Park Bad Muskau, Teil 4

Das ist die Fortsetzung meines Reiseberichts der hier beginnt.

Wie verkehrsgünstig mein Hotel lag, merkte ich an diesem Tag. Der Bus Nr. 10 (Pücklerlinie) hält direkt am Hotel und brachte mich zur Haltestelle Vorpark. Von dort ging es mit zweimal Umsteigen, was sich vollkommen problemlos gestaltete, nach Bad Muskau, Haltestelle Kirchplatz.

Erstaunt war ich darüber, dass die Busfahrerin den Park, der seit 2004 zum Weltkulturerbe gehört, noch niemals besucht hatte, wo ich hingegen  extra wegen der Gartenträume des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau  angereist gekommen war.

Im alten Schloss besuchte ich erst einmal die Touristinformation und kaufte mir einen Plan des Parks. Ich entschied mich für die “braune Tour”, ließ mich dann aber auch von meinen inneren Impulsen steuern. Die landschaftliche Weite, die der Muskauer Park, den Besuchern präsentiert, ist beeindruckend.

Bebauungen, die von Fürst Pückler geplant wurden,  sind entweder zerstört oder wurden nicht verwirklicht, schließlich war H. Pückler ständig in Geldnöten und gab aus diesem Grund auch sein Anwesen in Muskau auf und zog nach Branitz. Über den Branitzer Park habe ich hier berichtet. “Park Bad Muskau, Teil 4” weiterlesen

Ein Matjestag in Glückstadt

 

Nun war ich ja letztes Jahr beim Matjesfest in Emden. Leider habe ich dieses 2017 verpasst, sodass ich mir,  quasi als Ersatz,  Glückstadt in Schleswig Holstein als adäquaten Ersatz wählte.

Los ging es also, zusammen mit der Wildfrauen-Wanderung, in Herzborn. Das ist ein kleines Dorf, was bequem mit der Bahn zu erreichen ist und was deshalb von mir als Ausgangspunkt ausgesucht worden war.

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Sommerliche Impressionen aus Hannover

Friedrich Wilhelm Engelhard schuf ein Wotan-Denkmal, was sich – etwas versteckt – an der Rückseite des Niedersächsischen Landesmuseums befindet.

Als ich heute dort vorbeispazierte, musste ich leider feststellen, dass der  Göttervater  eingezäunt und – man könnte fast sagen – gefangen ist, was sich vielleicht – ganz pragmatisch – mit irgendwelchen notwendigen Restaurierungsarbeiten erklären lässt, was aber auch sinnbildlich stehen kann für eine Zeit, in der die eigenen Wurzeln beschnitten werden, zugunsten eines Neoliberalismus, der nur noch Beliebigkeit kennt.

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Weiter ging es zum  Sprengel-Museum. Dieses  versprach heute nicht nur freien Eintritt, sondern auch eine wohlklimatisierte Zone, in der sich eine Videoinstallation  – mit virtuellem Meer  und mit einem kraulenden Mann im Schwimmbecken davor – in der Ausstellung “Vom Faulenzen und Nichtstun” genießen ließ.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Freizeitverwendungen, die da wären “Ruhe und Wiederherstellung der Kräfte (Schlafen, Liegen, Genesen), Unterhaltung, Zerstreuung und Vergnügen (geselliges Beisammensein, Urlaub machen), Selbstverwirklichung (etwas durch das künstlerische Tun) und Erbauung, womit dann der Müßiggang, das Schlendern und das Spazieren gemeint ist).

Ich meine ja, dass die letzen beiden Punkte zusammengehören. Ohne Müßiggang kann kein künstlerisches Tun mit Substanz entstehen. Wenn die Freizeit ge”taktet” ist, zwischen Fitness-Optimierung, Shopping und  Event-Besuch,  dann freut dies die Konsum-Industrie.  Wir wiegen uns in der Harmonie der vielfältigen Freizeitvergnügen und bewahren uns so davor, aufzuwachen und hinter  die Schatten der Wirklichkeit zu blicken, die nur eine bunte Illusion aus Warenwelt-Attrappen ist.  Kunst aber durchbricht die Camouflage. Sie  braucht die Freiheit, die sich nur in der Zwecklosigkeit findet.  Muße eben, die sich auch der Schwimmer in besagter Film-Sequenz nicht gönnt. Die Freiheit ist so nahe, aber er schwimmt nur stupide Bahnen: immer das Trainingsziel vor Augen.  Wir aber legen uns auf die Liegesäcke und betrachten die Szenerie, die sich in endloser Sequenz wiederholt. Absichtslos.

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Und dann entdecke ich noch – kurz vor dem Heimweg – in der zweiten aktuellen Sonderstellung des Museums, eine kleine Grafik von Bernhard Hoetger, der mir ja schon durch die Böttcherstraße in Bremen bekannt ist.  Ein DRACHENKAMPF ist darauf zu sehen.

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Arbeit und Gebet!

Rudolf von Laban glaubte anscheinend nicht an die Selbsterfüllung in der Lohnarbeit, die ein Trugschluss zu sein scheint, der in unserer Welt immer noch favorisiert wird, der sich aber schon längst selbst ad absurdum geführt hat.

Nicht jeder hat die Gaukelei als solche erkannt. Viele profitieren davon, dass wir die neofeudalistische Schmierenkomödie, die unser Leben bestimmt,  für eine unabwendbare Realität halten. So beDIENen wir sie, indem wir schaffen und schaffen, um die Folgen einer Inflation auf unser Privatleben abzumildern,  die andere beSCHLOSSen haben.

