KULTurWEGE … kunstWEGE … KUNSTmagie und KULTplatzentdeckungen

Risikomanagement, Detail
Risikomanagement, Detail, unfertig

Bildende Kunst ist quasi eine Landschaft auf Leinwand; eine Installation ist eine imaginäre Landschaft, die in dem objektiven Raum gesetzt wird; eine Performance bespielt die Landschaft und stellt dadurch eine Öffnung zu magischen Raumerfahrungen her.

Wandern kann eine Art von persönlicher Performance sein, in der wir unseren eigenen mythologischen Mustern folgen oder uns – auch das ist legitim – von den historisch-mythologischen Bedeutungen von Landschaften inspirieren lassen.

„Der Mensch bewegt sich, um ein Bedürfnis zu befriedigen. Mit seiner Bewegung zielt er auf etwas hin, das für ihn von Bedeutung ist. Das Ziel seiner Bewegung ist leicht zu erkennen, wenn diese sich auf ein konkretes Objekt richtet; es können aber auch immaterielle Dinge sein, die eine Bewegung auslösen.“ (Laban, Rudolf von: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 9)

Ich werde Kultplatz-Finderin und greife als solche auf archäologisches und geschichtliches Wissen zu, bediene mich aber auch volkstümlich-literarischer Überlieferungen, historischen Wunschdenkens (z.B. das Matriarchat!) oder spiele gänzlich mit subjektiv-künstlerischen Systemen, die ich auf die Landschaft – zu deren und meiner Freude – projiziere. Dadurch erschaffe ich intuitiv ein Resonanzfeld, in das sich nicht nur der Geist des Ortes manifestieren kann, sondern das auch das magische Wachstum und Gewahrsein einzelner Individuen, die sich an dieser Arbeit beteiligen möchten, begünstigt. Die blaue Blume öffnet den Berg.

Wenn du dabei sein möchtest, nimm bitte Kontakt mit mir auf. Weitere Infos: hier.

Landschaft als Orakel! Mythologisch Wandern. Wie geht das? 2. Teil

Ith

Interessanterweise hat sich mir diese Wanderung, auch schon in der Vorbereitung, als extrem widerspenstig gezeigt. So wollten meine Freundin und ich eigentlich eine Etappe des beworbenen Ith-Hils-Weges gehen, mussten aber feststellen, dass die Anfangs- und Zielpunkte mit Bus- und Bahn nur schwerlich bis überhaupt nicht zu erreichen sind.

Nachdem schon die Planung keinen Erfolg verhieß, entschlossen wir uns – zugegebenermaßen war ich ziemlich genervt – einfach nach Cloppenbrügge zu fahren, um von dort eine Rundwanderung zu starten. Der Flyer verhieß Märchenhaftes und ließ sich im Coppenbrügger Reisebüro auch in der Druckversion abholen.

Nun ja … diese Wanderung war wirklich anstrengend und zeichnete sich durch eine extrem eigenartige Beschilderung aus, die uns zwar ständig mit Sagen und Göttern konfrontierte, uns aber einfache Ortshinweise verweigerte. Sportlich ging es los, doch wir (oder war ich es nur?) scheuten den steilen Aufstieg, was dann einen gemächlichen Anfang ergab, der fatalerweise aber nach ca. zwei Minuten doch zum Aufstieg führte. Dumm gelaufen. Noch übler war es, dass der Weg in einem Waldarbeiter-Trekker-Pfad mündete, der uns zum Abstieg und der Entdeckung einer Schwefelquelle zwang. Die „grillbratende“ einheimische Bevölkerung war auch keine große Hilfe, sodass wir nach einer erneuten Rast den zweiten Anlauf für den Aufstieg zur Felsenformation „Adam und Eva“ erprobten. Auch hier führte uns der gewählte, anscheinend „bequemere“ Weg ins tiefe Dickicht. Immer tiefer ging es im Steilaufstieg in den Wald hinein, wo sich dann auch dieser Weg als Waldarbeiter-Pfad entpuppte, der im Nirgendwo endete. Querfeldein erreichten wir schließen den Gipfel und den schmalen Kammweg. Ich fragte mich zum wiederholten Male, warum meine Wanderbegleitung das flache Cuxland nicht vorab in Erwägung gezogen hatte und wurde von unzähligen „Bärlauch, Bärlauch“-Rufen durch eine frühblühende, wirklich hübsch anzusehende Ithlandschaft geführt. Beim Ith-Turm schließlich, der einen romantischen Blick auf das nahe Atomkraftwerk bot, ging es zurück nach Coppenbrügge. Total erschöpft bin ich zu Haus angekommen und muss sagen, dass rückblickend die Wanderung nicht ganz so schlecht war, wie sie mir in den ersten vier Stunden vorgekommen war.

