Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Hannover

Zwei Wochen im Dauerstress liegen hinter mir. Die Zeugnisse stehen kurz bevor und als Lehrerin ist man so, neben seinen regulären Unterrichtsverpflichtungen, ständig dabei, irgendwelche Listen auszufüllen und auszuwerten.

Der einzige Lichtblick innerhalb dieses stressigen Einerleis war dann für mich der Besuch der Zauberflöte vergangenen Dienstag. Das Opernhaus Hannover hat dieses Stück neu inszeniert. Premiere war am 13.01.2018. Herausgekommen ist mal wieder das von mir ungeliebte Regietheater, allerdings nicht gar so unerträglich, wie ich es 2015 bei der unsäglichen Hannoverschen “Freischütz“-Inszenierung erleben durfte.

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Etwas Besonderes sein!

Wer möchte das nicht? Sich von der Menge abheben und  irgendwie einzigartig sein! Doch die meisten Entscheidungen, die wir treffen, sind die zwischen Alternativen, die uns andere vorgegeben haben und die uns innerhalb eines Variantenraumes individuell vorkommen, in Wirklichkeit aber nur kleine Abweichungen der immer gleichen Einfalt sind, die uns von der Bewusstseinsindustrie tagtäglich eingetrichterte wird.

Die Entscheidung lieber zum italienischen als zum griechischen Restaurant zu gehen, unsere Vorliebe für die Farbe Orange und unser Interesse am Jogging, all das macht nicht die Einzigartigkeit unseres Selbst aus. Wir nähern uns diesem aber an, wenn wir uns von den Erwartungshaltungen unserer Umwelt lösen.

1. Der erste Schritt dazu kann es sein, nicht  beständig danach, zu schielen,  was gerade angesagt ist und wie wir bei anderen ankommen.  So durchbrechen wir die Fernsteuerung, die uns beständig zombifiziert,  wenn wir nichts dagegen setzen.

Folgende Fragen können uns bei der eigenen Bewusstwerdung helfen:

Welche Art von Person möchtest du sein? Wie siehst du aus? Worüber denkst du nach? In welcher Umgebung hältst du dich auf? Lade das Bild immer wieder mit Kraft auf und hinterfrage fortlaufend, inwieweit dieses deinen oder fremden Erwartungen entspricht. Nur das, was nicht ferngesteuert Wünsche und Projektionen von anderen erfüllt, darf in diesem Prozess Bestand haben. Insofern musst du dich fortlaufend selbst in Frage stellen und damit auch niemals aufhören, ansonsten läufst du Gefahr, dass das, was du errungen haben, wieder in das Unbewusste zurücksinkt.

2.  Was kannst du jetzt schon tun, was diesem idealen Selbst entspricht? Fange mit kleinen Dingen an und gebe Ihnen beständig Aufmerksamkeit, sodass sie wachsen können. Zieh die Aufmerksamkeit  von den Lebensumständen ab, die nicht passend sind, ohne dabei deine ethische Verantwortung, die immer selbstgeschöpft sein sollte,  aufzugeben. Werde  nicht zum Unmenschen, indem du dich nur noch auf dich selbst konzentrierst, womit wir bei den Gefahren sind:

Die Gefahr an dieser Stelle ist es, ganz und gar im Eigenen zu verharren und den Kontakt zu seiner Umgebung zu verlieren. Dann wirst du zum Eigenbrötler, zum merkwürdigen Kauz oder gar zum Verrückten.

Meistens sind das Männer und so ist es kein Zufall, dass ich hier die männliche Schreibweise verwendet habe. Ihnen geht, in viel größerem Ausmaß als dies bei Frauen zu beobachten ist,  der soziale Bezug ab und so verharren sie in ihrer eigenen seltsamen Welt, die sie, mit zunehmenden Alter, immer weniger  mit ihrer Umwelt kommunizieren können. Manche  indes bedienen sich dazu Frauen, die  aufopferungsvoll ihren Alltag managen.

