Spielend. Tanzend. Verändernd?

Im Rückblick auf das letzte Wochenende gibt  es neben der Prekarität des besuchten Stadtviertels und den Verwerfungen des hannoverschen Nahverkehrs natürlich auch einiges über den Tanz zu berichten.

An drei Tagen erlebte ich  im TuT ein Wechselspiel zwischen Bewegung und Innehalten. Langsam bin ich dabei durch die Zeiten getanzt, habe mich in extrem Emotionen hineingesteigert, um dann in einer grotesken Pantomime innezuhalten. Erstaunt hat mich dabei, was im Zusammenspiel mit den Mittänzern entstehen kann und dies, obwohl ich doch selbst lieber  alleine  tanze und den allzu nahen  menschlichen Kontakt scheue: Contemporary Dance – damit habe ich so meine Schwierigkeiten. 
Erfreut hat mich nicht nur das selber tanzen und das Erproben eines eigenen Ausdrucks, sondern  auch das Zuschauen bei den Tänzen der anderen Kursteilnehmern.

Anstrengend war das vergangene Wochenende zweifelsohne, auch weil es dabei tänzerisch-schauspielerische Aufgaben gab, die mir, beim Versuch der Überschreitung, meine Grenzen deutlich machten. Möchte ich diese überhaupt überwinden? Kann es mein Leben flexibler gestalten, hier neue Ausdrucksmöglichkeiten zu praktizieren, denn schließlich führt eine Veränderung im körperlichen Ausdruck immer auch zu  persönlichen Wandlungen. Da aber, wo sich die eigene Persönlichkeit verändert,  gerät auch das Gefüge der eigenen Realität ins Wanken.  Oder möchte  ich auf dem, was sich für mich als wirksam erwiesen hat, beharren und dieses notfalls auch verteidigen?

Die vielen Regieanweisungen störten mich, bin ich es doch gewohnt, die Macherin zu sein. Andererseits führte mich die Steuerung durch die  Lehrerin zu Bewegungen, die ich sonst wohl nicht  für mich entdeckt hätte. Grenzen erweitern sich. Den Kontakt scheue ich weiterhin.

Tanz ist eine fließende Kunst, die durchaus magische Wirkung entfalten kann. Die Bilder entstehen und vergehen gleichfalls im Meer der Zeiten. Ich möchte das Gesehene festhalten, doch schon sind die vielfältigen Bilder, innere wie äußere, verschwunden. Nur der Raum bleibt, erweitert  sich aber gleichsam in der eigenen Imagination immer wieder zum beschwingten Spielplatz. Spielend. Tanzend. Verändernd!

Innehalten und reflektierend: Möchte ich das Projekt in der Gruppe weiterführen? Ich weiß es (noch) nicht.

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Improvisiert aus der Realität tanzen! 

So ein stressiger Morgen.

Die U-Bahn fährt mir mal wieder vor der Nase weg. Dann sitze ich in der überfüllten Bahn neben einem ca. fünfjährigen. Kopftuchmädchen, das sich, so die gern von den Medien rezipierte Version,  selbstverständlich eigenverantwortlich für Ihre Bedeckung entschieden hat. Der Großvater,  der daneben sitzt, sieht aus, als ob er gerade aus einem abgelegenen anatolischen Dorf gekommen wäre, wahrscheinlich lebt er aber seit ca. 40 Jahren in Deutschland und hat sich erfolgreich nicht integriert. Warum auch? Die Mama trägt ebenfalls Kopftuch und redet türkisch mit Tochter und Sohn.

Ich mag diese neue Welt nicht. Ab der Stadtmitte höre ich ausschließlich nur noch ein Gemisch aus arabisch und türkischer Sprache: “Salem aleikum” und ich bin fremd im eigenen Land. Schwarze Kopftuchmädchen, die aussehen, wie den Bilder der entführten Mädchen von Boko Haram entsprungen, steigen ein. In der Nordstadt gibt es ja viele Moscheen.

Mich dagegen zieht es zum TuT, wo es, gleich gegenüber der städtisch geförderten Antifa Hochburg UJZ Kornstrasse und der alevitischen Glaubensgemeinschaft und neben der Gesellschaft “Islam verstehen e. V.” Improvisationstanz für Menschen ab 50 Jahren gibt. Die Zeit scheint hier erst einmal stehen geblieben zu sein und ich bin erinnert an Zeiten, wo auch ich noch an eine freudige multikulturelle Gesellschaft, die von toleranter Vielfalt geprägt ist, geglaubt habe. Und so tanze ich dann hier all meine Frustration, untermalt von Klangschale und Thunder Drum, einfach weg. Realitätsverweigerung hilft: zumindest kurzzeitig.

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Georg Kolbe, der Tanz und andere Entdeckungen

Der Georg-Kolbe-Hain ist ein magisch anmutender Platz. Dionysos ist hier zu Hause und sicherlich noch viele andere magische Gestalten.

Ursprünglich war er als ein kleiner Landschaftspark angelegt worden, der die niedersächsische Landschaft nach Berlin holen sollte, ähnlich wie wir in Hannover den Hermann-Löns-Park kennen, der die Weite Norddeutschlands in die Landesshauptstadt holt. In Berlin jedoch wurde das Konzept aufgegeben und der kleine Park in den 50ziger Jahren Georg-Kolbe umgewidmet. Das Eingangsportal mit seinen Pferde-Giebeln zeugt jedoch noch von der ursprünglichen Intention des Gartengestalters.