Schön wäre es aber, liebe Verantwortlichen (wer immer ihr seid!), Waldarbeiterwege abzusperren, sodass Wanderinnen nicht in den tiefen Schlammfurchen versinken (Ich habe jetzt das Prinzip des mittelalterlichen Hohlweges verstanden!), bevor sie im forstwirtschaftlichen Nirgendwo landen. Auch wären Schilder, die nicht nur „Pilze“ oder andere Symbole zeigen und nicht nur auf den jeweiligen Märchen- und Sagen-Podcast-Content hinweisen, stattdessen aber – ganz profan – Ortsnamens-Beschriftungen auf Pfeilen aufweisen, auch unterhalb des Ith-Kammes angenehm gewesen.

Bei einem eventuellen zweiten Anlauf zu einer Ith-Wanderung würde ich mich auf „einen steilen Aufstieg“ einstellen, um dann hinterher entspannt die sagenhaften Plätze des Iths genießen zu können.

Doch genug der profanen Worte:

Wenn ich den Ith rückblickend als Person ansehe, dann würde ich meinen, dass er sich meines Besuches mit aller Kraft verweigern wollte. Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass ich zum „Opfer“ des Aufstiegs nicht bereit gewesen war und so der Berggeist -nehmen wir mal an, dass es so etwas gibt – sein Geheimnis (immer vorausgesetzt, dass er eines hat!) nicht preisgeben wollte. Vielleicht hätte ich auch ganz zu Beginn meiner Wanderung dem Baumheiligtum Coppenbrügges: „Peterlinde“ meine Ehrerbietung bringen müssen und um Unterstützung für die Wanderung bitten sollen.

Ich lese die Landschaft wie ein Orakel und bin dann – ganz und gar freiwillig – in einer virtuellen Welt, die ich als Spiegelbild meiner inneren Zustände ansehe. Das ist letztendlich ein Spiel, dass natürlich von einer unglaublichen Wichtigkeit des eigenen Selbst ausgeht. „Gut so!“, denke ich, „wer glaubt sonst an mich, wenn nicht Ich!“

Ein solcher Umgang mit der Landschaft eröffnet Dimensionen, die mit dem alltäglichen Bewustsein nicht mehr viel gemein haben.

Ihr merkt es: Das ist der Beginn des Geschichtenerzählens. Die Wanderung wird zur persönlichen Quest und ich bin mittendrin.

Ich kann entscheiden, inwiefern diese Geschichte für mich Relevanz haben soll und inwieweit ich mich auf das Spiel einlassen mag oder nicht.

Und ihr, die ihr die Geschichte hört, könnt mir vielleicht die Frage beantworten: Was – zur Hölle – war da gestern los? Und so beginnt ihr – vollkommen spielerisch – eure eigene Reise.

Habt ihr auch Lust auf Wanderungen? Dann partizipiert am Wildfrauenhaus.

Zum Weiterlesen: Mythologisch Wandern. Teil 1

adam-eva

Neujahrswanderung

Harzer Schmalspurbahn

02012011115

02012011144

Eigentlich beabsichtigten meine Freundin und ich nur einen kleinen Harz-Rundweg. Was kann es  aber besseres geben als das neue Jahr mit der Besteigung eines Berges zu beginnen, besonders dann, wenn dieser so Mythologie-überladen ist wie der Brocken?