Vorrangig Frauen neigen leider dazu,  schon am ersten, hier aufgezählten Schritt zu scheitern, schließlich werden sie, seit ihrer frühen Jugend,  immer wieder dazu aufgefordert, sich vorrangig auf andere zu beziehen, sei es auf das Kind, dem Partner , den pflegebedürftigen Elternteil oder anderen Mitmenschen, die ihren Beistand abrufen und dem sie nur allzu gerne nachgeben, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es sich hier per se um gesellschaftlich anerzogene oder doch angeborene Determinanten handelt. Nichtsdestotrotz lassen sie sich durchbrechen. Wenn die Frauen nämlich immer wieder ausschließlich die  Erwartungen der anderen erfüllen, erlangen sie kein Bewusstsein über sich selbst und machen sich so  zum Opfer ihrer selbst.

Nun plädiere ich nicht dafür, jegliche soziale Verantwortung fallen zu lassen, vielmehr geht es darum, sich innerlich soweit davon zu isolieren, wie irgendwie möglich und auch nur dem nachzukommen, was den eigenen ethischen Überlegungen entspricht. So schaffen sich dann auch Frauen die notwendigen Freiräume, ihre eigenen Innenwelten zu entdecken und zu leben.

Hütet euch dabei aber vor Floskeln wie “Das tut man aber so”, “Das erwartet meine Familie/Religion von mir”, “Das würde immer schon so gemacht”. Das  sind Ausflüchte,  mit deren Hilfe wir uns vom eigentlichen Menschsein abschneiden.

3.  Im dritten Schritt muss man sein Sein nach außen tragen und danach trachten, seine eigene subjektive Welt im Objektiven zu verwirklichen. Menschen, die dies geschafft haben, gelten als Charismatiker, die nicht mehr, wie Marionetten an den Fäden hängen, die von anderen gespielt werden, sondern selbst zu Puppenspielern geworden sind. All dies lässt sich nicht durch gewalttätige-monströse Anstrengungen verwirklichen, vielmehr gelingt es, wenn man sich selbst immer wieder auf seine eigenen, selbst gewählten und immer wieder hinterfragten Kriterien bezieht. Man sollte beständig  darüber  reflektieren, für was man seine Kraft  investiert und mit wem man seine Zeit verbringt.

Nun bist du in der Königs- und Königinnenklasse angekommen. Du bist nun eine charismatische Persönlichkeit, die die eigene subjektive Welt zum Zentrum von dem macht, was sie umgibt. So strahlst du dann als deine eigene Sonne nach außen  und machst dir die Welt, wie sie dir gefällt.

 

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Neue Romantik

Der “Welt am Sonntag” war die Forderung nach einer neuen Romantik durchaus heute eine Titelseite wert. Wiederholt habe ich dies hier ja auch schon im Blog postuliert, doch leider ist das, was da plakativ mit Gemälden von Caspar David Friedrich und modernen Adaptionen in der Zeitung referiert wird, nicht das, was ich selbst dabei im Sinne hatte.

Und so wird dann von einem Robert Macfarlane (Muss ich den kennen?) berichtet, der sich auf der Suche nach den “blinden Flecken” der Natur aufmacht, die Google Maps angeblich nicht aufzeigen soll. Der “Megatrend Natur” wird beschworen, der sich in der Vorliebe einer großstädtischen Hipster Szene für Biosupermärkte und dem Erfolg der Zeitschrift “Landlust” zeigen soll. Der Bestseller Rang des Buches “Das geheime Leben der Bäume” und das herbeigeredete Comeback der Schrebergärten soll als Indiz für ein “Enlivenment” herhalten, was nichts anderes bedeuten soll, als die Verlebendigung in der Natur, was meint, dass sich der Sklave des Maschinenzeitalters in der Natur lebendig fühlen darf, wo er sonst nur zu funktionieren hat.

Das, was hier beschrieben wird, ist Eskapismus und Kitsch, ein neues Lifestyle-Segment, das sich zwischen Yogakurs, Achtsamkeitstraining und Burnout-Klinik einreihen kann, mit all den Skills und Methoden, die ein “Human Enhancement” befördert, dass dem zunehmenden Staccato am Arbeitsplatz und in den urbanen Zombie-Wüsten erträglich machen soll und sich dabei selbst einreiht in den kapitalistischen Wirtschaftskreislauf des ewigen Wachstums, anstatt zu kritisieren und zu torpedieren.

