist,  der soziale Bezug ab und so verharren sie in ihrer eigenen seltsamen Welt, die sie, mit zunehmenden Alter, immer weniger  mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Manche  indes bedienen sich dazu Frauen, die  aufopferungsvoll ihren Alltag managen.

Vorrangig Frauen neigen leider dazu,  schon am ersten, hier aufgezählten Schritt zu scheitern, schließlich werden sie, seit ihrer frühen Jugend,  immer wieder dazu aufgefordert, sich vorrangig auf andere zu beziehen, sei es auf das Kind, dem Partner , den pflegebedürftigen Elternteil oder anderen Mitmenschen, die ihren Beistand abrufen und dem sie nur allzu gerne nachgeben, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es sich hier per se um gesellschaftlich anerzogene oder doch angeborene Determinanten handelt. Nichtsdestotrotz lassen sie sich durchbrechen. Wenn die Frauen nämlich immer wieder ausschließlich die  Erwartungen der anderen erfüllen, erlangen sie kein Bewusstsein über sich selbst und machen sich so  zum Opfer ihrer selbst.

Nun plädiere ich nicht dafür, jegliche soziale Verantwortung fallen zu lassen, vielmehr geht es darum, sich innerlich soweit davon zu isolieren, wie irgendwie möglich und auch nur dem nachzukommen, was den eigenen ethischen Überlegungen entspricht. So schaffen sich dann auch Frauen die notwendigen Freiräume, ihre eigenen Innenwelten zu entdecken und zu leben.

Hütet euch dabei aber vor Floskeln wie „Das tut man aber so“, „Das erwartet meine Familie/Religion von mir“, „Das würde immer schon so gemacht“. Das  sind Ausflüchte,  mit deren Hilfe wir uns vom eigentlichen Menschsein abschneiden.

3.  Im dritten Schritt muss man sein Sein nach außen tragen und danach trachten, seine eigene subjektive Welt im Objektiven zu verwirklichen. Menschen, die dies geschafft haben, gelten als Charismatiker, die nicht mehr, wie Marionetten an den Fäden hängen, die von anderen gespielt werden, sondern selbst zu Puppenspielern geworden sind. All dies lässt sich nicht durch gewalttätige-monströse Anstrengungen verwirklichen, vielmehr gelingt es, wenn man sich selbst immer wieder auf seine eigenen, selbst gewählten und immer wieder hinterfragten Kriterien bezieht. Man sollte beständig  darüber  reflektieren, für was man seine Kraft  investiert und mit wem man seine Zeit verbringt.

Nun bist du in der Königs- und Königinnenklasse angekommen. Du bist nun eine charismatische Persönlichkeit, die die eigene subjektive Welt zum Zentrum von dem macht, was sie umgibt. So strahlst du dann als deine eigene Sonne nach außen  und machst dir die Welt, wie sie dir gefällt.

 

Über die Dämonen!

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Die Geburt eines Dämons, Din A3, Mixed Media, Rauhnächte 2015/16

Die Vergangenheit umzudeuten, sodass uns – aus dem, was wir  uns rückblickend selbst oder auch anderen erzählen, eine eingängige Geschichte wird, führt, wenn dies unbewusst und nicht willentlich geschieht,  dazu, dass die eigentliche Wahrheit zu einem Energiefeld wird, was nicht mehr berührt werden will:  was in Ruhe gelassen werden will und was eigentlich danach verlangt, tief in den Zeitstrom zu versinken. Dass, was da immer weiter in die Tiefen unseres Unterbewusstseins absinkt,  kann zum Nacht-Alb werden, zum Dämon, der uns quält und der – von unseren Ängsten genährt –  immer monströser wird.

