Auf dem Viadukt-Wanderweg

Unsere Wanderung fĂŒhrte uns diesmal nach Altenbeken. Zeitverzögert kamen wir dort an, nachdem wir – der morgendlichen Stunde war es wohl geschuldet – in die falsche S-Bahn gestiegen waren, die uns geradewegs auf das Abstellgleis befördert hatte. Eine Stunde spĂ€ter als  geplant erreichten wir dann Altenbeken, den Ausgangspunkt des  prĂ€mierten Viadukt-Wanderweges, fĂŒr den im Internet vielfache Werbung gemacht wird und der selbst uns – als nicht sonderlich Eisenbahn-Interessierte – nun lockte.

Schließlich hofften wir so  auf eine gute Ausschilderung und wirklich fanden wir schon auf dem steil nach unten fĂŒhrenden Bahnhofsweg, der uns in den Ortskern fĂŒhrte, ein erstes Hinweisschild mit Prospektmaterial zum Wanderweg. Sogar mit einer Stempelkarte wurden wir ausgestattet, sodass wir nun hoffnungsvoll unsere Tour starteten.

Vor dem Egge-Museum, dem Ausgangspunkt der Tagestour, die mit 29 km eher als herausfordernd zu beschreiben ist, fand sich dann auch eine hĂŒbsch restaurierte Dampflokomotive  aus dem Jahre 1941 und weitere Hinweisschilder, die aber  so unĂŒbersichtlich angebracht waren, dass wir nicht erkennen konnten, welchen Weg wir zum imposanten Viadukt nun eigentlich, wenn wir denn dem ausgezeichnete Spuren folgen sollten, zu gehen hĂ€tten.  Die schriftliche Anweisung, die ich mir ausgedruckt hatte, half auch nicht weiter. Dort hieß es:

Das Museum im RĂŒcken ĂŒberqueren Sie die Hauptstraße, links am renaturierten MĂŒhlenbach entlang,
ĂŒber einen Treppenweg bis zur BahnunterfĂŒhrung. Anschließend links zur Aussichtsplattform am Viadukt
(toller Fotostandort).

Wir folgten also den BĂ€chlein direkt bei der Lokomotive (Das Museum befand sich in unserem RĂŒcken, so wie es sein sollte), waren aber irritiert davon, dass dies die entgegengesetzte Richtung zum  1853 gebauten Viadukt  darstellt. Von Treppenweg und UnterfĂŒhrung war auch nichts zu sehen, sodass wir – das Viadukt ist glĂŒcklicherweise ja nicht zu ĂŒbersehen – der Hauptstraße folgten und es so erreichten. Hier trafen wir dann auch wieder Viadukt-Wanderweg-Ausschilderungen an, sodass wir der steilen Treppe zur Aussichtsplattform folgten, wo ich  dann auch – wie angeraten – ein paar Fotos von EisenbahnzĂŒgen, die die BrĂŒcke queren, schoss.

Viadukt, „von unten“ gesehen
WassermĂŒhle am Viadukt
Viadukt „von unten“, Detail

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Danach ging es auf den Sonnenberg hinauf.
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Die Beschilderung war dichtmaschig und so konnten wir uns der Unterhaltung und der Naturbeobachtung widmen, bis dann- kurz vor dem Rehbergtunnel – wahrscheinlich bei dem hĂŒbschen Pferde-Paar, das auf der Wiese stand – ,  sich  keinerlei Viadukt-Wanderweg-Schilder mehr vorfanden, sodass ich dann doch mein GPS-GerĂ€t, mit dem ich noch nicht wirklich umgehen kann, anstellen musste, um uns auf diese Art und Weise  – durch bewohntes, aber menschenleeres Gebiet – zur Bollerbornquelle leiten zu lassen.

Kunst am Weg
Interessante drakonische Haus-Dekorationen beim Firmensitz fĂŒr SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung, der uns auf neue GeschĂ€ftsideen brachte.

Die Bollerbornquelle  quillt nur zeitweise. Es ist eine „rhythmisch intermittierende Quelle“, wie uns das Hinweisschild verrĂ€t.  Dort erfuhren wir auch, dass  ausgerechnet diese Quelle, das Heer Karls d. Großen vor dem Verdursten rettete, der gerade vorher die Irminsul, das höchste  Heiligtum der Sachsen, zerstört hatte.

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Der „Wilde Mann“, der die Quelle  jetzt bewacht, trĂ€gt offensichtlich Dreads.