Romantik ist das nicht, sondern pure Ablenkung, was auch den Autoren Wieland Freund und Richard Kämmerling zum Schluss des Artikels bewusst zu werden scheint, schließlich schreiben sie:

In einem jedoch unterscheiden sich die neuen Romantiker von den alten. Unter den Bedingungen des Anthropozäns, des Zeitalters der nicht länger bestreitbaren Herrschaft des Menschen über die Natur, suchen sie draußen nicht mehr sich selbst, sondern das Andere, die fremde, die ungleichförmige Erfahrung, vielleicht auch den Urlaub vom Ich.”

Das Anthropozän soll, wie ein Herr Weber im Interview verkündet, unser gegenwärtiges Zeitalter beschreiben, in dem der Dualismus Natur versus Kultur nicht mehr funktionieren soll und so heißt es dann:

“Alles Natürliche ist immer schon kulturell verstanden. Und gleichzeitig hat alles Kulturelle eine wilde Seite”

, eine Einsicht, die nicht wirklich neu ist und die erst in den letzten Jahrzehnten verleugnet wurde, in dem das Dogma der Wirtschaftlichkeit und des sezierenden Umgangs mit wissenschaftlichen Betrachtungen über eine Sichtweise gestellt wurde, die die Selbsterkenntnis und die Öffnung für mythologisch-spirituell-ästhetische Welten bei der Erfassung des Objektiven den Vorrang gab.

Doch warum, so frage ich mich, wird im Titelthema der Zeitung am falschen Begriff der “Romantik” festgehalten, wenn doch hier hauptsächlich nur tumber Eskapismus gemeint ist, der wiederum genau das unterstützt, was zur Alltagsflucht animiert hat? Der wirkliche Romantiker nämlich verachtet die Welt der Philister, der Spießer, Krämer und Ja-Sager und stellt ihnen das Wundersame und Bizarre entgegen. Er wird sich ihnen nicht zum Knecht machen.

Eine echte neue Romantik muss genau da anknüpfen, wo die alte aufgehört hat, gesellschaftlich wahrnehmbar zu sein und dabei in den parallelen Untergrund der Anthroposophen, Ästhetiker und Schöngeister abgetaucht ist. Doch dies birgt die Gefahr sich in den Innenwelten zu verlieren, ganz so, wie in den Tiefen des Rheins, wohin die Loreley die Fischer gelockt haben soll. Wer diesen süßen Sog aber widersteht, der kann die blaue Blume finden und mit Ironie die Welt der Krämer und Lakaien auf dem Kopf stellen. Meister Floh wird ihm den Weg weisen. Wirtschaftlich verwertbar ist dies alles jedoch nicht, sondern letztendlich eine Gefahr für das betonierte System der globalisierten Finanzlobbyisten, weswegen ein großes Medienimperium dafür wohl niemals Werbung machen wird.

Doch zurück zur Natur: Die ist in der echten Romantik niemals Fluchtpunkt, sondern immer ein Spiegel des eigenen Selbst, was es bewusst zu erkennen gilt. Innerer Vorgänge werden dabei in eine ästhetisch und phantastisch verwandelte Form transzendiert und öffnen den Raum für das Numinose. Es wird mythologisch gewandert. Es werden individuelle Mythologien erschaffen und die nüchterne Alltagswelt des Maschinenmenschens, der all das Wunderbare weder erkennen noch kreieren kann, wird zutiefst verachtet.

„mit goldenem Schlüssel die Kammern unseres Geistes eröffnen, und uns die Schätze zeigen, die wir selbst noch nicht kannten. So entsteht ein (…) wohltuender Umgang mit uns selbst.“ (Ludwieg Tieck in Franz Sternbalds Wanderung, zitiert nach: Thalmann, Hrsg., Bd. 1, München o. J., S.865 f.)