Der Dämon, den wir erschaffen haben,  ist von uns isoliert. Er ist nun ein anderer als wir selbst und doch schreit er danach, integriert zu werden.  Doch dazu müssten wir uns ihn bewusst machen, wogegen sich der Mensch in der Alltags-Hypnose wehrt und so befähigen wir den Dämon – gerade durch unsere Abwehr – dazu,  dass er uns, als das eigenständige Wesen, was er nun  ist, in unserem Innern vernichten möchte. Uns von Dämonen aller Art zu befreien, das ist der Sinn von schamanischen Extraktionen oder – im christlichen Bezugsrahmen gesprochen – von Teufelsaustreibungen.  Hier wird zumeist  jemand anderes als man selbst tätig, nämlich ein Schamanen-Priester,  um den Dämon fortzuschicken und/oder zu verwandeln.

Der Dämon  wird sich, einmal Energie geworden,  unabhängig  davon, ob er noch im Innern des Menschen haust oder schon im Außen befindet, danach trachten, sich mit seinesgleichen zusammenschließen und so das dämonische Kraftfeld stärken, wo jede gute Absicht  in Bösartigkeiten vielfältigster Art verwandelt wird.  Das ist die  dämonische Zone,  die im Kollektiv verwurzelt ist. Sie lässt sich von Mutigen bereisen, wie es einst Dante getan hat, der die neun Höllen durchschritten hat, sich dabei aber vom weisen Virgil führen ließ.   In dieser Zone befinden sich die größten Tabus und die monströsesten Abgründe. Den Dämon bei einer Extraktion deshalb nur einfach fortzuschicken, ohne ihn zu verwandeln, halte ich für grob fahrlässig, es sei denn, man hätte gute Gründe dafür, hier anders zu handeln, beispielsweise weil man die tiefste Dunkelheit als Treibstoff nutzt, um das, was noch nicht materialisiert ist, zu erschaffen.

Doch soweit sind wir noch nicht. Um uns der ungeliebten Dämonen erst einmal nur zu entledigen, benötigen wir keine Heiler oder Priester. Die Wahrheit will ans Tageslicht kommen und wir müssen uns nur der verdrängten Vorgänge bewusst werden, um den Dämon in sich aufzulösen und in etwas Stärkendes zu verwandeln. Indem wir Probleme klar benennen, ohne dabei verletzend zu werden, bezwingen wir auf diese Art und Weise nicht nur eigene, sondern auch fremde Dämonen.

Wir können uns die Kraft der Dämonen jedoch, wie ich schon andeutete,  auch zunutze machen. Wir isolieren dann unseren Willen, geben ihm einen Energiekörper und senden diesen als Dämon in das objektive Universum aus, um für uns tätig zu werden. Vielleicht verbinden wir unseren so erschaffenen Dämon sogar mit denen, die in der kollektiven Zone der Dunkelheit wohnen, um so die  Kraft  des von uns kreierten Energiekörpers  zu potenzieren.   Goethe hat  einen solchen  Vorgang im „Zauberlehrling“ anschaulich geschildert und warnt darin vor einer Magie, deren Konsequenzen wir nicht mehr händeln können. Mit Gewissheit aber wird der Lehrling nach vielen Fehlversuchen und Ausdauer zum Meister werden. Wehe dem, der den Zorn eines solchermaßen gereiften Zauberers  auf sich gezogen hat und der nun nicht nur von den eigenen, sondern auch von fremden Dämonen gequält werden wird. Verdammt bis in alle Ewigkeit ist er:  es sei denn, er wäre selbst ein Magier.

Wenn die subjektive Welt und die objektive Welt der Magierin  jedoch eins geworden sind, dann braucht es keine Heerscharen von Dämonen mehr, die ausgesandt werden, um zu verändern, was noch nicht passend erscheint. Bis eine solche Vollendung erreicht ist, erschaffe ich mir meine individuelle Mythologien auf künstlerischen Wegen.

Was sind die Götter?

Dark Goddesses

Dark Goddesses, mixed media, 49 x 42 cm

Das sind meine Gedanken zu den Göttern:

Die Götter bestehen im objektiven wie auch im subjektiven Universum. Sie sind also gleichfalls von mir (oder dir) kreiert, wie sie auch im Außen, also unabhängig vom Individuum bestehen. Vielleicht sind alle Götter ursprünglich vom Menschen erschaffen worden, haben dann aber ihre Autonomie errungen. Die Riesen sind die Götter der Götter.

