Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Hannover

Zwei Wochen im Dauerstress liegen hinter mir. Die Zeugnisse stehen kurz bevor und als Lehrerin ist man so, neben seinen regul√§ren Unterrichtsverpflichtungen, st√§ndig dabei, irgendwelche Listen auszuf√ľllen und auszuwerten.

Der einzige Lichtblick innerhalb dieses stressigen Einerleis war dann f√ľr mich der Besuch der Zauberfl√∂te vergangenen Dienstag. Das Opernhaus Hannover hat dieses St√ľck neu inszeniert. Premiere war am 13.01.2018. Herausgekommen ist mal wieder das von mir ungeliebte Regietheater, allerdings nicht gar so unertr√§glich, wie ich es 2015 bei der uns√§glichen Hannoverschen „Freisch√ľtz„-Inszenierung erleben durfte.

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Etwas Besonderes sein!

Wer möchte das nicht? Sich von der Menge abheben und  irgendwie einzigartig sein! Doch die meisten Entscheidungen, die wir treffen, sind die zwischen Alternativen, die uns andere vorgegeben haben und die uns innerhalb eines Variantenraumes individuell vorkommen, in Wirklichkeit aber nur kleine Abweichungen der immer gleichen Einfalt sind, die uns von der Bewusstseinsindustrie tagtäglich eingetrichterte wird.

Die Entscheidung lieber zum italienischen als zum griechischen Restaurant zu gehen, unsere Vorliebe f√ľr die Farbe Orange und unser Interesse am Jogging, all das macht nicht die Einzigartigkeit unseres Selbst aus. Wir n√§hern uns diesem aber an, wenn wir uns von den Erwartungshaltungen unserer Umwelt l√∂sen.

1. Der erste Schritt dazu kann es sein, nicht  beständig danach, zu schielen,  was gerade angesagt ist und wie wir bei anderen ankommen.  So durchbrechen wir die Fernsteuerung, die uns beständig zombifiziert,  wenn wir nichts dagegen setzen.

Folgende Fragen können uns bei der eigenen Bewusstwerdung helfen:

Welche Art von Person m√∂chtest du sein? Wie siehst du aus? Wor√ľber denkst du nach? In welcher Umgebung h√§ltst du dich auf? Lade das Bild immer wieder mit Kraft auf und hinterfrage fortlaufend, inwieweit dieses¬†deinen oder fremden Erwartungen entspricht. Nur das, was nicht ferngesteuert W√ľnsche und Projektionen¬†von anderen erf√ľllt, darf in diesem Prozess Bestand haben. Insofern musst du dich fortlaufend¬†selbst in Frage stellen und damit auch niemals aufh√∂ren, ansonsten l√§ufst du Gefahr, dass das, was du¬†errungen haben, wieder in das Unbewusste zur√ľcksinkt.

2.  Was kannst du jetzt schon tun, was diesem idealen Selbst entspricht? Fange mit kleinen Dingen an und gebe Ihnen beständig Aufmerksamkeit, sodass sie wachsen können. Zieh die Aufmerksamkeit  von den Lebensumständen ab, die nicht passend sind, ohne dabei deine ethische Verantwortung, die immer selbstgeschöpft sein sollte,  aufzugeben. Werde  nicht zum Unmenschen, indem du dich nur noch auf dich selbst konzentrierst, womit wir bei den Gefahren sind:

Die Gefahr an dieser Stelle ist es, ganz und gar im Eigenen zu verharren und den Kontakt zu seiner Umgebung zu verlieren. Dann wirst du zum Eigenbr√∂tler, zum merkw√ľrdigen Kauz oder gar zum Verr√ľckten.

Meistens sind das Männer und so ist es kein Zufall, dass ich hier die männliche Schreibweise verwendet habe. Ihnen geht, in viel größerem Ausmaß als dies bei Frauen zu beobachten ist,  der soziale Bezug ab und so verharren sie in ihrer eigenen seltsamen Welt, die sie, mit zunehmenden Alter, immer weniger  mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Manche  indes bedienen sich dazu Frauen, die  aufopferungsvoll ihren Alltag managen.