Unser soziales Leben haben wir derweil schon längst den immer schneller sich drehendem Hamsterrad geopfert. Freundschaften werden ausschließlich unter dem kalten  Kalkül des Nützlichkeitsanspruchs betrachtet, denn schließlich ist Zeit gleichbedeutend mit Geld.

Das ist eine Sklavenexistenz!

Selbst die antiken Griechen wussten schon, dass das wahre Menschsein im Müßiggang liegt, der eben nicht  tumbe Regeneration ist, sondern ein Sich-treiben-lassen im Fluss der Zeit bedeutet. Die damit verbundene Absichtslosigkeit, die sich nicht in To-Do-Listen gefangen halten lässt, ermöglicht uns die Annäherung an ein ästhetisches Ideal, das Laban im Folgenden als “Gebet” beschreibt.

Er schreibt:

“Die Wurzeln der Bewegungskunst sind Arbeit und Gebet. Arbeit sorgt für unsere materielle Existenz, das Gebet für unser spirituelles Wachsen und Reifen. Arbeit kann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Gebet bekommen, wenn sie nicht allein dem Lebensunterhalt, sondern höheren Zielen dient. Auch eine künstlerische Darbietung kann in die Nähe des Gebets rücken, indem sie Ideale verkörpert. Die Grenzen zwischen Arbeit und Gebet sind zuweilen fließend: Ein Ringen um Ideelles, wie es etwa im flehentlichen Gebet geschieht, kann eine ebenso harte – wenn nicht gar härtere – Anstrengung sein wie manche körperliche Arbeit. Beides kann den Einsatz all unserer Kräfte erfordern. Die Konflikte, um die es in Arbeit und Gebet geht, finden ihre künstlerische Umsetzung in Pantomime, Drama und Tanz. In früheren Zeiten entstand dramatische Dichtung und mit Musik begleiteter Tanz aus der Anrufung und Verehrung der Götter, und auch in unserer Zeit ist dies im Grunde noch so. In den Anfängen des philosophischen Denkens waren alle Kunstgattungen noch eine Einheit, heute sind sie jedoch getrennte Disziplinen. Aber selbst heute können sich Tanz und Schauspiel gelegentlich verschwistern: Worte lassen sich mit Musik und Bewegung erweitern, während Tanz und Musik von den im Wort vermittelten Gedanken erfüllt sein können. Spuren der ursprünglichen Mimenkunst sind heute noch im Marionettentheater zu finden, in Clownszenen im Zirkus und in pantomimischen Darbietungen; daneben bietet sich im Drama und Ballett ein weites Feld, wenn man sichtbare Bewegung studieren will. ” (Rudolf von Laban: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 97 f.)

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Müßiggang

Ramberg Freischuetz wildes Heer

Müßiggang: 

Das ist der Stoff aus dem Abenteuer entstehen, so beispielsweise im Roman “Vril” von Edward Bulwer-Lytton, den ich am 2. Weihnachtstag begonnen habe, zu lesen.

Schon auf der ersten Seite steht:

“Doch als in meinem einundzwanzigsten Lebensjahr mein Vater starb und ich dadurch in den Besitz eines großen Vermögens und zu unumschränkter Lebensfreiheit gelangte, ließ ich meiner angeborenen Lust zu Reisen und Abenteurern freien Lauf, verzichtete auf die Jagd nach dem Dollar und wurde ein unsteter Wanderer, der in ewigem Wechsel durch alle Länder dieser Erde irrte.”

“Lebensfreiheit”, was für ein schönes Wort und – diese Erkenntnis ist bitter – solange wir gezwungen sind uns auf “die Jagd nach dem Dollar” zu begeben, sind wir nicht frei  genug, um das entspannte Nichtstun mehr als partiell zu pflegen.

Doch um den Müßiggang  zu erproben, um zu merken, wie es ist, nicht mehr getrieben zu sein von der Notwendigkeit die nächste Stromrechnung, Miete und Versicherungen zu bezahlen, dafür ist in der Tat die Zeit zwischen dem 21. 12 und dem 6.1.geeignet wie keine andere im Jahr.

Manche verfallen indes gerade in diesen Wochen in zweifelhaften Ablenkungen zwischen Glühwein und überladenen Festtagsmenü  mit  Familiengesprächen, die genauso alkoholgetränkt wie auch nichtssagend sind.  Anschließend laufen sie weiter im Hamsterrad: vollgefressen und dem Diätplan der “Kartenmacher”, also derjenigen, die die Welt schon längst vermessen und aufgeteilt haben, hinterher.

Doch du gehörst sicherlich nicht dazu. Und so lässt du dich frohgemut  nach den Weihnachtstagen mit all den süßlichen Gebäck und schwülstigen Worten in jenes dunkle Loch fallen, in dem wir uns besinnen können auf unser Selbst.

Vielleicht bist du sogar mutig und trittst hinaus, hörst ein gewaltiges Toben, Brausen und Hundegekläff. “Hoh-ho-ho”, schallt es und alsbald steht der wilde Jäger mit seiner Horde von Geschöpfen des Zwischenreiches vor dir.

Und du fällst sicherlich nicht ängstlich hernieder, sondern blickst Wotan mutig  in sein eines Auge  und  tanzt alsbald  mit der Hel  ausgelassen durch die Nacht.

Jetzt sind die Rauhnächte. Nutze sie.

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