Die meisten Götter pflegen eine Wechselwirkung von unabhängiger Existenz und „sich von der Glaubensenergie der Menschen nähren“.

Die Götter werden also durch den Glauben der Menschen größer, wobei verschiedene Menschen immer auch verschiedenen Vorstellungen von den Göttern folgen. Der Gott nimmt diese Energien auf und gibt ihnen Form. Götter können auch in Vergessenheit geraten. Ihre Energieformen werden  dann kleiner, was aber nicht meint, dass sie nicht mehr existent wären.

Die herrschenden Glaubenssysteme üben ein Dogma aus, was die Glaubensausübung ihrer Anhänger jeweils in eine vorgeschriebene Richtung kanalisieren soll. Es wird den Menschen also vorgeschrieben, wie ihre Sicht auf einem beliebigen Gott zu sein hat, dessen Energiekörper dann im Objektiven sich immer mehr in genau diese Richtung verfestigen wird.

Zu Göttern unseres eigenen Kulturkreises finden wir leichter Zugang als zu denen anderer Völker, einfach deshalb, weil uns zu ersteren schon durch die Geburt und eine lange Ahnenreihe ein intuitiver Zugang vererbt ist. Nichtsdestotrotz ist es uns möglich auch zu Göttern anderer Völker eine Verbindung aufzubauen.

Als kulturübergreifender „Archetyp“ existieren Götter, die in verschiedenen Ausprägungen, allen Kulturen gemein sind. Als Beispiele wären hier die große Muttergöttin oder der Trickster-Gott zu nennen.

Es gibt jedoch auch Götter, die von der Menschheit unabhängig sind.

Als Magier kann ich mich, um meinem Willen zu wirken, auf die Energien der Götter beziehen.

Als Künstler kann ich individuelle Mythologien erschaffen. Eine solche Kunst hat ihren Ursprung im Subjektiven, erschafft gänzlich neue Gott-Energien oder bezieht sich – was meistens der Fall ist – auf schon bestehende.  Nicht nur das Leben des Künstlers wird so verwandelt, sondern auch die Götter werden durch das künstlerische Tun bewegt, schließlich sind deren Energien amorph.  Kunst ist also ein Dialog zwischen subjektiver und objektiver Realität und schafft so für alle Beteiligten neue Möglichkeits-Räume.

Was ist ein Künstler also anderes als ein Magier und Schamane?

Wir sollten danach trachten, selbst zum Gott zu werden, was meint unser Selbst zu perfektionieren. Dazu muss man erst ein Monster töten. Manchmal sind es auch mehrere. Ich bin gerade dabei.

Jenseits des Spiegels: DísCall

Jenseits des Spiegels befindet sich die Welt unserer Imagination, was auch nur eine Beschreibung dessen ist, was in der momentanen Wirklichkeit noch nicht verwirklicht ist.

Die Spiegel-Welt ist der Resonanz-Raum unserer Möglichkeiten, unserer (noch) nicht-gelebten Träume, unserer Wünsche und unserer Verfluchungen.

Als Künstlerin halte ich mich nur zu gerne in dieser Welt auf, muss dabei jedoch den Drang bezwingen, ganz darin versinken zu wollen und letztendlich mir dabei SELBST verloren zu gehen. Die Zaubermärchen des irisch-keltischen Raumes berichten von dieser Gefahr: Immer dann nämlich, wenn Sterbliche in das Elfenreich gelangen, wo ein Tag plötzlich sieben Jahre im menschlichen Leben zählt, haben sie die Spiegelscheibe zwar durchbrochen, jedoch versäumt, zeitnah den Rücktritt in ihre irdische Existenz anzutreten. Sie sind dann „zu spät“ zurückgekommen, um noch vorzufinden, was sie verlassen haben und sind so letztendlich für das Diesseits verloren.