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Risikomanagement

Der Soziologe Niklas Luhmann konnte in den 50ziger Jahren noch  folgende Aussage treffen, die er vielleicht nicht ganz ernst gemeint hat:

“Ich finde es einfach ungerecht, dass man Vorgesetzte, die durch ihre Stellung ohnehin schon privilegiert sind, auch noch von der Forschung her stützt, mit Kursen über Menschenführung beglückt und mit entsprechenden Techniken ausrüstet, die von der Struktur her disprivilegierten Untergebenen dagegen ohne jede Hilfe lässt.” Der neue Chef

Mittlerweile sind die scheinbaren “Führungskompetenzen”, wie der Kurs zur Menschenführung  neusprachlich überschrieben ist, durchgesickert von der obersten zur untersten Hierarchie-Ebene. Jetzt werden auch die im luhmannschen Sinne Unterprivilegierten in Methoden und Skills ausgebildet, die es ihnen ermöglicht, die in der Hierarchie noch weiter unter ihnen stehenden zu manipulieren und zu domestizieren. Ganz neurolinguistisch eben!

Das neuzeitliche Lumpen-Prekariat ist von all den wirtschaftlich-pragmatischen Infusionen, die das eigene Leben pervertieren, nicht verschont geblieben. Und so arbeitet das Unterschichts-Coaching der Privatsender systemisch. Ziele werden ausgearbeitet  und auf eilig aufgestellten Whiteboards in der heimischen Wohnlandschaft visualisiert und referiert.  Die Frauenzeitschriften geben mittlerweile Tipps zur manipulativen Führung von Beziehungen, derweil die Männer sich durch zweifelhafte “Pickup”-Ratgeber “im Frauen rumkriegen” schulen lassen.

Herausgekommen ist dabei eine zombifizierte Gesellschaft, die Aggressionen und Ängste  als persönliche Schwäche abwertet,  sie “in Watte packt” und PROZESSMANAGEMENT betreibt, wo jemand durch die Unwegbarkeiten des Lebens  in Mitleidenschaft gezogen wird. Das wirtschaftliche Denken hat  jeden Bereich unseres Lebens übernommen. Manipulationstechniken, die irgendwann einmal für Führungskräfte erdacht worden sind, die auf diese Art und Weise “ihr Personal” zu maximaler Leistung anspornen sollten, haben sich mittlerweile in jeglichen “sozialen Kommunikationsprozessen” durchgesetzt – so unbewusst und perfide, dass die meisten Menschen, dies sogar abstreiten würden!  “Ich doch nicht!”, rufen sie entrüstet aus.

In solch einer pervertierten Gemeinschaft von Arbeitnehmern und Konsumenten, Leistungsempfängern und Leistungsgebern, Sklavenhaltern und Sklaven, Sklaven und Sklaven wird jeder zwangsweise Teilnehmende in seinen vielfältigen Interaktionen zuerst seinen eigenen Nutzen berechnen und sich fragen: “Lohnt sich das für mich?” Wenn er dann feststellen muss, dass es sich eben nicht lohnt, wird er entweder von diesen Mitmenschen Abstand nehmen oder diesen insofern zu manipulieren versuchen, als dass sich ein monetärer  oder machterzeugender Nutzen für ihn ergeben wird. Letztendlich quetschen wir uns so gegenseitig wie Zitronen aus, um uns dann der unerfreulichen Überreste zu entledigen, bis wir irgendwann selbst diesen zweifelhaften System zum Opfer fallen werden.

Wenn dies geschehen ist, vielleicht in einer Position als “Sklave”, für den das Bossing und Mobbing existenzbedrohliche Dimensionen angenommen hat, dann kann man sich an die Burnout-Beratung wenden. Diese empfiehlt dann – ganz der kapitalistischen Logik  folgend – RISIKOMANAGEMENT!

Ich selbst würde jedoch dringend anraten, das luftabschnürende Korsett der singulär wirtschaftlichen Bezugnahme in Frage zu stellen und das Geld, was im Zentrum unseres Lebens zu stehen scheint, zu entsakralisieren.

