Elfen-Kuckucksheim

Paul Scheerbart beeinflusste ¬†mit seinen Gedanken √ľber Glasarchitekten den Architekten Bernd Taut.


 

Auch das Haus Atlantis in Bremen ist eindeutig von der Glasarchitektur beeinflusst, wobei ich allerdings nicht zu sagen vermag, ob dies willentlich geschah oder eher ¬†in Hinblick auf eine √Ėffnung zum Kunsthandwerk. Jedenfalls ist es im Innern fantastisch, im √Ąu√üeren leider durch eine vorgeh√§ngte Fassade zerst√∂rt.

Urspr√ľnglich zeigte die Au√üenfassade Odin, der an einem Kreuz h√§ngt, das sich wiederum innerhalb eines Rades, das mit den 24 Runen des √§lteren Futhark beschriftet ist, befindet.

Die Bilder von Berit, die sie mir freundlicherweise zur Verf√ľgung gestellt hat, zeigen Details aus dem von Bernd Hoetger entworfenen Himmelssaal, der heute zu einem Hotel (Radisson Blu) geh√∂rt. Mit etwas Gl√ľck (oder mit Voranmeldung) kann es aber besichtigt werden.

Das Revolution√§re an der Glasarchitektur war der Versuch, die Abgrenzung zur Au√üenwelt architektonisch zu √ľberwinden.

Lichtdurchfluteten Kuckucksheime sollten so entstehen.

Kennt ihr die Volksm√§rchen von Johann Karl August Mus√§us? Er verfolgte den Anspruch in gesteigerten Ma√üe m√§rchenhaft zu sein und dies mit einem romantisch-ironischen Unterton. In den B√ľchern der Chronika der drei Schwestern l√§sst er eine K√∂nigstochter ¬†einen Delphin heiraten, mit dem sie fortan im sch√∂nen Schloss, den Rest der Zeit aber tief unten im See in einer kristallenen Wohnung hausen muss. Der Bruder besucht sie und m√∂chte sich dort verstecken, damit ihr verzauberter Gemahl sie nicht finden kann. Bertha antwortet darauf: „Ach, …, wie k√∂nnt ich dich verbergen? Siehst du nicht, dass diese Wohnung von Kristall ist, und dass alle W√§nde so durchsichtig sind, wie der Eishimmel. „

Oh, diese Bilder verzaubert mich, inspiriert mich, läsat meine Phantasie nach oben, in dem Himmelssaal, fern ab all der Banalitäten und Gemeinheiten des irdischen Lebens, steigen.

Die heutigen Glasburgen der Banken, Versicherungen, aber auch der Politik, wirken l√§ngst nicht so filigran-fragil, wie es der Baustoff Glas vermuten l√§sst. ¬†Mus√§us „Eishimmel“ scheint mir eine treffliche Begrifflichkeit zu sein, denn schlie√ülich spielt die moderne Glasarchitektur den Betrachter nur Offenheit und demokratische Mitbestimmung vor. In Wirklichkeit handelt es sich bei ihnen ¬†jedoch um eine gl√§serne Abschottung, die diejenigen, die sie umschlie√üt, mit einer Aura der Exklusivit√§t und des Arkanwissens versorgt. Von der ¬†Realit√§t sind ihre Insassen genauso abgeschnitten, wie Bertha in ihrem gl√§sernen Haus. Doch sie wird erl√∂st.

Die Reise in die Unterwelt: Helheim

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Helheim ist das Reich der Toten, die durch Altersschwäche und Krankheit gestorben sind. Die Überlieferung sagt, dass die Toten, die einmal in Helheim angekommen sind, diese Welt, die durch einen Zaun, genannt Helgrind, umschlossen ist, nicht mehr verlassen können.

Helheim entspricht unserem Unbewusstein im Sinne des noch Nicht-Manifestierten und Unbekannten.

Auf einer r√§umlich-menschliche Ebene bezogen kann dies bedeuten, dass das eigene Unbewusste, was durch Helheim repr√§sentiert ist, in diesem Zustand gefangen ist, es sei denn, es w√ľrde durch eine Reihe hilfreicher Methoden ins Bewusstsein transformiert werden. Diese Methoden stehen uns in Midgard, der Welt, die wir momentan bewohnen, offen. Hier k√∂nnen wir Asgard erreichen und so selbst zum Gott/zur G√∂ttin werden. Voraussetzung daf√ľr ist aber immer die Reise in die eigene Unterwelt, zur G√∂ttin Hel, die die antagonistische Energie zu Odin darstellt.