Vorrangig Frauen neigen leider dazu, ¬†schon am ersten, hier aufgez√§hlten Schritt zu scheitern, schlie√ülich werden sie, seit ihrer fr√ľhen Jugend, ¬†immer wieder dazu aufgefordert, sich vorrangig auf andere zu beziehen, sei es auf das Kind, dem Partner , den pflegebed√ľrftigen Elternteil oder anderen Mitmenschen, die ihren Beistand abrufen und dem sie nur allzu gerne nachgeben, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es sich hier per se um gesellschaftlich anerzogene oder doch angeborene Determinanten handelt. Nichtsdestotrotz lassen sie sich durchbrechen. Wenn die Frauen n√§mlich immer wieder ausschlie√ülich die ¬†Erwartungen der anderen erf√ľllen, erlangen sie kein Bewusstsein √ľber sich selbst und machen sich¬†so ¬†zum Opfer ihrer selbst.

Nun pl√§diere ich nicht daf√ľr, jegliche soziale Verantwortung fallen zu lassen, vielmehr geht es darum, sich innerlich soweit davon zu isolieren, wie irgendwie m√∂glich und auch nur dem nachzukommen, was den eigenen ethischen √úberlegungen entspricht. So schaffen sich dann auch Frauen die notwendigen Freir√§ume, ihre eigenen Innenwelten zu entdecken und zu leben.

H√ľtet euch dabei aber vor Floskeln wie „Das tut man aber so“, „Das erwartet meine Familie/Religion von mir“, „Das w√ľrde immer schon so gemacht“. Das ¬†sind Ausfl√ľchte, ¬†mit deren Hilfe wir uns vom eigentlichen Menschsein abschneiden.

3. ¬†Im dritten Schritt muss man sein Sein nach au√üen tragen und danach trachten, seine eigene subjektive Welt im Objektiven zu verwirklichen. Menschen, die dies geschafft haben, gelten als Charismatiker, die nicht mehr, wie Marionetten an den F√§den h√§ngen, die von anderen gespielt werden, sondern selbst zu Puppenspielern geworden sind. All dies l√§sst sich nicht durch gewaltt√§tige-monstr√∂se Anstrengungen verwirklichen, vielmehr gelingt es, wenn man sich selbst immer wieder auf seine eigenen, selbst gew√§hlten und immer wieder hinterfragten Kriterien bezieht. Man sollte best√§ndig ¬†dar√ľber¬† reflektieren, f√ľr was man seine Kraft ¬†investiert und mit wem man seine Zeit verbringt.

Nun bist du in der Königs- und Königinnenklasse angekommen. Du bist nun eine charismatische Persönlichkeit, die die eigene subjektive Welt zum Zentrum von dem macht, was sie umgibt. So strahlst du dann als deine eigene Sonne nach außen  und machst dir die Welt, wie sie dir gefällt.

 

Risikomanagement

Der Soziologe Niklas Luhmann konnte in den 50ziger Jahren noch  folgende Aussage treffen, die er vielleicht nicht ganz ernst gemeint hat:

„Ich finde es einfach ungerecht, dass man Vorgesetzte, die durch ihre Stellung ohnehin schon privilegiert sind, auch noch von der Forschung her st√ľtzt, mit Kursen √ľber Menschenf√ľhrung begl√ľckt und mit entsprechenden Techniken ausr√ľstet, die von der Struktur her disprivilegierten Untergebenen dagegen ohne jede Hilfe l√§sst.“ Der neue Chef

Mittlerweile sind die scheinbaren „F√ľhrungskompetenzen“, wie der Kurs zur Menschenf√ľhrung ¬†neusprachlich √ľberschrieben ist, durchgesickert von der obersten zur untersten Hierarchie-Ebene. Jetzt werden auch die im luhmannschen Sinne¬†Unterprivilegierten in Methoden und Skills ausgebildet, die es ihnen erm√∂glicht, die in der Hierarchie noch weiter unter ihnen stehenden zu manipulieren und zu domestizieren. Ganz neurolinguistisch eben!

Das neuzeitliche Lumpen-Prekariat ist von all den wirtschaftlich-pragmatischen Infusionen, die das eigene Leben pervertieren, nicht verschont geblieben. Und so arbeitet das Unterschichts-Coaching der Privatsender systemisch. Ziele werden ausgearbeitet ¬†und auf eilig aufgestellten Whiteboards in der heimischen Wohnlandschaft visualisiert und referiert. ¬†Die Frauenzeitschriften geben mittlerweile Tipps zur manipulativen F√ľhrung von Beziehungen, derweil die M√§nner sich durch zweifelhafte¬†„Pickup“-Ratgeber „im Frauen rumkriegen“ schulen¬†lassen.