Der Weg hinauf kann dann leicht als eine symbolische Vorab-Inszenierung angesehen werden: Der Berg steht für das Ziel, das wir im Verlauf des Jahres erreichen wollen.   Beim Hinaufgehen übergehen wir dann leichten oder schweren Fußes alle Widrigkeiten, was uns  – quasi magisch-vorwegnehmend  – dafür stärkt, Herausforderungen im knallharten Lebenskampf mit ähnlicher Bravour  zu meistern. Man ist gewappnet für all die Ärgernissen, die auf einen warten, immer sein Ziel vor Augen, selbst wenn dieses sich als zugig erweisen sollte.  Sogar Glatteis und der damit verbundene Fall auf die festgefrorene hausdünne Schneedecke macht einer  wahren Heldin im Lebensabenteuer nichts aus.  Alsbald richtet sie sich wagemutig wieder auf und wandert – ganz Camphells Heldenreise folgend – weiter durch den Nebel, der beständig stärker wurde und der uns – ganz profan gesehen  – eine Aussicht auf die tief unter uns liegende  Landschaft oder – wieder ganz symbolisch gesehen – auf die  überwundene Profanität  ermöglichte. Weiter ging es: hurtig und geschwind, bis wir dann, es war wohl gegen 14.30 Uhr in der entmystifiziertenWelt,  – auf dem Hochplateau des Brocken ankamen. Ein  eisiger Wind fegte uns fast fort. Der Berggeist war uns nicht wohlgesonnen oder wollte uns – meine Annahme –  zumindest prüfen.  Wahrlich das  war kein Ort zum Verweilen.

Vielleicht war das Ziel  – wieder ganz symbolisch gesehen – dann doch nicht so gut gewählt? Aber wie heißt es so schön in den Kalendersprüchen, die ich  – schon wegen ihrer  dumpfen Plattheit – so  überhaupt nicht mag: Der Weg ist das Ziel. Und so ging es wieder hinab vom Berg, wo mir – kurz vor Einbruch der Dunkelheit – die Destination „Torfhaus“ erreichten. Ein Bier zum Schluss verkürzte die Wartezeit auf den Bus – in einer Lokalität, die wohl an Amerika erinnern sollte, stattdessen aber nur den krampfhaften Versuch der Gastronomie-Wirtschaft illustrierte, auf eine hippe Lifestyle-Mode aufzuspringen, die irgendwie nur plebejisch-dümmlich wirkte. Nun ja …  wem es gefällt!

Einvernehmlich benannten wir die Wanderung zum leichten genussvollen Spaziergang um,  bei dem es ganz und gar unerheblich ist, ob überhaupt ein Ziel vorhanden ist. Ich  zumindest habe auch  im wirklichen Leben keine krampfhafte To-do-Liste für das beginnende Jahr aufgestellt, stattdessen pflege ich   – mein Vorsatz – eine gewisse genießerische Gelassenheit, was mich allerdings nicht davon abhalten wird, im nächsten Jahr erneut den Brocken zu besteigen.  Und dies selbstverständlich am Neujahrstag!

Mythologisch Wandern. Wie geht das? 1. Teil


Brockenwanderung

Für eine „mythologische“ Wanderung gibt es zwei Ausgangspunkte, die ich einmal als intro- und extroperspektivisch beschreiben möchte.

Da Letzteres sicherlich einfacher nachvollziehbar ist (und auch häufiger) praktiziert wird, möchte ich euch im Folgenden dieses Modell, also das extroperspektivische, am Beispiel der letzten Wildfrauenhaus-Wanderung vorstellen. Später dann können wir uns mit der anderen Variante beschäftigen und werden – um mal die Konklusion vorwegzunehmen – feststellen, dass es sich bei Wanderungen  „von dieser Art“ zumeist um Mischformen  beider Varianten handelt.

Ich beginne mit einer Selbstverständlichkeit: Vor wirklich jeder Wanderung gibt es erst einmal ein paar Regularien zu klären. Wer kommt mit?  Wie lang darf die Anreise sein? Wie sieht überhaupt die Erwartungshaltung  der einzelnen Wanderinnen aus?   Der spirituelle Hintergrund  der einzelnen  Teilnehmerinnen sollte  zumindest bekannt sein, bzw. es sollte eine gegenseitige Toleranz selbstverständlich sein.

Ich selbst liebe es zwar verschiedene  „Paradigmen“ auszuprobieren, dies ist aber sicherlich nicht jederfraus Sache und ich weiß nicht, ob sich die katholische Pilgerin in einer Wandergruppe von Teufelsanbeterinnen wohlfühlen würde?

Spaß beiseite und zurück zum Praktischen:

Selbstverständlich sollte die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Wanderung an die gesundheitliche Verfassung und dem sportlichen Ehrgeiz – so er denn vorhanden ist –  der Mitwanderinnen angepasst sein. Es ist von Vorteil notfalls Aussteigepunkte und Abkürzungen zu kennen, die verhindern, dass die Wanderung für einige  zur persönlichen Prüfung wird.