Mir selbst war, auch schon vor meinem Besuch, Georg Kolbes Geschwisterpaar am hannoverschen Maschsee  bekannt, wo Mann und Frau gleichermaßen stark wie auch ansprechend dargestellt werden, was auch in der heutigen Zeit, wo Frauenbilder mehrheitlich die Ikonographie der Verführung und dümmlichen Unterordnung bedienen, selten ist.

Georg Kolbe hat sich mit der inneren Stärke des Menschen, egal ob Mann oder Frau,  auseinandergesetzt. Wie manifestiert sich das in der Körperlichkeit und wie lässt sich dies  künstlerisch darstellen, waren wohl Fragen, die ihm bewegt haben. Während sich im  Skulpturengarten seines ehemaligen Wohnhauses die Tänzerin  noch leichtfüßig über die Wasserdämonen erhebt, ringt Zarathustra schon kraftvoll mit sich selbst, um zum Übermenschen zu werden. Auch die Frau, die sich über die Natürlichkeit erhebt, erscheint gleichermaßen schön wie auch stark. All dies zeugt u.a. auch von Georg Kolbes intensiver Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche, was nicht nur ein Zeitphänomen war, sondern ihm, auf einer persönlichen Ebene, half, sich über den Verlust seiner geliebten Frau hinwegzutrösten.

Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, ganz und gar anders, fand ich später dann auch in der Pina-Bausch-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die Ausstellungshalle war für mich eine architektonische Entdeckung; die Ausstellung an sich ging jedoch nicht in Resonanz mit mir. Vielleicht liegt es daran, dass für mich Tanz ein Ritual ist und deshalb Tanz niemals Theater sein kann, der Darsteller und Zuschauer voneinander abtrennt und immer unterhaltend sein will? Darüber hinaus, so meine Überzeugung,  lässt sich Tanz niemals in eine Ausstellung bannen, auch wenn durch Videoaufzeichnungen und Trainingssequenzen, denen ich jedoch nicht beiwohnte, von den Ausstellungsmachern versucht wurde, dieses Problem zu beheben. Der Tanz aber entzieht sich dem. Beschwingt.

In der Pina-Bauch-Ausstellung sah ich eine filmische Aufzeichnung, in der ein Tänzer das mythische Fabelwesen eines Zentaur eindrucksvoll darstellte. Dieses magische Wesen fand ich dann, unweit des Checkpoint Charly’s, vor der LBB,  als Skulptur wieder vor.  Der Zentaur streckt dort die Hände aus, um Erlösung zu finden. Mit diesem Bild schließt sich dann der Kreis dieses erlebnisreichen Tages in Berlin für mich, der mir  gezeigt hat dass alles mit allem zu tun haben kann,  vorausgesetzt nur, dass man offen für die Zeichen ist, die einem im Alltag begegnen.

 

Hier sind meine fotografischen Souvenirs vom Georg-Kolbe-Hain.

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Im Tanz die Unendlichkeit berühren

Dieser Text ist in meinem Buch “Mami Watas Tanz” 2008 erschienen. Mittlerweile ist es nur noch in Restbeständen käuflich zu erwerben.

Tanz ist eine wichtige Form der religiösen Äußerung, machtvoll und wild. Bauchtanz ist der Weiblichste aller Tänze, was liegt also näher, als den Bauchtanz als ein Tor zu erkennen, durch das wir treten können, um uns eine weibliche Spiritualität zurückzugewinnen, die längst verloren geglaubt schien.

Nicht länger wollen wir mit unseren stinkenden Autos der dicht befahrenen, breiten Straße folgen, die uns direkt zur Hölle des Plagiats führen würde. Ein Unfall wirft uns aus der Bahn und lässt uns einen kleinen steinigen Pfad entdecken, der unscheinbar von der großen Straße abzweigt.

“Da müsst’ ich ein Narr sein, wenn ich den engen und rauen Weg gehen sollte”, verkündet Bruder Lustig im alten Märchen. Doch wir, wagemutig geworden, werden zur Närrin und verlassen unser sicheres Auto.

Unser eigenes Lebensprofil wollen wir entwickeln, sei es nun im Tanz oder in anderen Lebens-Künsten. Und so folgen wir unserer eigenen Bestimmung, unserem ureigensten Talent, das wir einst von einer gutmütigen Fee in die Wiege gelegt bekommen und danach – in der Phase der Imitation – vervollkommend haben.

Wir wandern den kleinen Pfad entlang. Bald schon finden wir uns in einem dunklen unüberschaubaren Tannenwald wieder. Die Bäume stehen eng beieinander. Immer dichter drängelt sich ein Baumstamm an den nächsten, schließlich sickert das Tageslicht nur noch als ein spärlicher Schimmer von oben herein. Die ungewohnten Geräusche des Waldes, das Knacken und Rascheln im Unterholz, mahnen uns zur Umkehr. Doch wir lassen uns nicht beirren und singen ein fröhliches Lied gegen die Angst: “Ich wandere meinen Weg, über Brücke und Steg.” Und während wir noch selbstvergessen “bald da, bald dort, immer fort und fort” summen, haben wir längst den kleinen Pfad im wild wuchernden Gestrüpp verloren.