Herausgekommen ist dabei eine zombifizierte Gesellschaft, die Aggressionen und √Ąngste ¬†als pers√∂nliche Schw√§che abwertet, ¬†sie „in Watte packt“ und PROZESSMANAGEMENT betreibt, wo jemand durch die Unwegbarkeiten des Lebens ¬†in Mitleidenschaft gezogen wird. Das wirtschaftliche Denken hat ¬†jeden Bereich unseres Lebens √ľbernommen. Manipulationstechniken, die irgendwann einmal f√ľr F√ľhrungskr√§fte erdacht worden sind, die auf diese Art und Weise „ihr Personal“ zu maximaler Leistung anspornen sollten, haben sich mittlerweile in jeglichen „sozialen Kommunikationsprozessen“ durchgesetzt – so unbewusst und perfide, dass die meisten Menschen, dies sogar abstreiten w√ľrden! ¬†„Ich doch nicht!“, rufen sie entr√ľstet aus.

In solch einer pervertierten Gemeinschaft von Arbeitnehmern und Konsumenten, Leistungsempf√§ngern und Leistungsgebern, Sklavenhaltern und Sklaven, Sklaven und Sklaven wird jeder zwangsweise Teilnehmende in seinen vielf√§ltigen Interaktionen zuerst seinen eigenen Nutzen berechnen und sich fragen: „Lohnt sich das f√ľr mich?“ Wenn er dann feststellen muss, dass es sich eben nicht lohnt, wird er entweder von diesen Mitmenschen¬†Abstand nehmen oder diesen insofern zu manipulieren versuchen, als dass sich ein monet√§rer ¬†oder machterzeugender Nutzen f√ľr ihn ergeben wird. Letztendlich¬†quetschen wir uns so gegenseitig wie Zitronen aus, um uns dann der unerfreulichen √úberreste zu entledigen, bis wir irgendwann selbst diesen zweifelhaften System zum Opfer fallen werden.

Wenn dies geschehen ist, vielleicht in einer Position als „Sklave“, f√ľr den das Bossing und Mobbing existenzbedrohliche Dimensionen angenommen hat, dann kann man sich an die Burnout-Beratung wenden. Diese empfiehlt dann – ganz der kapitalistischen Logik ¬†folgend – RISIKOMANAGEMENT!

Ich selbst w√ľrde jedoch¬†dringend anraten,¬†das luftabschn√ľrende Korsett der singul√§r wirtschaftlichen Bezugnahme in Frage zu stellen und das Geld, was im Zentrum unseres Lebens zu stehen scheint, zu entsakralisieren.