In den deutschen Sagen von der Bergentrückung ist das Höhlenkönigreich, das unendliche Schätze birgt, für immer verschlossen. Die Trennung der beiden Welten ist unabweisbar vollzogen und sie kann nur dauerhaft durch die Kraft der Imagination, die sich jedoch nicht in den unendlichen Fluss des phantastischen Gaukelspiels verliert, überwunden werden.

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Die blaue Blume öffnet zwar den Berg und lässt uns hinter dem Spiegel blicken, doch dann, wenn die Kraft unserer inneren Schau erlischt, stehen wir vor geschlossenen Felsenwänden und sind dazu verdammt, dumpf auf eine utopische Zukunft zu vertrauen, in der ein Retter-Kaiser sein Berg-Grab verlassen wird, um ein wunderbares Friedensreich zu errichten. Uns bleiben vorerst nur die Geschichten aus fernen Vergangenheiten. Verzweifelt suchen wir die blaue Blume.

Doch selbst wenn wir sie gefunden haben, benötigen wir die Kraft der Dísen, die uns helfen werden, die Trennung zwischen den Welten dauerhaft aufzuheben. Sie sind – vergleichbar den Walküren – kriegerische Schlachthelferinnen und Sturmreiterinnen. Als solche unterstützen sie uns in den zahlreichen Kämpfen mit den Zumutungen der objektiven Welt und können uns die Manifestation dessen ermöglichen, was sich noch verschlossen in unserem Traum-Bewusstsein befindet und was sich dennoch beständig seinen Weg in das Diesseits bahnen will.

Die Dísen sind auch die Verkünderinnen des nahenden Todes, der auch nur eine Umschreibung für den Zustand ist, der uns erwartet, wenn sich unser Bewusstsein vom Diesseits ins Jenseits verschiebt. Sich SELBST gesegnet ist derjenige, der die Nabelschnur zwischen den Welten niemals hat abreißen lassen und auch diejenige, die im jetzigen Leben ihr Bewusstsein schon mit dem des Jenseits-Bewusstseins verbunden hat und sich gerade deshalb dabei SELBST-bewusst bleibt.

Und so manifestiere ich mein Werk in der objektiven Welt, indem ich Zwiesprache halte zwischen den Welten „vor“ und „hinter“ dem Spiegel. Die Dísen werden so zur Geburtshelferinnen des kreativen Traumes. Die Rahmentrommel kann die Reise begleiten, während die Leinwand zum Ort der Synthese zwischen „hier“ und „dort“ wird und so begebe ich mich auf meine schamanisch-magische Reise. Immer wieder. Zweifelsfrei. Willst du mich begleiten?

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Filmempfehlung:

Virtueller Kunstworkshop, Teil 2

Das Ergebnis meines virtuellen Kunstworkshops der letzten Woche gibt einen Eindruck davon, wie ein kreativer Prozess bei mir abläuft. Dies kann euch vielleicht animieren, es ähnlich zu versuchen oder aber eure kreativen Techniken mit meiner zu vergleichen.

Konkret habe ich ausgehend von einem zufällig ausgelosten Begriffes des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm in einem durchaus als tranceartig-schamanistisch zu beschreibenden Zustand Kornähren gemalt, die sich immer mehr zur Rune Othala verformten. Die Deutung dieser Rune habe ich dann erneut mit dem Begriff des Wörterbuches verknüpft, was wiederum neue Assoziationsketten freisetzte, die mich – was aber in der Video-Präsentation nicht eingearbeitet ist – letztendlich bis zu den Walküren, den germanischen Totendämonen, führten.

Mittels dieses spielerischen Prozesses kreiere ich, indem ich Kontexte verschiebe und das Bewusstseinsfeld der Synchonitäten für mich nutze, individuelle Mythologien, die aber durchaus das Kraftfeld tradierter Mythen berühren und mit ihnen wiederum in Dialog treten. Dies schafft einen rational-intuitiven Wachstumsprozess (Xeper!), kann aber auch – das ist quasi der doppelseitige Nutzen – das angesprochene Kraftfeld im objektiven Universum mäandernd-ausweitend befördern.