Die Reise auf dem Helweg dauert neun Tage. Dabei muss der Fluss Gj√∂ll, der von Modgunn und vom Hund Garm bewacht wird, √ľberwunden werden. Die Zahl Neun entspricht auch den Monaten der Schwangerschaft oder aber auch den neun Tagen, die Odin am Baum hing, um Wissen zu erlangen und der auf diese Art und Weise¬†eine weibliche Initiationserfahrung, die als m√∂gliches Potential immer durch Schwangerschaft und Geburt gegeben ist, nacherlebte.

Der Heilige Gral, von dem uns u.a. in den Artus-Sagen berichtet wird, ist nichts anderes als die Geb√§rmutter, die wohlige H√∂hle, aus der wir gekommen sind und zu der wir zur√ľckkehren werden,wenn unser menschliches Dasein beendet ist. Der Gral kann als ein¬†ein mittelalterliches Symbol f√ľr Helheim verstanden werden, genauso wie die blutige Lanze oder das Schwert eines f√ľr Asgard sein kann.

Welche Methoden sind dies aber, die uns nach Helheim f√ľhren k√∂nnen? Zwei Ans√§tze der verstandesm√§√üigen Selbstreflexion m√∂chte ich hier kurz vorstellen.

Voraussetzung f√ľr beide Methoden stellt dar, dass wir auf einer zeitlich-menschlichen Ebene Helheim als ein Synonym f√ľr das ansehen, was wir in unserem Leben (noch) nicht manifestiert haben oder aber – auch interessant – jenes, was wir w√§hrend unserer Lebensgeschichte ‚Äěverloren‚Äú haben. Im schamanischen Kontext spricht man hier von Seelenanteilen. Es ist das, was wir nicht gelebt haben, weil vielleicht ein traumatisches Ereignis uns den Mut, das Vertrauen und die Lebenslust genommen hat. Allerdings – bevor man nun leichtfertig den Entschluss fasst, jenes, was man verloren hat, zur√ľckholen zu wollen – muss man sich zuerst einmal die Frage stellen, ob man dies √ľberhaupt will? Wenn man n√§mlich tief in sich selbst hinabtaucht, wird man eventuell feststellen, dass damit auch eine gewisse Naivit√§t zur√ľckholen w√ľrde, denn schlie√ülich haben uns eben gerade die negativ-traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit nicht nur gesch√§digt, sondern uns auch neue Erkenntnisse, die wir vielleicht nicht mehr missen wollen, erm√∂glicht. Deshalb stelle ich hier noch einmal eindringlich die Frage: Wollen wir also Seelenanteile, die im Grabesscho√ü Helheims verborgen sind, WIRKLICH ins aktive Leben zur√ľckholen? Und wenn wir diese Frage jetzt immer noch mit Ja beantworten, dann – und erst dann – sollten wir uns √ľberlegen, wie wir das, was wir zur√ľckholen wollen, mit dem integrieren k√∂nnen, was seitdem in unserem Leben an Erfahrungsschatz, neuen Einsichten und daraus resultierenden Weisheiten hinzugekommen ist? Wenn ich den entsprechenden Seelenanteil nun zur√ľckholen m√∂chte, dann sollte ich mir vorab dar√ľber Gedanken machen, welche neuen Energien mir damit zur Verf√ľgung gestellt werden, die gegebenenfalls die Kraft haben, das gegenw√§rtig manifestierte Leben zu ver√§ndern. Welche Resultate sind zu erwarten? Will ich das √ľberhaupt in dieser Form oder ist die Gefahr zu gro√ü, sodass ich dies ablehnen muss?

Eine weitere M√∂glichkeit mit Helheim zu arbeiten, erschlie√üt sich uns durch die Frage, ob die Vergangenheit, die wir vielleicht nicht aus traumatischen Gr√ľnden, sondern einfach aus einer inneren Entscheidung heraus, nicht gelebt haben, f√ľr uns bisher unerkannte Potentiale der Selbstwerdung enth√§lt?