  • Vielleicht bietet die¬†Familie (oder selbst gew√§hlte Lebensgemeinschaften), sofern sie noch funktioniert und sich von den heutigen Verwerfungen distanzieren k√∂nnen, ¬†eine letzte Enklave in der globalisiert-optimierten Welt. Ein Hinweis darauf, dass meine √úberlegung richtig zu sein scheint und hier eine Bedrohung f√ľr die zombifizierte Gesellschaft besteht, sehe ich in der zunehmenden Verstaatlichung der Kindererziehung, die die Familie und den Zusammenhalt, der dort eventuell entstehen mag, schw√§cht, selbstverst√§ndlich um vordergr√ľndig die B√ľrger zu f√∂rdern, in Wirklichkeit sie aber zu flexiblen Lohnsklaven des Kapitals und/oder blo√üen Konsumenten zu machen.
  • Auch sollten wir uns wieder alternativen Lebensmodellen zuwenden, wie sie in den 70iger Jahren erdacht, mittlerweile aber zu Gesch√§ftsmodellen pervertiert worden sind. Es kann nicht sein, dass der Trend zur Selbstversorgung und Eigenproduktion dazu f√ľhrt, sich f√ľr teures Geld erst ein entsprechendes Equipment inkl. Pachtgarten, der nur mit Auto erreichbar¬†ist, zulegen zu m√ľssen. Naturerfahrung braucht kein buchbares Gesamtpaket, ¬†Ern√§hrung keinen vegane¬†Hype mit teuren Tofu-W√ľrstchen und Soja-Milch. ¬† Spiritualit√§t l√§sst sich auch ohne Seminar beim Indianer ihres Vertrauens erleben. Hier die ehemals interessanten Ideen wieder vom Kommerz zu befreien und zu den Wurzeln¬†zur√ľckzukehren, ungeachtet dessen, dass das, ¬†was dabei erneut¬†ins Dasein gelangt¬†¬†und von uns nun weitergedacht werden kann, nicht dem ¬†aalglatten Perfektionsanspruch der Stock-Fotografie entspricht, daf√ľr aber individuell und eigen ist.
  • Die R√ľckbesinnung auf die Nation und die eigene Identit√§t, ohne dabei in Intoleranz zu verfallen, scheint mir die beste Gew√§hr gegen¬†eine austauschbare Welt von Konsum-Sklaven zu sein. Ungez√ľgelte Einwanderung, gerade¬†von – ¬†zur einheimischen Bev√∂lkerung aus gesehenen – ¬†kulturell und religi√∂s stark differenzierenden Bev√∂lkerungsgruppen, ¬†ist abzulehnen, √ľberfordert sie n√§mlich schnell die Stabilit√§t des Bestehenden und f√∂rdert so das Entstehen von Parallelkulturen, die sich gegenseitig bek√§mpfen und so die Finanzeliten st√§rken, in dem die Kr√§fte der Menschen im allt√§glichen „Kampf der Kulturen“ aufgebraucht werden, anstatt sich der gr√∂√üeren Zusammenh√§nge bewusst zu werden und sich ggf.¬†diese zu kritisieren.
  • Religion ist Privatsache. Eine staatliche F√∂rderung und Einflussnahme ist abzulehnen.
  • Gro√üen Zentralverwaltungen, wie der EU in Br√ľssel, sollten wir genauso misstrauen wie Bildungs- und Gesundheitsfabriken. Letztendlich trachten¬†solche Systeme, einmal entfacht, immer nur dazu, sich selbst zu erhalten. Sie festigen sich dabei selbst best√§ndig, auch wenn jeder der dortigen Mitarbeiter¬†schon eingesehen hat, dass die eingeschlagene Richtung mindestens in eine Sackgasse, schlimmstenfalls in einem Crash m√ľnden wird. Im Zuge der Digitalisierung von Arbeitsabl√§ufen ist die Gefahr gro√ü, dass hier die Maschinen Prozesse √ľbernehmen, die von Menschen nur noch schwer gestoppt werden k√∂nnen! (Um den letzten Punkt nachzuvollziehen, empfehle ich das Anh√∂ren des Beitrags ¬†„Zukunftsf√§hig. Arbeit im digitalen Zeitalter“ vom 16.02.2016 im Philosophischen Radio. Der Podcast dazu ist hier zu finden.)
  • Misstraue dem Kollektiv ¬†(auch dem eigenen!) und stelle es immer wieder in Frage! So verhindern wir, ausgehend vielleicht von einer gut gemeinten Idee, eine totalit√§re Meinungsdiktatur zu bef√∂rdern! Wie dies geschehen kann, k√∂nnen wir nur allzu einpr√§gsam an der Partei der Gr√ľnen sehen, die sich mittlerweile zur schlechten Karikatur ihrer selbst entwickelt hat!
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen k√∂nnte den Menschen die Existenznot nehmen, denen sie in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung ausgesetzt sind. Mindestens ¬†50% der Berufsbilder, die wir jetzt noch kennen, werden in den n√§chsten Jahren wegfallen. Ich selbst gehe sogar von h√∂heren Zahlen aus. Daraus resultierende Verteilungsk√§mpfe um prek√§re Besch√§ftigungsverh√§ltnisse k√∂nnten durch ein bedingungsloses Grundeinkommen¬†verhindert werden. Die Arbeitsgesellschaft geh√∂rt der Vergangenheit an!
  • Volksabstimmungen k√∂nnten verhindern, dass die Politik ihre Bodenhaftigkeit verliert und nur noch den Lobbyisten zuarbeitet, anstatt den B√ľrgern verpflichtet zu sein.
  • Die Medien, die zur manipulativen Propaganda und zur Dauerwerbung, verkommen sind, sollten wir nicht mehr unterst√ľtzen und stattdessen auf alternative Quellen der Information, wie soziale Netzwerke, Blogs (sofern sie nicht nur Promoting-Werkzeuge sind) und pers√∂nliche Kontakte ausweichen. Unsere Meinung sollten wir auf die Stra√üe tragen und uns √ľber eventuell bestehende Maulk√∂rbe im Zuge der „politischen Korrektheit“ hinwegsetzen. Wir brauchen wieder Diskussionen und Diskurse, die ausgetragen werden k√∂nnen, ohne dass man dabei um seine Existenz f√ľrchten muss!¬†

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Risikomanagement. Mixed Media, 40 x 29 cm. Februar 2016.