Im „Wildfrauenhaus“ hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe herauskristallisiert, die regelmäßig teilnimmt. Wir wissen uns gegenseitig gut einzuschätzen und insofern stellt das oben genannte kein Problem dar. Erwähnen wollte ich es trotzdem.

Bevor ich in die nähere Planung der letzten Wanderung gegangen bin, besprachen wir uns alle insofern, als dass wir keine Anreise über zwei Stunden in Kauf nehmen wollten.

Mehrere Etappenziel oder zumindest eines sollte in irgendeiner Form mit Spiritualtiät oder Mythologie in Zusammenhang stehen.

Denkbar sind also überlieferte Kultorte (beispielsweise ein altes Kloster), genauso wie archäologische Fundorte oder „Naturwunder“ (was für ein schönes Wort!), die mit Sagen und anderen Überlieferungen verknüpft sind, dessen ursprünglicher Wahrheitsgehalt aber im Dunkel der Vergangenheit liegt und nun Anlass für vielfältige Spekulationen geben kann.

Ich wählte den Wurmberg als buchstäblichen Höhepunkt der Wanderung aus, schließlich verweist ja schon der Name auf einem Lindwurm, einen Drachen also.

Einst kämpfte Thor mit der Midgardsschlange, eines weltumschlingenden Wesens und nahm damit all die späteren Drachenkämpfe der alten Epen, Märchen und Sagen vorweg. Wohingegen diese aber zumeist erfolgreich verliefen, erlag der mächtige Gott dem Gift der Schlange, was nicht verwunderlich ist:  Schließlich ist die Midgardschlange ein Geschöpf  Lokis, des Trickster-Gottes.

All dies  sind meine Assoziationen, quasi meine introperspektivische Sicht,  die ich mit der Bezeichung „Wurmberg“ verbinde.  Ihr mögt andere haben und solche Wanderungen laden dazu ein, ihnen nachzuspüren und sich darüber gegenseitig  auszutauschen.

Wir starteten am frühen Morgen im Torfhaus, wanderten durch das Hochmoor, was einen naturschönen Anblick bot. Schließlich stand das Wollglas in voller Blüte.  An den Hopfensäcke,  imposanten Granitfelsen,  ging es vorbei zum Dreieckigen Pfahl, einer alten Grenzbefestigung, die das Königreich Hannover, Herzogtum  Braunschweig und die Grafschaft Stolberg-Wernigerode trennte. Heute verläuft hier die Ländergrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Danach nahmen wir den Ulmer Weg, gingen am Brockenstein vorbei, um letztendlich einen steilen und anstrengenden Aufstieg zum Wurmberg zu meistern. Dort mussten wir leider feststellen, dass dort keiner Göttin, stattdessen  aber dem Highspeed-Testesteron, gehuldigt wird.

Der vermeintliche Kultplatz, den es dort gegeben haben sollte,  stellte sich  nach einer umfangreichen archäologischen Ausgrabung als banale Försterhütte heraus.  Eine interessante Geschichte ist das, die leider auf dem  Wurmberg selbst nicht dokumentiert wird. Nachlesen lässt sie  sich bei Wikipedia und hier: „Der Fall Wurmberg„.

Die Hexen- oder Heidentreppe fanden wir nicht, stattdessen beobachteten wir Biker in sportlicher Nobelausstattung auf ihrer Kamikaze-Tour bergab. Die Bäume waren gepolstert, um Stürze zu vermeiden. Im Hintergrund spielte Salsamusik und irgendwie wirkte die ganze Bergkuppel wie ein einziges Ballermann-Gelände, dessen Mallorca-Feeling nur durch die österreichischen Bauarbeiter gestört wurde, die damit beschäftigt waren, den Berg zur Eventplattform umzubauen. Steiermarker Jungs eben.

Der momentane Zustand des Wurmberges führte unsere  Erwartungshaltungen bezüglich des „Kultortes“ Wurmberg ad absurdum, was nicht heißen soll, dass dies kein spiritueller Ort ist; seine Energien aber sind im Baggerlärm versunken.

Letztendlich fiel es uns nicht schwer, diesen „mystischen“ Ort zu verlassen und wir waren froh den ruhigen Abstieg nach Braunlage, entlang der warmen Bode gewählt zu haben.

6