Nur Kleingeister versinken nun im Selbstmitleid und trauern der stinkenden Schnellstraße hinterher, die Sicherheit versprach und doch nur Tod meinte. Voller Panik irren sie, auf der Suche nach ihren leicht demolierten, dennoch startklaren Autos, durch den Wald. Wir dagegen verlassen uns lieber auf unsere Intuition. Unabwendbar wird sie uns zurück zum kleinen Pfad führen, der uns schließlich zu unserer wahren Bestimmung, dem Himmel, bringen wird.

Schon auf unserer Wanderschaft werden wir belohnt durch ungeahnte Perspektiven, die sich uns auftun. Und langsam, ganz langsam, werden wir dabei selbst zu dieser starken Tänzerin, deren Arme – ganz ohne orientalische Choreografien – in den Himmel weisen. Die Füße stehen dabei fest auf der Erde. Ihre Hüften zeichnen unsichtbare Achten. Achten nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten. Sie versinkt selbst in ihren Achten, wird eins mit der Figur, dem Symbol für die Unendlichkeit.

Auch der Kreis des Jahres wiederholt sich unendlich. Anschaulich führt uns der Jahreskreis vor Augen, dass auf die Dunkelheit das Licht folgt. Nach einem langen  kalten Winter, wenn sich die ersten Frühlingsblumen noch mühsam durch den Schnee kämpfen, trägt unsere Hoffnung farbenfrohe Knospen. Und wir feiern ein fröhliches Frühlingsfest, feiern uns und die wiedererwachende Natur.

Unentwegt zelebriert die Frau weiterhin Achterschleifen, die wie Räder hinweg rollen auf der Straße des Lebens. Es wird Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling kehrt sie zurück, zum Ausgangspunkt, an dem alles begann. Acht mal Acht ergibt dann auch 64 und schon im I-Ging, dem chinesischen Orakelspiel, folgt dieser Zahl nur noch die Vollkommenheit.

Wer ist die Frau, die da unermüdlich tanzt? Du bist es; ich bin es; wir sind es. Es ist die Allmutter, die Göttin selbst, die alles Leben aus ihrem großen dicken Bauch hinaus presst, immer wieder.

Und so tanzen wir mit ihr zusammen im Reigen der alten Jahreskreisfeste. Acht Feste gibt es. Acht Feste zum Tanzen, Singen und Fröhlichsein.

Die Jahreskreisfeste geben uns einen Rahmen vor, eine Struktur, die wir jeweils mit zauberhaften Festen füllen können. In deren schützendem Rahmen können wir uns rückbesinnen auf längst vergessen geglaubte weibliche Lebenskraft. Weibliche Kreativität, die sich bisher nicht in gesellschaftlich anerkannte Bahnen lenken ließ, die schließlich negiert, dann vergessen wurde, bahnt sich wieder einen Platz: frei, wild, entschlossen, vielleicht auch beunruhigend hässlich! Wir dürfen es wieder sein. Hysterisch! Warum eigentlich nicht? Kreischend! Das sind wir. Ein Haufen von fettwanstigen Weibern mit Hängebusen, die den “Arsch” wackeln lassen und dabei die Wünsche und Träume, die vor Jahren die Mutter in die Spielzeugkiste gepackt hat, wieder Gestalt werden lassen.

Tanzende Frauen treffen auf Geschichten erzählende, schreibende, malende und musizierende, acht Mal im Jahr. Es gibt keine starre Trennung mehr zwischen den Kunstgattungen. Und was wird daraus?

Magie. Zauberei. Die I-Magie-nation der eigenen Wünsche und Träume mit Hilfe von Symbolen bewirkt Wundersames: erst bei dir und dann auch in der Außenwelt. Du beginnst vielleicht  zu fordern, was dir zusteht, mehr Raum, nicht nur Frauenraum. Du machst dich auf, beginnst die Expedition, folgst der eigenen inneren Landkarte, beginnst das Territorium für dich abzustecken, zu erobern. Leichtfüßig tanzt du durch die Stadt, durch das Land. Du bist das Mädchen mit den tanzenden Schuhen, kannst gar nicht mehr aufhören. Aber was ist daran noch schlimm? Im Märchen von Andersen ist das alles vom Teufel, aber wenn doch die ganze Welt mittanzt, eine tanzende, feiernde Welt von fröhlichen Frauen und Kindern, sogar die Männer lassen schließlich Schlips und Aktentasche fallen, tanzen mit dir, gleichberechtigt, dann gerät alles in einen beschwingten Fluss. Und plötzlich findet ihr euch wieder in der märchenhaften Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Doch es ist Gegenwart: wo das Wünschen noch hilft. Und ehe ihr euch verseht, ist der Teufel längst ein für allemal in die Hölle gefahren und mit ihm all die hässlichen Fabriken und öden Büro-Kasernen.

Dahin kann es führen, wenn du der tanzenden Urmutter, Athene, Frau Holle, Maria oder wie du sie auch nennen magst, in dir Raum gibst. Die Göttin hat die Kraft zur Veränderung. Sie verspricht keinen Fortschritt mehr, der immer nur ein Mehr an Lebensfeindlichkeit bedeutet. Sie schenkt Lebensqualität und ist in  dem, was sie bewirkt, genauso real wie der Gott, der grüne Mann, der immer wieder am Ende eines Jahres geopfert werden muss, um ein neues Wachstum der Natur zu ermöglichen.