Die Vorskizze ist im Landesmuseum Hannover entstanden, inspiriert von den Gem√§lden ¬†„Jacob Jordaens, Die Heilige Familie mit Elisabeth, Johannes und Zacharias“ und¬†Frans¬†Snyders „Das Stillleben beim Wildh√§ndler“. Der Titelgebung ist von √úberlegungen und Erfahrungen¬†beeinflusst, die im oben stehenden Artikel angef√ľhrt werden.

Kollektives Denken

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Kollektivismus – das ist das, was passiert, wenn Menschen aufeinander treffen und dabei nicht anecken wollen, den Konsens suchen und dabei – ¬†im besten Wunsch, dass alle einen m√∂gen – vollkommen konturlos werden, fast dazu neigen sich in der sozialen Matrix aufzul√∂sen und in dieser Aufl√∂sung keinerlei¬† Widerstand mehr leisten k√∂nnen: ¬†gegen ein Unrecht, das best√§ndig von dem gut gemeinten Kollektiv bef√∂rdert wird und dass sich darin solange selbst best√§tigt, bis dessen Handlung zwanghaft und f√ľr das Individuum, dass sich ihm nicht anpasst, b√∂sartig wird.

Der Kollektivismus ist die gr√∂√üte Gefahr, ¬†der wir ausgesetzt sind, weswegen ¬†jeder Mensch – der √ľber den tierhaften Status herausgewachsen ist -, wenn er sich denn in ein solches gemeinschaftliche Feld bewegen muss (was in unserer Gesellschaft ja leider nicht zu vermeiden ist!), st√§ndig die sozialen Abl√§ufe rekapitulieren sollte, um nicht zum konsenstragenden Zombie einer ¬†Gemeinschaft zu werden, die sich vielleicht „das Gute“ und „das Hehre“ auf die Fahnen geschrieben hat, aber ¬†– von ihm selbst nicht bemerkt – schon l√§ngst totalit√§ren und faschistischen Strukturen dient. Und so sollte man sich best√§ndig die Frage stellen, ob das, was man tut, weil es die Anderen verlangen, wirklich der eigenen √úberzeugung entspringt oder aber, ob wir es uns nur¬†„sch√∂nreden“, um ¬†etwaige Probleme zu vermeiden? Vielleicht haben wir uns das eigenst√§ndige Denken sowieso schon abgew√∂hnt, einfach, weil es sich bequemer in der rosaroten Wolke des positiven Denkens¬†lebt, als in der r√ľden Welt au√üerhalb der¬†Konsens-Matrix? ¬† Irgendwann wird die von uns generierte¬†¬†Gedankenblase, die st√§ndig gr√∂√üer wird, ¬†platzen. Das wissen wir. Doch das – dies ist die Hoffnung – wird sp√§ter sein – irgendwann- ¬†und vielleicht werden wir selbst nicht mehr betroffen sein. Bis dahin ¬†jedoch l√§sst es sich angenehm¬†leben ¬†¬†– mit all den netten Ablenkungen, die die Gesellschaft so bietet ¬†und die denen zuteil werden, die nichts und niemanden ¬†in Frage stellen, die einfach mitmachen und im vorauseilendem Gehorsam ihre B√ľcklinge ableisten. Und wenn dann doch mal Zweifel erwachen – ganz still und leise – , sorgen die Medien mit ihrem Feuerwerk von bunten Unterhaltungsprogrammen daf√ľr, uns¬†darin best√§ndig zu¬†best√§rken, dass wir auf der richtigen Seite stehen. ¬†„Nein, das¬†kann kein¬†Gef√§ngnis sein, wenn der K√§fig doch so sch√∂n luxuri√∂s mit Playstation und Fu√üballspielen ausgestattet ist“, fl√ľstern¬†wir uns selbst mantraartig ein und kolorieren flei√üig das Ausmalbuch f√ľr Erwachsene. ¬†Denn nur, wenn wir¬†niemals¬† bis zu den Gitterst√§ben unseres Lebens ¬†vorgesto√üen sind,¬†¬† ¬†k√∂nnen wir¬†selbstbewusst verk√ľnden: ¬†Ich bin frei! ¬†Und all die anderen, die das Gegenteil behaupten, m√ľssen – nach dieser Logik – ¬† Verschw√∂rungsfanatiker sein, die uns mit ihrem ¬†negativen und dunklen¬†¬†Denken infizieren und vernichten ¬†wollen.¬†¬† „Ihre Meinungen¬†m√ľssen verboten werden! Das sind alles Nazis“, sagt der Biedermann und die Biederfrau. ¬†¬†Und alle nicken eifrig.