Und wie sieht es bei denjenigen aus, die ein solchermaßen initiiertes Kunstprodukt konsumieren – vielleicht sogar unwissend? Wird der Betrachter durch seine Rezeptionen und Interpretationen nicht auch in das Kraftfeld befördert, geht in das Gespräch damit und wird so selbst zum Teil des Stromes des Werdens? Und wenn er dies nicht ignoriert oder negiert, kann es ihn dann nicht auch befördern, sein Selbst beständig zu transformieren? Ist nicht genau dies die heilende Wirkung von Kunst, die sich als erweiterter „Aura“ -Begriff beschreiben lässt?

Zum Nachlesen: Vorstellung der Projektidee
Weitere Erklärungen zum Konzept der Individuellen Mythologien finden sich hier.

Im Tanz die Unendlichkeit berühren

Dieser Text ist in meinem Buch „Mami Watas Tanz“ 2008 erschienen. Mittlerweile ist es nur noch in Restbeständen käuflich zu erwerben.

Tanz ist eine wichtige Form der religiösen Äußerung, machtvoll und wild. Bauchtanz ist der Weiblichste aller Tänze, was liegt also näher, als den Bauchtanz als ein Tor zu erkennen, durch das wir treten können, um uns eine weibliche Spiritualität zurückzugewinnen, die längst verloren geglaubt schien.

Nicht länger wollen wir mit unseren stinkenden Autos der dicht befahrenen, breiten Straße folgen, die uns direkt zur Hölle des Plagiats führen würde. Ein Unfall wirft uns aus der Bahn und lässt uns einen kleinen steinigen Pfad entdecken, der unscheinbar von der großen Straße abzweigt.

„Da müsst‘ ich ein Narr sein, wenn ich den engen und rauen Weg gehen sollte“, verkündet Bruder Lustig im alten Märchen. Doch wir, wagemutig geworden, werden zur Närrin und verlassen unser sicheres Auto.

Unser eigenes Lebensprofil wollen wir entwickeln, sei es nun im Tanz oder in anderen Lebens-Künsten. Und so folgen wir unserer eigenen Bestimmung, unserem ureigensten Talent, das wir einst von einer gutmütigen Fee in die Wiege gelegt bekommen und danach – in der Phase der Imitation – vervollkommend haben.

Wir wandern den kleinen Pfad entlang. Bald schon finden wir uns in einem dunklen unüberschaubaren Tannenwald wieder. Die Bäume stehen eng beieinander. Immer dichter drängelt sich ein Baumstamm an den nächsten, schließlich sickert das Tageslicht nur noch als ein spärlicher Schimmer von oben herein. Die ungewohnten Geräusche des Waldes, das Knacken und Rascheln im Unterholz, mahnen uns zur Umkehr. Doch wir lassen uns nicht beirren und singen ein fröhliches Lied gegen die Angst: „Ich wandere meinen Weg, über Brücke und Steg.“ Und während wir noch selbstvergessen „bald da, bald dort, immer fort und fort“ summen, haben wir längst den kleinen Pfad im wild wuchernden Gestrüpp verloren.

Nur Kleingeister versinken nun im Selbstmitleid und trauern der stinkenden Schnellstraße hinterher, die Sicherheit versprach und doch nur Tod meinte. Voller Panik irren sie, auf der Suche nach ihren leicht demolierten, dennoch startklaren Autos, durch den Wald. Wir dagegen verlassen uns lieber auf unsere Intuition. Unabwendbar wird sie uns zurück zum kleinen Pfad führen, der uns schließlich zu unserer wahren Bestimmung, dem Himmel, bringen wird.