Und so kehrt die Göttin langsam, auch mit deiner Hilfe – zum Beginn eines neuen Zeitalters – zurück, um die Menschen auszusöhnen mit ihrem Planeten: der Mutter Erde.

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Arbeit und Gebet!

Rudolf von Laban glaubte anscheinend nicht an die Selbsterfüllung in der Lohnarbeit, die ein Trugschluss zu sein scheint, der in unserer Welt immer noch favorisiert wird, der sich aber schon längst selbst ad absurdum geführt hat.

Nicht jeder hat die Gaukelei als solche erkannt. Viele profitieren davon, dass wir die neofeudalistische Schmierenkomödie, die unser Leben bestimmt,  für eine unabwendbare Realität halten. So beDIENen wir sie, indem wir schaffen und schaffen, um die Folgen einer Inflation auf unser Privatleben abzumildern,  die andere beSCHLOSSen haben.

Unser soziales Leben haben wir derweil schon längst den immer schneller sich drehendem Hamsterrad geopfert. Freundschaften werden ausschließlich unter dem kalten  Kalkül des Nützlichkeitsanspruchs betrachtet, denn schließlich ist Zeit gleichbedeutend mit Geld.

Das ist eine Sklavenexistenz!

Selbst die antiken Griechen wussten schon, dass das wahre Menschsein im Müßiggang liegt, der eben nicht  tumbe Regeneration ist, sondern ein Sich-treiben-lassen im Fluss der Zeit bedeutet. Die damit verbundene Absichtslosigkeit, die sich nicht in To-Do-Listen gefangen halten lässt, ermöglicht uns die Annäherung an ein ästhetisches Ideal, das Laban im Folgenden als “Gebet” beschreibt.

Er schreibt:

“Die Wurzeln der Bewegungskunst sind Arbeit und Gebet. Arbeit sorgt für unsere materielle Existenz, das Gebet für unser spirituelles Wachsen und Reifen. Arbeit kann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Gebet bekommen, wenn sie nicht allein dem Lebensunterhalt, sondern höheren Zielen dient. Auch eine künstlerische Darbietung kann in die Nähe des Gebets rücken, indem sie Ideale verkörpert. Die Grenzen zwischen Arbeit und Gebet sind zuweilen fließend: Ein Ringen um Ideelles, wie es etwa im flehentlichen Gebet geschieht, kann eine ebenso harte – wenn nicht gar härtere – Anstrengung sein wie manche körperliche Arbeit. Beides kann den Einsatz all unserer Kräfte erfordern. Die Konflikte, um die es in Arbeit und Gebet geht, finden ihre künstlerische Umsetzung in Pantomime, Drama und Tanz. In früheren Zeiten entstand dramatische Dichtung und mit Musik begleiteter Tanz aus der Anrufung und Verehrung der Götter, und auch in unserer Zeit ist dies im Grunde noch so. In den Anfängen des philosophischen Denkens waren alle Kunstgattungen noch eine Einheit, heute sind sie jedoch getrennte Disziplinen. Aber selbst heute können sich Tanz und Schauspiel gelegentlich verschwistern: Worte lassen sich mit Musik und Bewegung erweitern, während Tanz und Musik von den im Wort vermittelten Gedanken erfüllt sein können. Spuren der ursprünglichen Mimenkunst sind heute noch im Marionettentheater zu finden, in Clownszenen im Zirkus und in pantomimischen Darbietungen; daneben bietet sich im Drama und Ballett ein weites Feld, wenn man sichtbare Bewegung studieren will. ” (Rudolf von Laban: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 97 f.)

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Tanz in den Zwanziger Jahren!

»Man tanzt Foxtrott, Shimmy, Tango, den altertümlichen Walzer und den schicken Veitstanz. Man tanzt Hunger und Hysterie, Angst und Gier, Panik und Entsetzen. Ein geschlagenes, verarmtes, demoralisiertes Volk sucht Vergessen im Tanz.” So interpretiert Klaus Mann in seinem Lebensbericht  “Der Wendepunkt” die Tanzwut nach dem Ersten Weltkrieg. Nach vier entbehrungsreichen Jahren und dem für die meisten Deutschen sehr enttäuschenden Kriegsende gab es zwar wenig zu feiern, aber viel nachzuholen.

Der Auftakt zu dieser beginnenden Euphorie der Lebenslust war nicht vielversprechend, im Gegenteil: Im ganzen Land herrschte nach Abschluss des Krieges und eingeschränkt auch noch danach ein allgemeines Tanzverbot.

Damit wollte man vermeiden, dass vergnügungssüchtige Deutsche sich von einer Tanzveranstaltung in die nächste stürzten, ungeachtet der politischen Unruhe im Land.

Kurz vor Kriegsende beschrieb ein Journalist im Hannoverschen Anzeiger vom 15. September 1918 seine Beobachtungen am Kröpcke

»Die Feldgrauen, die aus der Hölle an der Front kommen, sehen sich kopfschüttelnd dies Treiben an, sie könnens nicht fassen, dass es hier so viele Menschen gibt, die sich leichtfertig hinwegsetzen über den Ernst der Zeiten, ohne zu denken an die Brüder und Vater, die draußen stehen im wilden Kampfe, Minute um Minute den Tod vor Augen.”

Meinen vollständigen Artikel über die Tanzwut  zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Hannover, den ich noch unter einem anderen Nachnamen veröffentlichte,  habe ich eingescannt und er lässt sich nun nachstehend als pdf-Datei abrufen.  Er enthält u.a. auch einen Exkurs über  “Die neuen Tanzvergnügen der Homosexuellen” von Reiner Hoffschildt.