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Parasiten, Blockwarte und Zombies

Manchmal lohnt der Blick von der Postmoderne zur√ľck in die Moderne, die uns gleicherma√üen antiquiert wie auch irgendwie beruhigend-gem√ľtlich vorkommt.¬†Der R√ľckblick erm√∂glicht uns das Eintauchen in jene wunderbare Sentimentalit√§t, ¬†die einem¬†gem√ľtlichen Teekr√§nzchen gleichkommt, bei dem gehaltvolle Lekt√ľre rezitiert wird, um hinterher in einem gepflegten¬†Diskurs¬†√ľberzugehen, der so viel erbauender zu sein scheint, als jeder Whatsapp-Nachrichtenstream.

Und so lauschen wir dann Friedrich Schiller:

Schon in der Schule sah man, welch Fr√ľchtchen das geben w√ľrde! Das schw√§nzelte um den Lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wu√üte sich fremdes Verdienst zuzueignen und seine Eier in fremde Nester zu legen. Das erschrak vor keiner Niedertr√§chtigkeit, um sich einzuschmeicheln, einzunisten. Als er √§lter ward, ging das alles ins Gro√üe. Bald spielte er den Heuchler, bald den Spa√ümacher, wie‚Äôs die Zeit heischte; mit jedem Winde wu√üte er zu segeln. (Der Parasit)

Erstaunt reiben wir uns nun die Augen und wir ahnen, dass es in der sogenannten „guten alten Zeit“¬†¬†genauso wenig „anheimelnd“ gewesen zu sein scheint, wie auch in der Jetzt-Zeit. Schiller erm√∂glicht uns einen¬†R√ľckblick, der uns feststellen l√§sst, dass all die Blockwarte, Denunzianten und Verleumder, die momentan so inflation√§r auftreten und dabei sogar R√ľckenwind von der Journaille und anderen staatlich gelenkten Kr√§ften erhalten, keine besondere Auspr√§gung der gegenw√§rtigen Konsens-Gesellschaft sind. Und so wird vernichtet, was sich nicht – im Sinne der Corporate Identity, hinter der sich doch nur eine¬†zweifelhafte Globalisierungs-Doktrin verbirgt -, verwerten l√§sst. Und all die Zombies, die heute die designten B√ľro-Etagen ¬†wichtig durcheilen, finden ihre wohlfeilen Vorbilder auch ¬†in den ¬†Heuchlern, Verr√§tern und unterw√ľrfigen Lakaien ¬†des¬†18. und 19. Jahrhunderts, nur – das ist der Unterschied – dass damals¬†niemand euphemistisch von einer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft sprach.

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Barocke Obsezzionen in Wolfenb√ľttel

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Anfang des Jahres war ich in der F√ľrstengruft in Wolfenb√ľttel, deren Sarkophage und deren¬†¬†Inhalt gerade restauriert wurden. √úber die Leichen-Restauration schrieb sogar die Welt.¬†

Im n√§chsten Leben werde ich Leichen-Restauratorin. ¬†„Warum so viele K√∂rper nicht verwesen …? “ : Vielleicht weil sie lebendige Tote sind: Zombies. Ich bin von ihnen umgeben. Uaaahhh!

„Aber da l√§sst sich bestimmt noch was transformieren“, denke ich und besuchte die Alchemie-Ausstellung in der Wolfenb√ľttler Bibliothek. Sie zeigte alte Alchemisten-B√ľcher, meist in Geheimschrift. ‚ÄěBarocke Obsezzionen in Wolfenb√ľttel‚Äú weiterlesen