In Draculas Reich. Teil 1

Nachdem ich ja im Sommer Rübezahl in Schlesien besucht hatte, machte ich im Oktober Dracula meine Aufwartung.

Rumänien interessierte mich, stammte nämlich meine beste Schulfreundin aus Grundschultagen aus Rumänien und war ich so schon früh mit rumänischen Mitbringseln, wie volkstümlichen Blusen oder bunten Trinkflaschen mit Lederbezügen in Berührung gekommen. Allerdings hatte ich mich in späteren Jahren nie zu einer Reise nach Rumänien durchringen können, zu gefährlich und seltsam erschien mir das Land, was bis 1989 noch in den Händen der Ceausescu-Diktatur war und was ich mir auch danach vorrangig als arm, korrupt und unsicher vorstellte, womit ich (so mein jetziger Eindruck) so falsch nicht lag.

Darüber hinaus fasziniert mich die dunkle Ästhetik der Vampirromane sowie die Schauerromantik  und so sprach mich eine Reise nach Transsylvanien, zu den Schauplätzen von Bram Strokers Dracula, durchaus an.  Auf dem oberen Foto seht ihr einige Dracula-Devovtionalien, die im angeblichen Schässburger Geburtshaus von  Dracula käuflich zu erwerben sind.

Transsylvanien heißt in deutscher Sprache Siebenbürgen und dieser rumänische Landesteil war fest in der Hand der Siebenbürger Sachsen, einer deutschsprachigen Minderheit, die nach der Öffnung Rumäniens  mehrheitlich nach Deutschland und Österreich  übersiedelte.   Insofern versprach ich mir von meiner Rumänien-Reise durchaus deutsche Architektur und deutsche Geschichte. Meine Erwartung wurde hier nicht enttäuscht: Die pittoresken Altstädte in Siebenbürgen ermöglichten  mir einen Zeitsprung in ein Deutschland von Gestern, den ich durchaus zur Nachahmung empfehlen kann.

Da ich nicht sehr viel freie Zeit zur Verfügung hatte, entschied ich mich für eine organisierte Rundreise und wählte als Anbieter Studientours aus. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln hätte ich die meisten Orte nur schwerlich besuchen können und selbst wenn ich mich hier beschränkt hätte, wäre die Anreise zu dem ein oder anderen Höhepunkt der Reise zu einer logistischen Herausforderung für mich geworden. „In Draculas Reich. Teil 1“ weiterlesen

Zur Hölle noch einmal! Kali

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Das ist das Haindl- Tarot, was ich momentan gerne benutze. Die mittlere Karte zeigt Kali – umgekehrt.

Kali – das ist die Vama Magna, die große Mutter, in ihren drei Aspekten – weiße Jungfrau,  rote und gebärende Mutter und  schwarze Todesgöttin.  Auf der Karte ist sie in ihrem dunklen Aspekt zu sehen, wie sie sich mit dem toten Shiva vereinigt, der einst  – genauso wie Brahma und Vishnu  – aus ihr geboren wurde.

Die Göttin ist hier in ihrem dritten und dunklen Aspekt zu sehen: als Zerstörerin. Sie ist Mutter und Grab zugleich. Eine Kinderfresserin, die nicht nach einer falschen Harmonie strebt, die doch nur Täuschung wäre.

Um ihren Hals hängt eine Kette mit Totenköpfe.

Sie ist die Göttin der Vampire, die am Abgrund  zwischen Eros und Thanatos tanzt. Sie trinkt das Leben und wird so selbst zum Abyss. Bodenlos!

Sie hat viele Namen. Sie lässt uns in unsere Tiefe blicken. Kali zerstört ihre Gegner und trinkt das Blut ihrer Feinde. Ich möchte es ihr gleichtun.

Sie ist Feuer, das gleichsam zerstörerisch wie auch schöpferisch wirkt.

Ihre Antipodin  ist die Eiskönigin, deren Gefühle zu Eis erstarrt sind, einfach deshalb, weil sie entweder niemals in ihre Kraft  gekommen ist oder weil sie  im Laufe ihres Lebens zu viele Enttäuschungen hat erdulden müssen, die ihr Feuer haben erlöschen lassen.  Eine schier endlose Stagnation ist die Folge.

Mutterschaft – zum Beispiel –  kann die Kräfte der weiblichen Energie binden und sie in den gesellschaftlich Rahmen pressen, der die Frauen domestiziert. Vereist. Dann erstarrt alles und die Frauen werden zu Eisköniginnen, immer kontrolliert und immer bedacht, nicht anzuecken, nicht aufzufallen, nicht aus den ihnen zugedachten Rahmen zu fallen.

Als kaltherzige und unbarmherzige Eisköniginnen kennen wir sie aus dem Märchen, aber auch im Film begegnen sie uns,  beispielsweise in „Die Chroniken von Narnia“. Sie sind böse und tyrannisch. Selbst wenn sie nicht die Maske der Eiskönigin tragen, können wir sie erkennen: als 13. Fee im Dornröschen-Märchen, genauso wie als Archetyp der bösen Stiefmutter oder als die „Ausnahme“-Frau in einer Führungsposition, die ihre Weiblichkeit der falschen Karriere hat opfern müssen und nun all das, was noch Leben in sich trägt, vernichten muss. Zwanghaft.

Die umgedrehte Kali bezeichnet eine solche Frau und weist gleichsam den Weg aus der erstarrten Maske heraus. Eine Frau (oder auch der weibliche Anteil eines Mannes) ist hier gemeint, die das Potential der Verwandlerin besitzt, dieses aber nicht ausleben will oder kann. Opfertanz eben. Und so ist das Feuer gedrosselt, die Flamme erlischt und das kalte Eis breitet sich aus.

Dem ist beizukommen mit Eismagie.  Wir drehen die Karte um. Kalis Feuer lässt das Eis schmelzen und alles gerät  in freudige Eruptionen. Die weiblichen Energien werden freigesetzt und der veränderte Bewusstseinszustand der Ekstase erschafft – sozusagen als inversen Prozess –  den Doppelgänger, der – wie C. G. Jung schon richtig erkannt hat – bei der Frau ein Mann (animus) und beim Mann eine Frau (anima) ist. Crowley nannte diese seine „scarlet woman“ und ich habe ihn noch keinen Namen gegeben.

Kalis rote Zunge hängt heraus.  Ich rufe den Hexen-Sabbat aus,  male Kali mit breitem Pinselstrich auf die Leinwand, werde eins mit ihr. Und im Feuer des kreativen Flusses öffne ich die Acrylfarben-Tube mit meinem Mund und blaue Farbe ergießt sich auf meine Zunge. Rot wird zu blau und ist nun doch kein Eis mehr.

Und ich tanze auf dem, was tot ist in meinem Leben, nähre mich davon und transformiere es. Feuersturm. Opfertanz.  Und so bin ich zu einer neuen Kali geworden, die einen Dämon gebiert, den sie aussendet in die objektive Welt, um zu zerstören, was danach verlangt. Eine neue Schöpfung eben.

 

Work in progress:

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