Die eigenen Lebensgeschichte spiegelt doch immer den Sieg einer Entscheidung √ľber andere Potentiale wieder. Wenn du dar√ľber nachdenken m√∂chtest, gehe gedanklich zur√ľck zu einer solchen Entscheidungssituation und spiele alternativ das Leben durch, dass dir wahrscheinlich gewesen w√§re, wenn du dich an einem m√∂glichen ¬†Z√§sur-Punkt, an dieser Wegkreuzung, anders entschieden h√§ttest. Eine solche Meditation, wie ich sie eben beschrieben habe, kann uns zu Potentialen in uns f√ľhren, die darauf warten, manifestiert zu werden. Dieser Prozess, den ich hier vorschlage, ist durchaus anspruchsvoll und kann uns auch leicht an unsere Grenzen bringen. Wenn ich damals z.B. keine Kinder bekommen h√§tte/einen anderen Job angenommen/ein anderes Studienfach belegt h√§tte/‚Ķ , wie w√§re dann mein Leben verlaufen? Und wenn ich diese M√∂glichkeiten dann gedanklich-imagin√§r durchspiele, stellt sich mir als n√§chstes die Frage, ob hier Potentiale erkennbar sind, die in der Gegenwart verwirklicht werden k√∂nnen? ¬†M√∂chte ich diese ungelebten Potentiale jetzt in mein Leben holen oder lieber nicht? Und wenn nein, warum nicht? Wenn ich hier jedoch positive M√∂glichkeiten sehe, bin ich dann √ľberhaupt noch in der Lage diese in meine Gegenwart zu integrieren oder muss ich¬†notwendige¬†Abstriche machen? Was davon kann ich JETZT, in diesem Augenblick, verwirklichen und in welcher Form?

Die aufgezeigten Methoden entfalten ihre ganze Kraft wenn sie mit k√ľnstlerischen Dialogen, Traumarbeit, Orakel und Ritualen kombiniert werden. Die Reflexionen sind erst der Anfang! Zu der zeitlichen Dimension kommt so die notwendige r√§umliche dazu, die im eigenen Ich verwirklicht wird.

Diese Methoden f√ľhren dich und mich zu Hel, der Unterweltsg√∂ttin, die als Tochter von Loki beschrieben ist, und die – davon bin ich tief, sehr tief √ľberzeugt -, die Allmutter selbst ist, die sich hier in ihrem dunklen Aspekt zeigt. Sie erwartet uns im Untergrund. Hagalaz, die Rune der Verwandlung und Transformation, die in sich alle weiteren Runen enth√§lt, f√ľhrt uns dabei in diese Verborgenste aller Neun Welten. Dort spinnen auch die Nornen, die Schicksalsfrauen, ihre F√§den, die die Unterwelt mit dem Himmel verbindet, denn das, was unten ist, ist gleichbedeutend mit oben. Und so treibt der Faden der Nornen in einer zirkularen Endlosschleife unser Bewusstsein linear voran und verbindet so Helheim mit Asgard. Best√§ndig. Auch f√ľr dich!

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Opfertanz

Thomas Altmann schreibt im ‚ÄěManifest der Dilogg√ļn“:

‚ÄěDurch die Vernichtung des k√∂rperlichen und formhaften Zustandes eines Gegenstandes, einer Pflanze oder eines Tieres wird geistige Energie freigesetzt, indem sie der Stofflichkeit entbunden, aus ihrer Bindung an Stoff befreit wir, und dies in √ľberproportionalem Ma√üe. Diese geistige Energie kann – und muss- sinnvollerweise auf ein geistiges Ziel gerichtet werden, um Resultate im Orun zu erzielen, die ihrerseits wieder in der diesseitigen Welt (Ay√©) Realit√§ten bewegen. Ein Opfer ist ein magischer Akt.‚Äú
(Altmann, Thomas, 11/2009: Manifest der Dilogg√ļn, S.3)

In Afrika werden H√ľhner geopfert, um diese Kraft freizusetzen. In Deutschland ist es mittlerweile subtiler. Dort werden die Seelen von Menschen geopfert, um mit ihrer Lebensenergie die gesellschaftliche Trance, gen√§hrt aus Stasis und Angst, zu n√§hren. Wenn die Seele sich aber erst einmal vom K√∂rper gel√∂st hat, dann bleibt der Mensch ‚Äěseelenlos‚Äú zur√ľck. Er wird zum Zombie, zum blechernen Maschinenmenschen, der nur noch funktioniert.

Und der Maschinenmensch fragt sich, sofern er √ľberhaupt noch dazu in der Lage ist, welchen Anteil er selbst am Schrecken der Welt, um ihn herum, hat?