  • Vielleicht bietet die Familie (oder selbst gewählte Lebensgemeinschaften), sofern sie noch funktioniert und sich von den heutigen Verwerfungen distanzieren können,  eine letzte Enklave in der globalisiert-optimierten Welt. Ein Hinweis darauf, dass meine Überlegung richtig zu sein scheint und hier eine Bedrohung für die zombifizierte Gesellschaft besteht, sehe ich in der zunehmenden Verstaatlichung der Kindererziehung, die die Familie und den Zusammenhalt, der dort eventuell entstehen mag, schwächt, selbstverständlich um vordergründig die Bürger zu fördern, in Wirklichkeit sie aber zu flexiblen Lohnsklaven des Kapitals und/oder bloßen Konsumenten zu machen.
  • Auch sollten wir uns wieder alternativen Lebensmodellen zuwenden, wie sie in den 70iger Jahren erdacht, mittlerweile aber zu Geschäftsmodellen pervertiert worden sind. Es kann nicht sein, dass der Trend zur Selbstversorgung und Eigenproduktion dazu führt, sich für teures Geld erst ein entsprechendes Equipment inkl. Pachtgarten, der nur mit Auto erreichbar ist, zulegen zu müssen. Naturerfahrung braucht kein buchbares Gesamtpaket,  Ernährung keinen vegane Hype mit teuren Tofu-Würstchen und Soja-Milch.   Spiritualität lässt sich auch ohne Seminar beim Indianer ihres Vertrauens erleben. Hier die ehemals interessanten Ideen wieder vom Kommerz zu befreien und zu den Wurzeln zurückzukehren, ungeachtet dessen, dass das,  was dabei erneut ins Dasein gelangt  und von uns nun weitergedacht werden kann, nicht dem  aalglatten Perfektionsanspruch der Stock-Fotografie entspricht, dafür aber individuell und eigen ist.
  • Die Rückbesinnung auf die Nation und die eigene Identität, ohne dabei in Intoleranz zu verfallen, scheint mir die beste Gewähr gegen eine austauschbare Welt von Konsum-Sklaven zu sein. Ungezügelte Einwanderung, gerade von –  zur einheimischen Bevölkerung aus gesehenen –  kulturell und religiös stark differenzierenden Bevölkerungsgruppen,  ist abzulehnen, überfordert sie nämlich schnell die Stabilität des Bestehenden und fördert so das Entstehen von Parallelkulturen, die sich gegenseitig bekämpfen und so die Finanzeliten stärken, in dem die Kräfte der Menschen im alltäglichen “Kampf der Kulturen” aufgebraucht werden, anstatt sich der größeren Zusammenhänge bewusst zu werden und sich ggf. diese zu kritisieren.
  • Religion ist Privatsache. Eine staatliche Förderung und Einflussnahme ist abzulehnen.
  • Großen Zentralverwaltungen, wie der EU in Brüssel, sollten wir genauso misstrauen wie Bildungs- und Gesundheitsfabriken. Letztendlich trachten solche Systeme, einmal entfacht, immer nur dazu, sich selbst zu erhalten. Sie festigen sich dabei selbst beständig, auch wenn jeder der dortigen Mitarbeiter schon eingesehen hat, dass die eingeschlagene Richtung mindestens in eine Sackgasse, schlimmstenfalls in einem Crash münden wird. Im Zuge der Digitalisierung von Arbeitsabläufen ist die Gefahr groß, dass hier die Maschinen Prozesse übernehmen, die von Menschen nur noch schwer gestoppt werden können! (Um den letzten Punkt nachzuvollziehen, empfehle ich das Anhören des Beitrags  “Zukunftsfähig. Arbeit im digitalen Zeitalter” vom 16.02.2016 im Philosophischen Radio. Der Podcast dazu ist hier zu finden.)
  • Misstraue dem Kollektiv  (auch dem eigenen!) und stelle es immer wieder in Frage! So verhindern wir, ausgehend vielleicht von einer gut gemeinten Idee, eine totalitäre Meinungsdiktatur zu befördern! Wie dies geschehen kann, können wir nur allzu einprägsam an der Partei der Grünen sehen, die sich mittlerweile zur schlechten Karikatur ihrer selbst entwickelt hat!
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte den Menschen die Existenznot nehmen, denen sie in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung ausgesetzt sind. Mindestens  50% der Berufsbilder, die wir jetzt noch kennen, werden in den nächsten Jahren wegfallen. Ich selbst gehe sogar von höheren Zahlen aus. Daraus resultierende Verteilungskämpfe um prekäre Beschäftigungsverhältnisse könnten durch ein bedingungsloses Grundeinkommen verhindert werden. Die Arbeitsgesellschaft gehört der Vergangenheit an!
  • Volksabstimmungen könnten verhindern, dass die Politik ihre Bodenhaftigkeit verliert und nur noch den Lobbyisten zuarbeitet, anstatt den Bürgern verpflichtet zu sein.
  • Die Medien, die zur manipulativen Propaganda und zur Dauerwerbung, verkommen sind, sollten wir nicht mehr unterstützen und stattdessen auf alternative Quellen der Information, wie soziale Netzwerke, Blogs (sofern sie nicht nur Promoting-Werkzeuge sind) und persönliche Kontakte ausweichen. Unsere Meinung sollten wir auf die Straße tragen und uns über eventuell bestehende Maulkörbe im Zuge der “politischen Korrektheit” hinwegsetzen. Wir brauchen wieder Diskussionen und Diskurse, die ausgetragen werden können, ohne dass man dabei um seine Existenz fürchten muss! 

