Teetempel

 

Es ist eine Einschränkung unseres Erkenntnisvermögens,
wenn wir nur die Methoden, die heute in Laboratorien angewandt werden, ausüben.
Wäre die Natur ein Mechanismus, so wären diese Verfahren ausreichend. Die
Schönheit der Welt bezeugt, dass hinter den Sinneserscheinungen nicht bloß ein
Mechaniker, sondern auch eine Künstlerin wirkt. Im Mittelalter kannte man sie als die
Göttin ‚Natura‘. Auf Namen kommt es nicht an. Will man aber zu dem Erleben und
der Erkenntnis eines Wesenhaften in der Natur und in der Kulturgeschichte
gelangen, ist die Kunst die geeignetste Auslegerin dieser Sphäre. Die spirituellen
Zeugnisse der Vorgeschichte sind ohne einen originären neuzeitlichen Zugang zu
diesen Bereichen nicht sachgemäß verstehbar.

Diese Zeilen fand ich unlängst auf den Seiten des Forschungskreises Externsteine.

Und welcher Platz wäre geeigneter gewesen, um der Wahrheit hinter diesen Zeilen nachzuspüren, als der sogenannte „Teetempel“ in Derneburg! Er vereinigt klassizistischen Charme mit einer wild wuchernden Waldlandschaft, die einst, als dieses Gebäude erbaut wurde,  nicht vorhanden war.  Da bot der  Tempel einen freien Blick auf  die Gartenanlagen und das Schloss.

Ich trank dort meinen Tee, ganz wie der Graf, der dort „die englische Sitte des Teetrinkens zelebrierte“ (aus: Laves-Kulturpfad Broschüre, siehe hier). Dann fing es an zu regnen.

 

Laves Teetempel

Guerilla-Stricken

Heute gab es in der TAZ einen Artikel über Guerilla-Stricken als neuen StreetArt Trend. Ich muss ja gestehen, dass ich nicht stricken kann, dass aber Menschen, die diesem Hobby frönen, sich durchaus meiner ausgesprochenen Sympathie erfreuen können. Genauso wie beim Teetrinken (und zu den Teetrinkerinnen zähle ich mich zumindest) handelt es sich beim Stricken um eine nonkonformistische Handlung, die quasi dem Beschleunigungsdenken der heutigen Zeit Ruhe und Frieden entgegensetzen will.

Außerdem bin ich durchaus der Meinung, dass man/frau so viel wie möglich selbst (also in Handarbeit) herstellen sollte (wobei meine Argumentation jetzt nicht ganz zum Tee passen mag, denn eine Teeplantage kann ich mir in Norddeutschland nicht unbedingt vorstellen!).

Nun geht es beim Guerilla-Stricken nicht um die Herstellung von Gütern zum täglichen Gebrauch. Es handelt sich auch nicht um eine Tätigkeit, die es dabei bewenden lässt, still und leise einfach zu “sein”. Stattdessen wird das Guerilla-Strickprodukt im öffentlichen Raum, quasi als Konkurrenz zu den Graffitikunstwerken, ausgestellt, indem beispielsweise Parkuhren mit Strickhäubchen (oder ähnlichen Accessoires) versehen werden.

Der oberflächliche Unterschied zur Graffiti-Kunst ist der, dass es sich dabei um eine legale Tätigkeit handelt, schließlich wird hier keine “Sachbeschädigung” vollzogen, wohingegen Graffiti-Künstler häufig im Untergrund tätig sein müssen. Ob die gesprühte Kunst zur Stadtverschönerung beitragen will, das weiß ich nicht. Auf mich wirkt sie zumindest leicht depressiv, wobei ich es – trotz meines persönlichen Geschmackurteils – durchaus immer begrüße, wenn Menschen kreativ zu Farbe, Pinsel (und von mir aus auch Spraydose) greifen, um sich auszudrücken.

Das Guerilla-Stricken jedenfalls will den Städten – im Gegensatz zur Graffiti-Kunst – eine kuschelige und heimelige Atmosphäre verpassen. Ob das hilft, das bezweifle ich. Wahrscheinlich geht es bei dieser öffentlichen Kunst doch wieder nur um individuelle Aufmerksamkeit, denn warum sonst müssen die Werke im Internet veröffentlicht werden.

Insofern ist mir das Guerilla-Gardening sympathischer. Denn hier verbindet sich der Wunsch nach Stadtverschönerung mit durchaus praktischem Nutzen, der eben über das Bedienen einer persönlichen Celebrating-Kultur hinausgeht. Nichtsdestotrotz bleibt die Teeplantage auf brachliegendem Gelände in Hannover wohl ein Wunschtraum. Oder? In der Schweiz soll es ja eine geben (hoffnungsvoll guck!)!