Marko Pogacnik  schreibt:

‚ÄěLasst uns in Gedanken an den Anfang aller Existenz gehen. Die Welt, die um uns herum schwingt, stellt sich unseren Sinnen als eine fest in Form gegossene Welt dar. Die feste Form der Umwelt k√∂nnte sich jedoch eines Tages als T√§uschung entpuppen, wenn sich die Vermutung best√§tigen sollte, dass unsere f√ľnf Sinne die Funktion haben, aus den Schwingungsfeldern unserer Umgebung diejenigen Elemente herauszupicken, die sich in einem festen, logisch nachvollziehbaren Weltbild zusammenfassen lassen. W√ľrde das dann nicht bedeuten, das die Wirklichkeit, die wir beobachten, lieben oder sogar hassen, unsere eigene und eigenartige Sch√∂pfung ist? Ich frage mich immer wieder, wie die Welt, durch die Augen einer Biene oder eines B√§ren gesehen, aussieht. (Pogacnik, Marko: Synchrone Welten. Geomantie des zw√∂lfdimensionalen Lebensraums. Aarau und M√ľnchen 2011, S. 8?)

Doch NEIN: Ich widerspreche der Vorstellung einer 100%¬†Konstruktion der Wirklichkeit durch das einzelne Individuum, wie es uns manche¬†Esoteriker vermitteln¬†wollen, schlie√ülich w√ľrde dies auch bedeuten, dass ich mich selbst zum Opfer mache.¬†Und obwohl ich – wie es uns Marko Pogacnik nahelegt – sicherlich meine Welt immer auch ¬†konstruiere,¬† sie also durch verschiedene Gedanken-Filter betrachte, existiert ¬†– da bin ich mir gewiss – eine objektive Welt, die wir mehr oder weniger vollst√§ndig, abh√§ngig¬†von der pers√∂nlichen Tagesform und von der uns zur Verf√ľgung stehenden¬† Intelligenzleistung,¬† sowie der Synthese von¬†intuitivem und intellektuellem Wissen,¬† … etc. erfassen, die wir aber nicht immer in unserem Sinne beeinflussen k√∂nnen.¬†¬†So erkennt die Biene einen Teil der Wirklichkeit, wir aber einen anderen. Als Mensch, der ¬†– um mit Nietzsche zu sprechen-¬† bestrebt sein sollte, sich zum √úbermenschen zu entwickeln, obliegt es uns, auch die Wirklichkeitserfassung einer Biene in unser Weltbild zu integrieren, das eines Elefanten und jenes unser Mitmenschen. Und so werden wir, indem wir die terra mundi in all ihren Facetten erkennen, die objektive Wirklichkeit ¬†also ‚Äěparadimensional‚Äú erfahren, zum √úbermenschen, zum Magier und zur¬†Zaunreiterin.

Mehr noch:¬†Wir sind diejenigen, die Verantwortung f√ľr unsere Mitgesch√∂pfe innehaben und dies h√§ufig nicht wahrhaben wollen. Deshalb sei es LAUT verk√ľndet: Wir sind die H√ľterinnen der Erde.

Und wenn wir unsere Kraft nicht mehr verleugnen, dann ist der erste Schritt daf√ľr getan, dass uns die √§u√üere Welt keinerlei Leid mehr zuzuf√ľgen vermag. Schlie√ülich, das wissen wir nun, ¬†haben wir dieses Elend¬†¬†teilweise (aber nicht vollst√§ndig!!!) ¬†auch selbst erschaffen und dadurch haben wir¬† – ¬†jetzt JA – das willf√§hige Opfer ¬†der Zust√§nde der objektiven Welt¬†abgegeben. Unbewusst. Entfremdet von uns Selbst.