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Risikomanagement. Mixed Media, 40 x 29 cm. Februar 2016.

Die Vorskizze ist im Landesmuseum Hannover entstanden, inspiriert von den Gemälden  “Jacob Jordaens, Die Heilige Familie mit Elisabeth, Johannes und Zacharias” und Frans Snyders “Das Stillleben beim Wildhändler”. Der Titelgebung ist von Überlegungen und Erfahrungen beeinflusst, die im oben stehenden Artikel angeführt werden.

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Kollektives Denken

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Kollektivismus – das ist das, was passiert, wenn Menschen aufeinander treffen und dabei nicht anecken wollen, den Konsens suchen und dabei –  im besten Wunsch, dass alle einen mögen – vollkommen konturlos werden, fast dazu neigen sich in der sozialen Matrix aufzulösen und in dieser Auflösung keinerlei  Widerstand mehr leisten können:  gegen ein Unrecht, das beständig von dem gut gemeinten Kollektiv befördert wird und dass sich darin solange selbst bestätigt, bis dessen Handlung zwanghaft und für das Individuum, dass sich ihm nicht anpasst, bösartig wird.

Der Kollektivismus ist die größte Gefahr,  der wir ausgesetzt sind, weswegen  jeder Mensch – der über den tierhaften Status herausgewachsen ist -, wenn er sich denn in ein solches gemeinschaftliche Feld bewegen muss (was in unserer Gesellschaft ja leider nicht zu vermeiden ist!), ständig die sozialen Abläufe rekapitulieren sollte, um nicht zum konsenstragenden Zombie einer  Gemeinschaft zu werden, die sich vielleicht “das Gute” und “das Hehre” auf die Fahnen geschrieben hat, aber  – von ihm selbst nicht bemerkt – schon längst totalitären und faschistischen Strukturen dient. Und so sollte man sich beständig die Frage stellen, ob das, was man tut, weil es die Anderen verlangen, wirklich der eigenen Überzeugung entspringt oder aber, ob wir es uns nur “schönreden”, um  etwaige Probleme zu vermeiden? Vielleicht haben wir uns das eigenständige Denken sowieso schon abgewöhnt, einfach, weil es sich bequemer in der rosaroten Wolke des positiven Denkens lebt, als in der rüden Welt außerhalb der Konsens-Matrix?   Irgendwann wird die von uns generierte  Gedankenblase, die ständig größer wird,  platzen. Das wissen wir. Doch das – dies ist die Hoffnung – wird später sein – irgendwann-  und vielleicht werden wir selbst nicht mehr betroffen sein. Bis dahin  jedoch lässt es sich angenehm leben   – mit all den netten Ablenkungen, die die Gesellschaft so bietet  und die denen zuteil werden, die nichts und niemanden  in Frage stellen, die einfach mitmachen und im vorauseilendem Gehorsam ihre Bücklinge ableisten. Und wenn dann doch mal Zweifel erwachen – ganz still und leise – , sorgen die Medien mit ihrem Feuerwerk von bunten Unterhaltungsprogrammen dafür, uns darin beständig zu bestärken, dass wir auf der richtigen Seite stehen.  “Nein, das kann kein Gefängnis sein, wenn der Käfig doch so schön luxuriös mit Playstation und Fußballspielen ausgestattet ist”, flüstern wir uns selbst mantraartig ein und kolorieren fleißig das Ausmalbuch für Erwachsene.  Denn nur, wenn wir niemals  bis zu den Gitterstäben unseres Lebens  vorgestoßen sind,    können wir selbstbewusst verkünden:  Ich bin frei!  Und all die anderen, die das Gegenteil behaupten, müssen – nach dieser Logik –   Verschwörungsfanatiker sein, die uns mit ihrem  negativen und dunklen  Denken infizieren und vernichten  wollen.   “Ihre Meinungen müssen verboten werden! Das sind alles Nazis”, sagt der Biedermann und die Biederfrau.   Und alle nicken eifrig.