Ursprünglich ist der gesamte Beitrag,  dies sei korrekterweise hier angegeben, 1991 im Buch “Wochenend & schöner Schein. Freizeit und modernes Leben in den Zwanziger Jahren” (hrsg. von Adelheid von Saldern und Sid Auffahrt) erschienen.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Ein Vergnügungsbummel durch das Hannover der Zwanziger Jahre

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Tanze!

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Warum du tanzen solltest:

Dafür gibt es viele Gründe:

Tanz fördert, als Ausdauersportart, deine allgemeine Fitness.

Tanz macht glücklich: Der Körper schüttet dabei Endorphine, die wegen ihrer Wirkung auch als körpereigene Opiate oder Glücksstoffe bezeichnet werden, aus.

Tanz fördert deine Gedächtnisleistung, schließlich musst du dir immer wieder neue Schrittfolgen einprägen.

Tanz ermächtigt dich! Genauso wie sich deine Körperhaltung verbessert, so steigt auch dein Selbstbewusstsein. Dadurch, dass du lernst, deinen Körper bewusst zu bewegen, wird deine Präsenz gesteigert. Willkommen in der Gegenwart!

Anti-Aging: Tanz hält jung!

Tanz ist ein individueller Spaß und ein  Gemeinschaftserlebnis – ganz wie wir es bevorzugen!

Tanz löst Muskelverspannungen auf und fördert so deine Gesundheit.

“Nichts kann die Lebensenergie eines Menschen stärker und vor allem dauerhaft so stören wie seine Muskelverspannung. Muskelverspannungen und überhaupt Anspannung beherrschen unser ganzes Leben. Jeder wie auch immer geartete Impuls, jede Veränderung unserer Lebensumstände, jede Emotion erzeugt Spannung in unserem Körper. Diese Spannungen manifestieren sich über unsere Muskeln. Diese wiederum werden von unserem Nervensystem beeinflusst und gesteuert. So dienen unsere Muskeln im weitesten Sinne gesehen auch als Vermittler zwischen Geist und Körper. Einerseits drücken sie alle unsere inneren, seelischen Regungen unbewusst in Form spezifischer Muskelspannungen aus. Sie können sich anspannen oder erschlaffen. Vieles läuft instinktiv und automatisch ab. Bei Angst spannen sich z.B. die Muskeln im Schulterbereich, aber auch die der Stirn an, ohne dass wir es bemerken. Stress wirkt sich immer in Form von messbaren Muskelverspannungen aus. Dauerstress, dauernde Ängste führen zu chronischen Verspannungen. Seelische Spannungen setzen sich immer in körperlich muskulärer Anspannung fest.” (Eggetsberger, Gerhard: Power für den ganzen Tag, eBook, S.34)

Tanz fördert den Ausgleich der rechten und linken Gehirnhälfte. Dies wiederum ermöglicht dir ein intuitives Denken, was Voraussetzung für jedwede Kreativität ist.
„ Dieses Gleichgewicht öffnet die Zirbeldrüse und erlaubt es dem Prana, der Lebenskraft, in den allerinnersten Teil unseres physischen Seins hineinzugelangen. Dann, und nur dann, kann der Lichtkörper, der Mer-Ka-Ba geannt wird, ins Dasein treten.“ (Melchizedek, Drunvalo: Die Blume des Lebens, Band 1. Burgrain 2006, S. XVII)

Tanz, besonders Tänze aus uns fremden Kulturkreise, bringen uns vordergründig mit einem fremden Bewegegungsrepertoire in Kontakt. Da aber jede Veränderung mit einer neuen Bewegung beginnt, können sie – gerade dadurch, dass sie uns ein neues Körperbewusstsein vermitteln -, neue Lebensoptionen aufzeigen. Tanz kann eine Fremdsprache sein, die uns neue Welten eröffnet.

Tanz ist eine “labyrinthische” Kunst. Tanz kann dich davor bewahren, in Lebens-Sackgassen zu gelangen bzw. ermöglicht es dir, aus ihnen leichtfüßig herauszutanzen. Tanz ermöglicht es dir, Stagnationen entgegenzuwirken. Tanz beWEGt dich!

… der Prinz wollte seine Untertanen fortan glauben machen, der Weg zu ihm sein einfach und direkt, ohne Kontrollen oder erschwerende Umstände, offen für jedermann; jedermann sollte die Hoffnung haben können, auf direktem Wege bis zu ihm aufzusteigen, ja sogar seinen Platz einnehmen zu können; jeder sollte von Kindesbeinen an darauf spekulieren dürfen, alles werden zu können. Er solle glauben, dass es ausreichend wäre, den geraden Weg zu gehen und dem Ideal der Ordnung zu folgen. Auf diesem Mythos basiert die kapitalistische Gesellschaft und – mehr als jede andere – die amerikanische. Vergebens: Die Wirklichkeit ist sehr viel komplexer. Das Leben der Mehrzahl aller Bürger endet in Sackgassen, die weniger erfüllend sind als ihre Träume. Recht wenige gelangen in Sichtweite dessen, was sie “das Ende des Tunnels” nennen. Recht wenige gelangen auf den Weg, der zum Spielfeld des Königs führt. (Attali, Jacques: Wege durch das Labyrinth. Hamburg 1999, S. 99)

Tanz kann ein Ritual sein! Tanz (und auch Kunst im Allgemeinen)  stellt eine Verbindung zu der Nicht-Alltäglichen Wirklichkeit her und  wir können mit seiner Hilfe  das  “Spielfeld des Königs” (siehe o.g. Zitat) erreichen.

