Michael Buthe im Haus der Kunst, München

Eine „Michael Buthe“-Retrospektive ist noch bis zum 20.11.2016  im Haus der Kunst in München zu sehen und hat mich zu einer Bahnfahrt quer durch Deutschland inspiriert.

Michael Buthes  Kunst verweigert sich dem musealen Konzept. Seine Objekte können Dekoration für vielfältige Feierlichkeiten sein. Eigentlich sind sie  – auf einer tieferen Ebene – Ritualgegenstände, die magische Räume öffnen. Michael Buthes Kunst braucht die spielerische Interaktion und wenn die Überreste seiner Installationen in eine Ausstellung verbannt sind, wo man das Wachs zwar riechen, aber nicht berühren darf, dann wird seine Kunst abgeschnitten von  ihrer wahren Kraft, die  jedoch noch im Museum  spürbar ist.

Michael Buthes  Künstlerbücher möchte ich durchblättern. Doch liegen sie hinter Glas. Glücklicherweise wussten die Ausstellungsmacher wohl um dieses Dilemma. Ein filmisches Zeugnis  stellt die Brücke zwischen Ausstellungskunst und belebt-lebendiger Kunst her. In der wohl auf Super 8 gebannten Performance blättert Michael Buthe  –   in der Kleidung eines Prinzen von Samarkand – eines seiner opulenten Bücher durch.

Michael Buthes Kunst macht Mut, Kunst als Religion der Zukunft und Religion als Kunst der Zukunft (nach Paolo Bianchi) zu sehen und dies alles mit Hilfe eines eklektischen Freiheitsbegriffes, der mir selbst, die ich aus verschiedenartigen spirituell-okkult-magischen Traditionen schöpfe, nahesteht. Seine Objekte sind Inspiration und machen Lust darauf, eigene individuelle Mythologien zu begehen. Grenzenlos!

Mein netter Ausstellungs-Begleiter störte sich an der schlechten Ausleuchtung im Museumsbau, die nicht mehr zeitgenössische Ansprüche an Kunst-Präsentationen erfüllt und auch nicht mehr – im Sinne seines Architekten Paul Ludwig Troost – funktionsfähig ist. So war der Lichteinfall durch die Decke für die Ausstellungsarchitektur der 30Jahre sicherlich wegweisend gewesen, jetzt aber ist die Decke abgehängt und so fällt kein Tageslicht mehr in die Ausstellungsräume.

Überhaupt – dieses Gedankenspiel sei  mir erlaubt – stelle ich mir die Frage, wie Michael Buthe mit der Geschichte und Architektur des Hauses umgegangen wäre? Ich bin mir sicher, dass er einen Kontext zwischen Vergangenheit und Gegenwart hergestellt hätte.

Ich selbst habe mich am schummerigen  Licht  in der Ausstellung nicht gestört. Eigentlich kam es mir fast passend vor.  Noch besser wäre es vielleicht gewesen, einige seiner Werke in der Dunkelheit, nur beleuchtet vom Licht des großen Kerzenleuchters, der ungenutzt in der Ausstellung steht,  zu betrachten, wird so nämlich die magisch-trancehaft-opulente Atmosphäre spürbar, ohne die seine Kunst sich nicht vollständig entfalten kann.

Im letzten Raum stehen düster anmutenden Kupferplatten, die zwar – in der Motivwahl – noch an die farbenprächtigen Silhouetten der vorangegangenen Jahre von Michael Buthes künstlerischen Schaffens erinnern. Vielleicht hat Michael Buthe in dieser letzten Installation seine  eigene „schwarze Sonne“ berührt?

Das Sonnenlicht jedenfalls, das im Zentrum seines höchstpersönlichen Sonnenkultes stand, ist hier nur noch als metallisch-dunkler Abglanz zu erahnen und stellt damit dann doch eine ungewollte Synchronität zur architektonischen Decke des Hauses her, die eben auch kein Licht mehr durchlässt, womit dann der Künstler  auch post mortem seinen gegenwärtigen Bezug zur Architektur des Museums hergestellt zu haben scheint!

Gerne hätte ich euch an dieser Stelle  Fotografien seiner Werke präsentiert, doch da ich nicht weiß, wie es sich mit den Bildrechten verhält, verweise ich hier
auf den Ausstellungskatalog.

Auch ich selbst habe schon über Michael Buthe geschrieben. Schaut hier.

Monumentaler Neoklassizismus mit verbliebenen Hakenkreuzmotiven an der Decke des Arkadenganges: Eine Renovierung ist durch das Architektenbüro von David Chipperfield geplant. Hoffentlich wird nicht „tot“saniert. Ich wünsche mir, dass der Spagat zwischen Denkmalpflege und einer zeitgemäßen Nutzung gelingt.

p1000711

p1000712

Hommage an Michael Buthe

Ich liebe Michael Buthes orientalische Bilder, die mich immer von einem goldglänzenden Orient haben träumen lassen, den es in dieser Form wohl niemals gab. Plastik-Pailletten begleiteten mich durch eine Jugendzeit, die geprägt war von imposanten Ägypten-Ausstellungen. Goldglänzendes Glitzerspray verschönerte die Jungmädchenträume. Tausendundeine Nacht – diese Geschichten erfuhr ich als opulente Feier der Sinne.  Ich übte mich – noch zaghaft – vor dem Spiegel und lernte erste Bauchtanzbewegungen, die später nur noch orientalischer Tanz heißen durften:  Annäherung  an eine zaghafte Weiblichkeit und mittelöstliche Bauchkreise für eine bewusste, damals auch schon frauenbewegte Weiblichkeit.

Zittert,zittert! Die Hexen sind wieder da.