Schon auf unserer Wanderschaft werden wir belohnt durch ungeahnte Perspektiven, die sich uns auftun. Und langsam, ganz langsam, werden wir dabei selbst zu dieser starken Tänzerin, deren Arme – ganz ohne orientalische Choreografien – in den Himmel weisen. Die Füße stehen dabei fest auf der Erde. Ihre Hüften zeichnen unsichtbare Achten. Achten nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten. Sie versinkt selbst in ihren Achten, wird eins mit der Figur, dem Symbol für die Unendlichkeit.

Auch der Kreis des Jahres wiederholt sich unendlich. Anschaulich führt uns der Jahreskreis vor Augen, dass auf die Dunkelheit das Licht folgt. Nach einem langen  kalten Winter, wenn sich die ersten Frühlingsblumen noch mühsam durch den Schnee kämpfen, trägt unsere Hoffnung farbenfrohe Knospen. Und wir feiern ein fröhliches Frühlingsfest, feiern uns und die wiedererwachende Natur.

Unentwegt zelebriert die Frau weiterhin Achterschleifen, die wie Räder hinweg rollen auf der Straße des Lebens. Es wird Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling kehrt sie zurück, zum Ausgangspunkt, an dem alles begann. Acht mal Acht ergibt dann auch 64 und schon im I-Ging, dem chinesischen Orakelspiel, folgt dieser Zahl nur noch die Vollkommenheit.

Wer ist die Frau, die da unermüdlich tanzt? Du bist es; ich bin es; wir sind es. Es ist die Allmutter, die Göttin selbst, die alles Leben aus ihrem großen dicken Bauch hinaus presst, immer wieder.

Und so tanzen wir mit ihr zusammen im Reigen der alten Jahreskreisfeste. Acht Feste gibt es. Acht Feste zum Tanzen, Singen und Fröhlichsein.

Die Jahreskreisfeste geben uns einen Rahmen vor, eine Struktur, die wir jeweils mit zauberhaften Festen füllen können. In deren schützendem Rahmen können wir uns rückbesinnen auf längst vergessen geglaubte weibliche Lebenskraft. Weibliche Kreativität, die sich bisher nicht in gesellschaftlich anerkannte Bahnen lenken ließ, die schließlich negiert, dann vergessen wurde, bahnt sich wieder einen Platz: frei, wild, entschlossen, vielleicht auch beunruhigend hässlich! Wir dürfen es wieder sein. Hysterisch! Warum eigentlich nicht? Kreischend! Das sind wir. Ein Haufen von fettwanstigen Weibern mit Hängebusen, die den „Arsch“ wackeln lassen und dabei die Wünsche und Träume, die vor Jahren die Mutter in die Spielzeugkiste gepackt hat, wieder Gestalt werden lassen.

Tanzende Frauen treffen auf Geschichten erzählende, schreibende, malende und musizierende, acht Mal im Jahr. Es gibt keine starre Trennung mehr zwischen den Kunstgattungen. Und was wird daraus?

Magie. Zauberei. Die I-Magie-nation der eigenen Wünsche und Träume mit Hilfe von Symbolen bewirkt Wundersames: erst bei dir und dann auch in der Außenwelt. Du beginnst vielleicht  zu fordern, was dir zusteht, mehr Raum, nicht nur Frauenraum. Du machst dich auf, beginnst die Expedition, folgst der eigenen inneren Landkarte, beginnst das Territorium für dich abzustecken, zu erobern. Leichtfüßig tanzt du durch die Stadt, durch das Land. Du bist das Mädchen mit den tanzenden Schuhen, kannst gar nicht mehr aufhören. Aber was ist daran noch schlimm? Im Märchen von Andersen ist das alles vom Teufel, aber wenn doch die ganze Welt mittanzt, eine tanzende, feiernde Welt von fröhlichen Frauen und Kindern, sogar die Männer lassen schließlich Schlips und Aktentasche fallen, tanzen mit dir, gleichberechtigt, dann gerät alles in einen beschwingten Fluss. Und plötzlich findet ihr euch wieder in der märchenhaften Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Doch es ist Gegenwart: wo das Wünschen noch hilft. Und ehe ihr euch verseht, ist der Teufel längst ein für allemal in die Hölle gefahren und mit ihm all die hässlichen Fabriken und öden Büro-Kasernen.

