Meinungsfreiheit in Gefahr!

Über Geld spricht man nicht, genauso wenig wie über Politik und  Religion. Das ist eine Alltagsweisheit, die immer dann eingehalten wird, wenn man in Begegnungen mit anderen Menschen im konfliktlosen, aber auch seichten Fahrwasser, bleiben möchte.

Das Themengebiet der Politik lässt sich in einem Deutschland, dessen soziales Gefüge  sich “zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens” schon im Krieg befindet, nicht mehr vermeiden, wie ich auch unlängst in Weimar feststellen musste. Wohingegen im oben ausschnittsweise angeführten  Zitat  von Botho Strauß  noch einen Krieg prophezeit (siehe sein wortgewaltiges Spiegel-Essay “Anschwellender Bockgesang von 1993, online), sind wir jetzt, im Jahre 2018,  schon mittendrin und  eine diskursive Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Meinungsvertretern ist kaum noch möglich, wird doch der jeweilige politische Gegner von der Mainstream-Gesellschaft gerne als “Nazi” und damit für vogelfrei erklärt. Und fast alle machen mit! “Meinungsfreiheit in Gefahr!” weiterlesen

Politische Korrektheit in Weimar

Nachdem am Samstag hinter der bildungsbürgerlich Struktur der Seminar-Gesellschaft, dank der offen geäußerten “Politischen Korrektheit” der Mitarbeiterin des Deutschen Nationaltheaters (auch DNT genannt 🙂 )und meines Widerspruchs dagegen,  die anscheinend doch recht dünne zivilisatorische Maske bei einigen Teilnehmern (wohlgemerkt nicht allen) Risse  bekam und das Monster, was sich dahinter verbarg, chimärenhaft sichtbar wurde, beispielsweise, indem mir nicht mehr die Hand gegeben wurde oder die Antwort am Frühstückstisch auf eine banale Frage sehr knapp ausfiel,  war ich dann doch recht froh darüber, dass die Veranstaltung am Sonntag ihr Ende fand.

Schade, denn auch hier zeigte sich für mich wieder,  dass der ideologische Zwist, der mittlerweile alle gesellschaftlichen Themen in Deutschland erreicht hat, nicht zum Diskurs, sondern zur Ausgrenzung und Stigmatisierung führt.

Meine Absicht war es gewesen, mich während der Veranstaltung nicht politisch zu äußern. Dieser Entschluss von mir  wurde schon am ersten Abend auf die Probe gestellt, wo eine Teilnehmerin von ihren Erfahrungen in Dresden  berichtete, wo sie in eine Pegida-Demonstration geraten war. Der Polizeischutz, den Pegida aufgrund von linksextremistischen Bedrohungen erdulden musste, wurde dabei von ihr als besonderer Gruselfaktor geschildert und unterschwellig Pegida zu Lasten gelegt.  Ich blieb standhaft und wechselte das Thema, schließlich wollte ich genau das vermeiden, was mir am darauffolgenden  Tag  passieren sollte, als nämlich  die Mitarbeiterin des Nationaltheaters, was nicht mehr so heißen darf, mir viel zu euphorisch auf AFD-kritische bzw. -feindliche Inszenierungen hinwies und ich mich daraufhin  als AFD-Sympathisantin zu erkennen geben musste.

Theater kann zwar  immer auch politisch sein, keine Frage, sollte aber niemals durchgängig nur eine Sichtweise vermitteln, sondern gerade zur Diskussion einladen. Da dies gegenwärtig anscheinend nicht möglich ist,  bevorzuge ich Inszenierungen, die sich am Werk und seinen zeitgenössischen Rahmen orientieren.

Was ist los in diesem Land, in dem die freie Meinungsäußerung nur noch denen möglich ist, die bereit sind, negative Konsequenzen zu erdulden? Ist dies der Grund, warum so viele schweigen?

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