Rahel Jaeggi  schreibt dazu:

‚ÄěEntfremdet (n√§mlich) sind wir immer von etwas, das uns zugleich eigen und fremd ist. In entfremdete Verh√§ltnisse involviert, scheinen wir auf komplizierte Weise immer zugleich Opfer und T√§ter zu sein. Derjenige, der sich in seiner bzw. durch seine Rolle entfremdet, spielt diese gleichzeitig selbst; wer sich durch fremde W√ľnsche geleitet sieht, hat diese doch gleichzeitig ¬†verursacht – und¬† es w√ľrde die Komplexit√§t der Situation verkennen, wenn wir hier schlicht von internalisiertem¬†Zwang oder von psychischer Manipulation spr√§chen. Soziale Institutionen, die uns erstarrt und fremd gegen√ľberstehen, sind gleichzeitig von uns geschaffen. Wir sind hier, das ist das Spezifische der Entfremdungsdiagnose, nicht Herr √ľber das, was wir zusammen — tun.‚Äú (Entfremdung: Zur Aktualit√§t eines sozialphilosophischen Problems, 2005)

Erich Fromm bringt das im¬† o.g. Zitat ausgedr√ľckte¬† Gef√ľhl der Ohnmacht noch drastischer auf dem Punkt, u.a.¬† auch,¬† indem er, ganz zuf√§llig,¬†eine Referenz auf meine¬†¬†Riesen-Thematik¬† gibt. Er nutzt n√§mlich¬†den Begriff ‚ÄěRiesenmaschine‚Äú, um zu beschreiben, was den b√ľrgerlichen Menschen¬†in einem Indifferenz-Verh√§ltnis beherrscht.

‚ÄěEr (der b√ľrgerliche Mensch) produziert eine Welt der gro√üartigsten und wunderbarsten Dinge; aber diese seine eigenen Gesch√∂pfe stehen ihm fremd und drohend gegen√ľber; sind sie geschaffen, so f√ľhlt er sich nicht mehr als ihr Herr, sondern als ihr Diener. Die ganze materielle Welt wird zum Monstrum einer Riesenmaschine, die ihm Richtung und Tempo seines Lebens vorschreibt. Aus dem Werk seiner H√§nde, bestimmt, ihm zu dienen, und ihn zu begl√ľcken, wird eine ihm entfremdete Welt, der er dem√ľtig und ohnm√§chtig gehorcht.‚Äú

Und nachdem wir nun die t√∂dliche Mechanik der Riesenmaschine erkannt haben: endlich, ¬†erinnern wir uns daran, dass wir nicht Sklavin, sondern gleichsam Erbauer und Zerst√∂rerin sind: ganz wie es uns beliebt. Wenn wir das Leid der objektiven Wirklichkeit teilweise selbst zu verantworten haben, dann k√∂nnen wir auch dessen ¬†dumpfen Staccato durchbrechen, indem wir den Weg der EIGENMACHT beschreiten. ¬†BEWUSST! Er besteht¬†im best√§ndigen Wandel, im best√§ndigen ‚ÄěWerden‚Äú, womit wir die Festlegung auf ein starres Weltbild ablehnen m√ľssen, denn dies w√ľrde erneut die riesenhaften Kr√§fte herbeirufen, die immer dann erwachen, wenn sich ein unbewusster Schlaf, oder ¬†– anders ausgedr√ľckt – eine Gesellschaftshypnose, √ľber die Menschen wie ein starres Leichentuch legt.

Insofern sollte es unser beständiges Trachten sein,  die objektive Wirklichkeit in all ihren Facetten zu erkennen  und  auch zu beherrschen, indem wir unser subjektives Wollen in die objektive Welt tragen: gleichsam dekonstruktivistisch wie auch konstruktivistisch.

Dies ist auch die Botschaft von Odin, dem männlichen Hauptgott des germanischen Pantheons, dem mit Loki eine spirituelle Bruderschaft verbindet, hinter der sich das tiefe Geheimnis verbirgt, dass es sich bei Loki um einen abgespaltenen Schattensaspekt  von Odin handelt.

Loki hat¬† in seiner g√∂ttlichen Triade, bestehend aus Odin und seinen Br√ľdern Vili und V√©, dem Riesen Ymir get√∂tet. Dadurch¬†sorgt er daf√ľr, dass das menschliche Leben dazu dienen soll, sich aus der Abh√§ngigkeit zu ihren riesenhaften Sch√∂pfern, symbolisiert durch Ymir,¬† zu¬† befreien und stattdessen das eigene Bewusstsein und damit gleichsam¬†¬†eine¬† freudvolle Ekstase¬† zu entwickeln, um letztendlich¬† von ihnen – den Thursen-Riesen – eine Erkl√§rung f√ľr ihre¬† fehlerhafte Sch√∂pfung einfordern zu k√∂nnen.¬† Dann – und nur dann –¬† begegnen sich Gleiche unter Gleichen, was zu einer¬† reinigenden Metamorphose f√ľhren wird, wie sie uns nach dem Ende dieser Welt in der Edda versprochen wird.