Dahin kann es führen, wenn du der tanzenden Urmutter, Athene, Frau Holle, Maria oder wie du sie auch nennen magst, in dir Raum gibst. Die Göttin hat die Kraft zur Veränderung. Sie verspricht keinen Fortschritt mehr, der immer nur ein Mehr an Lebensfeindlichkeit bedeutet. Sie schenkt Lebensqualität und ist in  dem, was sie bewirkt, genauso real wie der Gott, der grüne Mann, der immer wieder am Ende eines Jahres geopfert werden muss, um ein neues Wachstum der Natur zu ermöglichen.

Und so kehrt die Göttin langsam, auch mit deiner Hilfe – zum Beginn eines neuen Zeitalters – zurück, um die Menschen auszusöhnen mit ihrem Planeten: der Mutter Erde.

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Weiße und schwarze Magie

Obelisk in der Dunkelheit

Plotin, einer der Neuplatoniker, unterscheidet die Welt in drei Schichten. Ganz oben ist der Geist, aus dem die Welt fließt. Er verfestigt sich zur Materie, die weit entfernt ist vom Geist. Die Götter befinden sich in der Zwischenebene und sollen uns „auf“ helfen. Nach Plotin lautet nämlich das finale Ziel, dass der Mensch das „Eine“, also den numinosen Geist erreicht und damit eine mystische Symbiose bildet, um letztendlich den ewigen Wiedergeburten zu entgehen.

Wenn jetzt der Mensch die Götter beschwört (Theurgie) ist dies nach herkömmlicher Auffassung weiße Magie, wenn er sich aber beispielsweise mit der Totenbeschwörung beschäftigt (Goetik), dann gilt das als böse, schließlich verbinden wir uns dann mit Geistern, die den Aufstieg nicht geschafft haben. Happy Halloween!

Divination wiederum wäre in diesem System weiße Magie, denn schließlich greife ich damit das „Feld“ ab, was zum Aufstieg zum Einen dienen soll. Die Götter geben mir quasi „Zeichen“. Bewusste Veränderung der Divinationsergebnisse wären dann aber wiederum schwarze Magie, genauso wie selbstverständlich Flüche.

Alles sehr interessant – schließlich hat der Neuplatonismus seinen Einfluss auf die mittelalterliche Philosophie gehabt, die wiederum die christliche Heilslehre in eine neuplatonische Schablone umschrieb. Unterschwellig scheint – sozusagen als christliches Kulturgut – die eben aufgezeigte Definition von weißer und schwarzer Magie bis heute zu wirken.

Jedenfalls werden nun nicht nur die Aufklärungsschriften der christlichen Fundamentalisten gegen das Halloween-Spektakel verständlich, auch können wir esoterisch-spirituelles Handeln nun im Sinne von Plotin deuten. Und das bringt Überraschungen:

Wenn jetzt nämlich die Geomanten ein Mantrasingen für die Erdheilung zelebrieren ist das neuplatonisch „eng“ gesehen als „schwarze“ Magie zu interpretieren, da es sich dabei um einen bewussten Eingriff in das göttliche Feld handelt. Genauso ist jegliche Form von Reiki zu beurteilen und rein performativ betrachtet ist ein gut gemeinter Segen genauso eine magische Operation wie ein böser Fluch.

Dies wird die sogenannten „Lichtarbeiter“ sicherlich erstaunen, wähnen sie sich doch auf der Seite der Guten.

Die Grenzen zwischen „weiß“ und „schwarz“ schwinden also, besonders dann, wenn wir jetzt beispielsweise auch noch versuchen wollen, die Kerzenmagie der katholischen Kirche einzuordnen. Dabei handelt es sich eindeutig um schwarze Magie.