Tanz kann spirituelle Durchbruchserlebnisse ermöglichen. James Redfield schreibt, dass Körperübungen wie Yoga, Tanzen und die asiatischen Kampfsportarten so häufig zu inneren Durchbruchserfahrungen führen. ” Sie lassen uns die Schwerkraft bis zum gewissen Grad überwinden, öffnen die inwendigen Schleusen und wenn die Energie dann mit voller Macht zu strömen beginnt, fühlen wir uns dermaßen leicht und weit, dass unsere Körper von selbst die perfekte Position einnehmen. Der Kopf wird angehoben und als nahtlose Verlängerung der Wirbelsäule empfunden. Der Rücken fühlt sich kräftiger an, von der Gotteskraft selbst gestützt und geradegehalten nicht von absichtlich bemühten Muskeln.
Also ist das Gefühl der Leichtigkeit oder Schwerelosigkeit ein klares Indiz für eine mystische Erfahrung. Es ist etwas Messbares, an das wir uns halten können. Wir wissen, dass wir die mystische Dimension betreten haben, wenn wir uns unbeschwert fühlen, leichter und losgelöster, als würden wir von innen her mit spirituellem Helium aufgepumpt.” (Redfield, James: Die Visionen von Celestine. Geheimnis und Hintergrund der Prophezeiung. München 1997, S. 143 f.)

Wenn du dein Leben verändern möchtest, dann lerne dich neu zu bewegen!

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Die tanzende Göttin

Den folgenden  Artikel, in dem ich ein für mich wesentliches Buch, das u. a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet, vorstelle, schrieb ich im Jahre 2001 für die Mitgliederpost des Bundesverbandes für Orientalischen Tanz. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn euch – in einer leicht modifizierten Form – erneut präsentieren:

Heute möchte ich euch ein für mich wesentliches Buch vorstellen, das u.a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet. Es erschien bereits 1982 im Verlag Frauenoffensive unter dem Titel ‘Die tanzende Göttin’ und wurde immer wieder neu aufgelegt. Die Autorin Heide Göttner-Abendroth entwickelt darin auf der Grundlage einer matriarchalen Mythologie, deren Ursprünge bis ins Neolithikum zurückgreifen, einen Kunstbegriff, der mehr sein will als die ‘zum schönen Schein’ verblasste Kunst im patriarchalen Zeitalter.

Kunst meint – nach ihrer (und meiner) Definition – nicht nur Tanz, sondern auch Musik, Gesang, Dichtung, Bewegung, Ornamentik, Verbildlichung, Komödie und Tragödie. Allerdings hat der Tanz in der Kunst eine zentrale Bedeutung. Heide Göttner-Abendroth schreibt: ‘Ein Hauptmerkmal aller matriarchalen Kulte war der Tanz. Die Menschen glaubten einerseits, dass es die Mondgöttin sei, die sie tanzen mache, weil sie so großes Vergnügen daran habe. Andererseits glaubten sie, dass ihr Tanz für die Gesundheit der Mondgöttin unbedingt notwendig sei. Denn der Tanz war mehr als augenblicklicher Gefühlsüberschwang, er war auch mehr als ein sehr ausdrucksvolles Gebet: Er war die wichtigste magische Praktik überhaupt. Der Tanz ist die älteste und elementarste Form der religiösen Äußerung, er ist Magie als getanztes Ritual. Aus ihm entwickelte sich jede andere Ausdrucksform, die wir uns heute ,Kunst‘ zu nennen angewöhnt haben.’ (S.45)

Einst wurden zu den wichtigen, astronomischen Daten Feste gefeiert. Diese matriarchalen Mysterienfeste sind die Urform der großen Volksfeste.

Heide Göttner-Abendroth hat diese Feste unter dem Namen ‘matriarchale Mysterienfeste’ wiederbelebt. Sie heißen:Lichtmess (2. Februar), Ostara (20.-23. März), Walpurgis (30. April), Litha/Sommersonnenwende (20.-23. Juni), Lugnasad/Loki (1. August), Mabon/Freyr (20.-23.September), Halloween (31. Oktober) und Jule (20.-22. Dezember). Sie dienen ‘dem Zweck, die Göttin anzurufen, zu beschwören und zu preisen’ (S.65) und sind mittlerweile (2011) nicht nur in neuheidnischen Kreisen bekannt, sondern erfreuen sich – auch bedingt durch populäre Filme und Literatur – zunehmender Beliebtheit.