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An der Quelle fanden sich glĂŒcklicherweise wieder Viadukt-Beschilderung an, sodass wir – ganz ohne GPS – den Waldlehrpfad zum Driburger Grund folgen konnten. Dort versĂ€umten wir den Abstecher zur Max und Moritz-Quelle und fanden uns stattdessen auf einem Waldpfad des BĂ€der-Weges wieder, der an einer Hauptstraße mit Bushaltestelle endete. Offensichtlich hatte diese StreckenfĂŒhrung aber seine Richtigkeit, schließlich fanden wir auf der gegenĂŒberliegende Seite der Verkehrsstraße wieder Viadukt-Wanderweg-Schilder vor. Diese inspizierten wir aber nur von Weitem,  da wir offensichtlich viel zu erschöpft waren, um weiter auf dem Viadukt-Weg zu mĂ€andern. Alternativ entschieden wir uns fĂŒr den GPS-gefĂŒhrten direkten Weg zur Mariengrotte,  die sich   bei der Ă€ltesten Waschstelle im Urdorf „To den Buken“ (laut dortige ErklĂ€rung) befindet.

Landschaftsimpressionen, von der Mariengrotte aus gesehen!
Mariengrotte mit Bildstock

Von hier aus kehrten wir dann zum Hauptbahnhof in Altenbeken zurĂŒck,  wobei wir sehr viel Spaß dabei fanden, den teilweise neobarocken, bebraistischen oder einfach geschmacklosen Baustil der Mittelstands-Bunker im Neubau-Viertel Altenbekens zu kommentieren und zwei jungen Welpen bei der Erkundung des englischen Rasens zuzusehen.

Auf diese eben geschilderte Art und Weise hatten wir den Viadukt-Wanderung stark verkĂŒrzt und damit unseren BedĂŒrfnissen angepasst.  Nichtsdestotrotz war der Muskelkater gewaltig.

Fazit: Tolle Wanderung, bei der man sich aber nicht alleine auf die Beschilderung verlassen, sondern stattdessen Wanderkarte und/oder GPS einstecken sollte. Unsere Stempelkarte wies zum Schluss  – was irgendwie deprimierend ist – ein (bzw. zwei/geschummelte) Stanzfelder aus. Stempel gab es auf der Wanderstrecke anscheinend nicht, stattdessen aber praktische Lochstanzer.

Bad Pyrmont

Da wollte ich vorgestern nur einmal in das nÀchstgelegene Wellenbad gehen und habe dadurch einen Kraftort gefunden, der seinesgleichen sucht: Bad Pyrmont.

Ich muss gestehen, dass ich mich im Vorfeld nicht sonderlich informiert hatte. Ja, die Eintrittspreise des Schwimmbades hatte ich „gegoogelt“ und ich wusste, dass es dort einen wunderschönen Kurpark geben sollte. Das war es aber schon. SpĂ€testens aber, nachdem ich, nach dreistĂŒndigem BadevergnĂŒgen, zum Picknick auf der Brunnenstraße saß, inmitten einer GerĂ€uschskulptur, wurde mir deutlich, dass dieser Ort ganz und gar „besonders“ ist. Das undefinierte GefĂŒhl, hier einen Kraftort besucht zu haben, durchströmte mich. Und genauso, wie mir Hannover immer Lebensenergie raubt, so fĂŒhlte ich mich hier angenehm aufgeladen, und das lag nicht nur an der angenehmen Ähnlichkeit der Stadt mit dem marod-italienischen Ambiente von Bad Ems, was ich auch sehr liebe.

Hier, in Bad Pyrmont, waren starke, ganz starke Energien spĂŒrbar. Der Besuch im Kurpark, wo mich die RiesenbĂ€ume begeisterten, brachte keine AufklĂ€rung, doch spĂ€testens, als ich den „Hylligen Born“ betrat, verdichtete sich das GefĂŒhl, hier das Zentrum eines außerordentlichen Ortes zu besuchen. SelbstverstĂ€ndlich trank ich mich durch die verschiedenen Quellen, um dann auf dem Vorplatz des GebĂ€udes sprudelnde Wasserquellen unter Plexiglas zu sehen. Mein Blick fiel auf eine kleine Metallplatte, wo irgendetwas von „Geomantie“ stand, genug, um mich neugierig zu machen.

Jetzt habe ich nachgelesen und erstaunt festgestellt, dass Bad Pyrmont einen „geomantischen Spaziergang“ implementiert hat und dass mein GefĂŒhl, hier einen Kraftort, der seinesgleichen sucht, vor mir zu haben, schon viele Menschen vor mir wahrgenommen haben. Schau hier: Kraftort

Ich muss also wiederkommen und mir Zeit fĂŒr diesen Ort nehmen. Nun … die Dunsthöhle, wo Kohlendioxid austritt, hatte ich noch besucht. Leider hatte ich meinen Fotoapparat vergessen, sonst wĂŒrdet ihr an dieser Stelle die riesigen, schillernden Seifenblasen sehen, die auf unsichtbarem CO2 tanzen. (Mehr dazu: Dunsthöhle) Wunderschön!