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Parasiten, Blockwarte und Zombies

Manchmal lohnt der Blick von der Postmoderne zurück in die Moderne, die uns gleichermaßen antiquiert wie auch irgendwie beruhigend-gemütlich vorkommt. Der Rückblick ermöglicht uns das Eintauchen in jene wunderbare Sentimentalität,  die einem gemütlichen Teekränzchen gleichkommt, bei dem gehaltvolle Lektüre rezitiert wird, um hinterher in einem gepflegten Diskurs überzugehen, der so viel erbauender zu sein scheint, als jeder Whatsapp-Nachrichtenstream.

Und so lauschen wir dann Friedrich Schiller:

Schon in der Schule sah man, welch Früchtchen das geben würde! Das schwänzelte um den Lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wußte sich fremdes Verdienst zuzueignen und seine Eier in fremde Nester zu legen. Das erschrak vor keiner Niederträchtigkeit, um sich einzuschmeicheln, einzunisten. Als er älter ward, ging das alles ins Große. Bald spielte er den Heuchler, bald den Spaßmacher, wie’s die Zeit heischte; mit jedem Winde wußte er zu segeln. (Der Parasit)

Erstaunt reiben wir uns nun die Augen und wir ahnen, dass es in der sogenannten “guten alten Zeit”  genauso wenig “anheimelnd” gewesen zu sein scheint, wie auch in der Jetzt-Zeit. Schiller ermöglicht uns einen Rückblick, der uns feststellen lässt, dass all die Blockwarte, Denunzianten und Verleumder, die momentan so inflationär auftreten und dabei sogar Rückenwind von der Journaille und anderen staatlich gelenkten Kräften erhalten, keine besondere Ausprägung der gegenwärtigen Konsens-Gesellschaft sind. Und so wird vernichtet, was sich nicht – im Sinne der Corporate Identity, hinter der sich doch nur eine zweifelhafte Globalisierungs-Doktrin verbirgt -, verwerten lässt. Und all die Zombies, die heute die designten Büro-Etagen  wichtig durcheilen, finden ihre wohlfeilen Vorbilder auch  in den  Heuchlern, Verrätern und unterwürfigen Lakaien  des 18. und 19. Jahrhunderts, nur – das ist der Unterschied – dass damals niemand euphemistisch von einer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft sprach.

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Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel

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Anfang des Jahres war ich in der Fürstengruft in Wolfenbüttel, deren Sarkophage und deren  Inhalt gerade restauriert wurden. Über die Leichen-Restauration schrieb sogar die Welt

Im nächsten Leben werde ich Leichen-Restauratorin.  “Warum so viele Körper nicht verwesen …? ” : Vielleicht weil sie lebendige Tote sind: Zombies. Ich bin von ihnen umgeben. Uaaahhh!

“Aber da lässt sich bestimmt noch was transformieren”, denke ich und besuchte die Alchemie-Ausstellung in der Wolfenbüttler Bibliothek. Sie zeigte alte Alchemisten-Bücher, meist in Geheimschrift. “Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel” weiterlesen