Im rituellen Tanzfest wird die strikte Trennung zwischen den Kunstgattungen aufgehoben. Auch gibt es keine strikte Trennung zwischen Zuschauerinnen und Künstlerinnen. Vielmehr ist Kunst Magie, denn es wird versucht ‘auf magische Weise die psychische und soziale menschliche Realität zu verändern.’ (S.63)

Heide Göttner Abendroth hat eine Reihe von Büchern zum Thema geschrieben, zum Beispiel:

Die Göttin und ihr Heros, Verlag Frauenoffensive, München 1997

Für die Musen. Neun kulturkritische Essays I. Zweitausendeins, Frankfurt 1996

Für Brigida, Göttin der Inspiration. Neun kulturkritische Essays II. Zweitausendeins, Frankfurt 1998

und natürlich:

Die tanzende Göttin, Verlag Frauenoffensive, München 1991

Sie hat die Akademie HAGIA e.V. gegründet, die nicht nur Seminare und Reisen, sondern auch „matriarchale Mysterienspiele“ anbietet. Letzteres hat sie rechtlich schützen lassen. Inwieweit sich ihre Mysterienspiele von den Jahreskreisfesten, wie sie beispielsweise in der ‘Hexen’literatur beschrieben werden, unterscheiden, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich ihre Akademie noch nicht besucht habe.

Mich hat jedenfalls das Wiederaufleben alter matriarchaler Feste stark angesprochen. Und da ich selbst den Bauchtanz als den matriarchalen Tanz überhaupt empfinde, fasziniert mich die Idee, ihn ‘rückzuversetzen’ in den Zusammenhang eines rituellen Tanzfestes, um so, quasi in einem magischen Prozess, eine utopische Zukunft zu gestalten.

Damals, 2001, als ich den Artikel geschrieben habe, schloss ich ihn mit den Worten:

Ich ahne, dass vielleicht der Tribal Style, wenn er nicht alleine zum Zweck der Aufführung getanzt wird, gerade durch seine Gemeinschaftlichkeit eine solche spirituelle Dimension eröffnen könnte.

Wie sich mittlerweile für mich zeigt, hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Der Tanz erstickt im „schönen Schein“ von sexistisch aufgeladenen Zurschaustellungen, die die gleichen Wettbewerbskriterien erfüllen wollen, wie sie auch in der Mainstream-Kultur postuliert werden.

Die Szene versucht sich zu „professionalisieren“ und erkennt dabei nicht, dass sie dabei hierarchisch-patriarchale Konstrukte unreflektiert übernimmt und sich mit der Aufstellung von Nomenklaturen, Ausbildungsrichtlinien etc. die eigene tänzerische Lebendigkeit zementiert.

So suche ich selbst mittlerweile die spirituelle Dimension des Tanzes nicht mehr bei „orientalischen“ Tanzveranstaltungen, sondern ziehe es vor, Tanz in naturreligiöse Rituale einzubinden, also quasi, um mit einer Redewendung zu sprechen, „das Pferd von der anderen Seite her aufzuzäumen“, und bin recht zufrieden damit.

 

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Tanz im Neofeudalismus! Ein Abgesang auf den Tribal-Tanz

Letztes Wochenende bekam ich Besuch von einer Freundin, die leider nicht nur wegen mir (vorwurfsvoll guck), sondern auch wegen des Tribel-Dance-Festivals angereist war.

Ich selbst kam auf diese Art und Weise dann auch in den Genuss der Tribal-Samstagabend-Show, in der es zwar viele (zu viele?) tolle Darbietungen gab, woraus ich aber für mich die Schlussfolgerung gezogen hatte, dass ich dieser Art der Zurschaustellung in Zukunft weder Abend noch Geld opfern werde.

Warum? Nun, wenn ich den äußeren Rahmen außer Acht lasse (der – dies sei hier erwähnt – darin bestand, dass die Zuschauerinnen viel Eintritt bezahlen mussten, um dann letztendlich auf harten Stühlen zu sitzen, die kaum eine Sicht auf die Bühne zuließen) bleibt als mein Resümee übrig, dass es viele perfekt ausgeführte Tänze gab, die sich jedoch – das lag wohl an ihrer endlosen Reihung  – ständig wiederholten und letztendlich bei mir, die ich selbst nicht Tribal tanze und deshalb wohl auch nicht die nötige (sic!) Begeisterung mitbringe, nichts weiter ergab, als einen hirnlosen Brei aus persönlichem Exhibitionismus, Phantasialand-Unterhaltung und akrobatischen Einlagen (schneller-höher-weiter-anders -gähn!)

Wo bei der Tribal-Szene vor zwei Jahren (da kam ich erstmalig in dem zweifelhaften Genuss dieser Show!) noch die sexistisch eingefärbten Striptease-Vorführungen (die sich als “Burlesque” oder als “dark fusion” tarnten) überwogen, da hat die Tribal-Szene mittlerweile anscheinend das Mainstream-Tanztheater erreicht, das nur dem oberflächlichen Kommerz untergeordnet ist. Und – ähnlich wie beim Besuch einer Musical-Vorführung in den großen Unterhaltungs-Palästen oder wie beim Konsumieren der Samstagabendshow – fühle ich mich als Zuschauerin hinterher gleichsam “übersättigt” wie auch “leer”.

Hier findet sich – bis auf wenige Ausnahmen – weder Inhalt, noch Seele. Und die ZuschauerInnen müssen sich dann sagen: “Das kann es doch nicht gewesen sein!’, und hetzen zur nächsten Show, die in neuer Verkleidung dasselbe Nichts präsentieren wird.

Zu meiner Beobachtung passt dann auch, dass es auf solchen Veranstaltungen – Dieter Bohlen sei gegrüßt – immer auch einen “Contest” geben muss, der – ganz kapitalistisch-auswählend -einige hervorhebt, um andere klammheimlich herabzuwürdigen. Das “Diplom”, das dann allen Beteiligten (seien sie nun Show-TänzerInnen oder Workshop-BesucherInnen) im Anschluss an diese – immerhin dreitägige  -Veranstaltung  ausgehändigt wurde, ist ein weiterer Fetisch, der unreflektiert den schnöden Marktgesetzen untergeordnet ist.