Und so tanzt das einstige  Opfer auf den Überresten einer Zivilisation, die aufgehört hat, diesen Namen zu verdienen.

Schluss nun – ein f√ľr allemal – mit Riesen. Fort mit euch! ‚ÄěExistenz existiert‚Äú, wir erinnern uns an das Paradigma von Ayn Rand und trachten danach in der Kraft dieses Augenblicks,¬† unser Bewusstsein zu leben. Totentanz. Opfertanz. Freudenzauber.

050620151718

M√ľ√üiggang

Ramberg Freischuetz wildes Heer

M√ľ√üiggang:¬†

Das ist der Stoff aus dem Abenteuer entstehen, so beispielsweise im Roman „Vril“ von Edward Bulwer-Lytton, den ich am 2. Weihnachtstag begonnen habe, zu lesen.

Schon auf der ersten Seite steht:

„Doch als in meinem einundzwanzigsten Lebensjahr mein Vater starb und ich dadurch in den Besitz eines gro√üen Verm√∂gens und zu unumschr√§nkter Lebensfreiheit gelangte, lie√ü ich meiner angeborenen Lust zu Reisen und Abenteurern freien Lauf, verzichtete auf die Jagd nach dem Dollar und wurde ein unsteter Wanderer, der in ewigem Wechsel durch alle L√§nder dieser Erde irrte.“

„Lebensfreiheit“, was f√ľr ein sch√∂nes Wort und – diese Erkenntnis ist bitter – solange wir gezwungen sind uns auf „die Jagd nach dem Dollar“ zu begeben, sind wir nicht frei ¬†genug, um das entspannte Nichtstun mehr als partiell zu pflegen.

Doch um den M√ľ√üiggang ¬†zu erproben, um zu merken, wie es ist, nicht mehr getrieben zu sein von der Notwendigkeit die n√§chste Stromrechnung, Miete und Versicherungen zu bezahlen, daf√ľr ist in der Tat die Zeit zwischen dem 21. 12 und dem 6.1.geeignet wie keine andere im Jahr.

Manche verfallen indes gerade in diesen Wochen in zweifelhaften Ablenkungen zwischen Gl√ľhwein und √ľberladenen Festtagsmen√ľ ¬†mit ¬†Familiengespr√§chen, die genauso alkoholgetr√§nkt wie auch nichtssagend sind. ¬†Anschlie√üend laufen sie weiter im Hamsterrad: vollgefressen und dem Di√§tplan der „Kartenmacher“, also derjenigen, die die Welt schon l√§ngst vermessen und aufgeteilt haben, hinterher.

Doch du geh√∂rst sicherlich nicht dazu. Und so l√§sst du dich frohgemut ¬†nach den Weihnachtstagen mit all den s√ľ√ülichen Geb√§ck und schw√ľlstigen Worten in jenes dunkle Loch fallen, in dem wir uns besinnen k√∂nnen auf unser Selbst.

Vielleicht bist du sogar mutig und trittst hinaus, h√∂rst ein gewaltiges Toben, Brausen und Hundegekl√§ff. „Hoh-ho-ho“, schallt es und alsbald steht der wilde J√§ger mit seiner Horde von Gesch√∂pfen des Zwischenreiches vor dir.

Und du fällst sicherlich nicht ängstlich hernieder, sondern blickst Wotan mutig  in sein eines Auge  und  tanzt alsbald  mit der Hel  ausgelassen durch die Nacht.

Jetzt sind die Rauhnächte. Nutze sie.

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Wotan

Ein neues Bild aus meinem Bildzyklus, der den germanischen Göttern und Göttinnen geweiht ist.

Odin,  ein anderer Name von Wotan, erhängte sich, nachdem er sich selbst mit einem Speer verwundete,  neun Nächte am Weltenbaum.

Barbara G. Walker schreibt: „Das Ziel von Odins neunn√§chtiger Pr√ľfung war es, das Geheimnis des ‚weisen Blutes‘ in dem uterinen Kessel der Erdmutter kennenzulernen und die magischen Kr√§fte der Runen zu beherrschen, die seine weibliche Urform Idun (Freya) erfunden hatte.“ (Das geheime Wissen der Frauen. Frankfurt a. Main 1993)

Wotan erwacht!