Tribal – das war ja mal im Ursprung ein Gemeinschaftstanz von Frauen, bei dem  die Tänzerinnen mit versteinerten Gesichtern die gleichen Tanzfiguren ausführten. Man mag es lieben oder nicht (ich tue es nicht), hervorgegangen jedenfalls ist diese Tanzform aus Bauchtanzbewegungen, die von der Frauenbewegung der 80er Jahre zur Kreation von egalitären Halbkreistänzen genutzt wurden. Als solche war Tribal niemals für Bühnenvorführungen geeignet und es wäre wohl auch besser gewesen, es hierbei bewenden zu lassen und ihn allenfalls beim Frauen- oder Mittelalterfest (oder ähnlichen Veranstaltungen!) zur Aufführung zu bringen, immer umrahmt von anderen (sic!) Programmpunkten.

Diese Art von Tribal-Tanz wird wohl, das ist die gute Nachricht, als ein Tanz für eine Minderheit von Frauen, die sich in “Stämmen” organisiert und auf diese Art und Weise ihrer Tanzlust frönt und sich mit weiblicher Stärke verbindet, erhalten bleiben. Das ist gut so.

Tribal Fusion (und all die anderen “Ableger” dieser Tanzform) reihen sich dagegen mit ihrem “Pops and Locks” freiwillig und selbstgewählt in die kalte Unterhaltungsmaschinerie ein und werden  – das ist ja die Perfidität des Kapitalismus – darin ganz aufgelöst werden. Ist es HipHop oder Tribal, türkische Folklore oder Stummfilmästhetik? Showtanz eben.
Alles verschwimmt, genauso wie die dazugehörige Musik, elektrisch konzipiert, ein Klangteppich, austauschbar und “tot”.

Auch das ist gut so:

R.I.P. Tribal Fusion

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Rendevous mit Aphrodite und Mami Wata

Letztens habe ich einen Kurs zum Thema “Mediale Heilung” an der VHS Hannover belegt und dabei die Kursleiterin Brigitte Göbel, www.mahuna-institut.de,  kennen- und schätzen gelernt. Daraus hat sich mittlerweile ein interessanter Kontakt ergeben, zumal wir festgestellt haben, dass Brigitte sich schwerpunktmäßig mit Aphrodite und ich eben mit Mami Wata, der afrikanischen Aphrodite, beschäftige. Diese Gemeinsamkeit hat uns viel Lust auf eine Zusammenarbeit gemacht, an der wir auch andere Menschen teilnehmen lassen wollen. Insofern sind wir sehr glücklich darüber, dass uns die VHS Hannover die Möglichkeit bietet, im Herbst zusammen ein Wochenendseminar anzubieten. Es wird am 23./24.10.2010, also am letzten Wochenende der niedersächsischen Herbstferien, stattfinden und ihr seid herzlichst dazu eingeladen. Anmeldung  bitte über die VHS Hannover.

Tänzerisch-spielerischer Dialog zwischen den Kulturen:  Rendezvous mit Aphrodite und Mami Wata

Wem ist sie nicht bekannt? Die griechische Göttin Aphrodite,  die Liebe und  Fruchtbarkeit spendet. Sie verkörpert die ewige Macht der Liebe, ihrer Verheißungen, Erfüllungen und Enttäuschungen. Sie hat eine dreitausendjährige Geschichte aufzuweisen, und ein Ende ist nicht abzusehen. In vielfältiger Form wollen wir uns mit ihr auseinandersetzen.

Aphrodite,   die Schaumgeborene, heißt in Westafrika Mami Wata. Sie besitzt eine weiße Hautfarbe und erinnert  auch  rein äußerlich an eine europäische Meerfrau.  Später kamen noch indische Einflüsse hinzu, sodass es sich bei ihr  wahrlich um eine „multikulturelle“ Göttin handelt.

Genauso wie Aphrodite wird Mami Wata  mit Liebe, Schönheit und Fülle in Verbindung gebracht. Spätestens dann, wenn dir Mami Wata in deinen Träumen mit langen Haaren und hellem Teint erscheint,  solltest du ihrem Ruf folgen und in das Blau-Grün des Wassers hinabtauchen, um dich auf die Suche nach einer Vision für dein Leben zu begeben.

Mit Hilfe der Methode „Jeux Dramatique“, die aus dem freien Theaterspiel stammt,  werden wir zuerst eine spielerisch-tänzerische   Begegnung mit Mami Watas Element, dem Wasser, erleben. Mit Hilfe von  tänzerischen Kreisen, Spiralen und Achten vertiefen wir dieses Erlebnis, um danach Bewegung als Auslöser für eine schamanische Reise zu erfahren.  Während der Reise können tiefgreifende Erlebnisse möglich sein.

Zum Schluss dieses Wochenendseminars werden wir Aphrodite mit Mami Wata in den Dialog treten lassen  und unsere Assoziationen ausdrücken, was Aphrodite und Mami Wata mit uns selbst zu tun haben und wie wir sie in unser alltägliches Leben integrieren können.

Bitte eine Decke, bequeme Tanzkleidung und Zeichenmaterial mitbringen.

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