Von der Freilichtbühne Stedingsehre in den Hasbruch-Urwald

Heute stelle ich  euch eine Wandertour vor, die sowohl den geschichtlich Interessierten einen Höhepunkt bietet wie auch den Naturliebhabern vielfältige Schönheiten des Waldes erleben lässt.

Nachdem ich vor einiger Zeit das Reichsmusterdorf Dötlingen besucht hatte und im Nachgang darüber recherchiert hatte, war mir auch die in der Nähe liegende Freilichtbühne Stedingsehre als eine nationalsozialistische Kultplätze ein Begriff geworden. Meine Neugier war erwacht und so fuhr das Wildfrauenhaus am letzten Samstag mit der S-Bahn von Bremen aus  nach Bookholzberg/Ganderkesee. Dort folgten wir den Schild „Freilichtbühne“ und erreichten nach wenigen Minuten das Berufsförderungswerk Weser-Ems, auf dessen Gelände sich die ehemalige Freilichtbühne Stedingsehre befindet.

Im Zuge der Thingplatzbewegung entstanden zwischen 1936 und 1938  Freilichtbühnen in  ganz Deutschland, die, ähnlich wie im griechischen Theater, darstellendes Spiel mit Religion verbinden sollten. Den Platz der tradierten Religion übernahm hier eine säkularisierte Religion mit  ideologischen Zielen  wie  „Volk“ und „Heimat“. Alte Mythen oder historische Ereignisse wurden genutzt, um neue Mythologien zu erschaffen.

In Stedingsehre beruft man sich auf den im Jahre 1233/34 stattgefundenen Bauernkrieg, in dem sich die Bewohner des Stedinger Landes gegen den Bischof der Stadt Bremen mit seinen 4000 Rittern  aufgelehnt hatten.  Die  Schlacht am 27. Mai 1234  fand nur 10 km von Bookholzberg entfernt statt, nämlich in Altenesch.

Das Stück von August Hinrichs nimmt unter dem Leitmotiv „Nicht in die Knie“  pathetisch Stellung für die unterdrückten Bauern.

Drei Akte vom Kampf und Untergang der Stedinger Freibauern gegen die Kirchenfürsten aus Bremen. Verbrannte Erde, verbranntes Leben am Ende, und doch der Ruf  ‚Stedingen lebt‘. Kämpfen, Opfer, Weiterleben: das waren die neuen dramatischen Akte. (aus Rühle, Günther: Theater in Deutschland 1887-1945: Seine Ereignisse – seine Menschen. Februar 2007)

Die halbrund Freilichtbühne war extra für die Aufführung des niederdeutschen Spiels „De Stedinge“ vom Architekten Walter Reimann geschaffen worden. Ein eigens errichtetes Kulissendorf, bestehend aus abgetragenen und neu errichteten niedersächsischen Bauernhäusern, auf einer angelegten Insel, sorgte  für das entsprechende Ambiente.

Bis auf die Kirche, die während eines Fliegerkrieges zerstört wurden, stehen die Gebäude noch.

Leider gibt es vor Ort keinerlei Informationstafeln, die über die historische Bedeutung des Ortes aufklären. Ein geplantes Dokumentationszentrum kam leider nicht zustande. Auf der Freilichtbühne selbst weiden Schafe, sodass sie nicht betreten werden kann. Selbst wenn man dies aber können würde, wäre der Eindruck verfälscht, da von dort aus Büsche und Bäumchen eine freie Sicht auf das Dorfensemble verhindern. Schade. Ein unbequemes Denkmal eben!

 


Von Stedingsehre machten wir uns in Richtung Hasbruch auf, der nach einer kurzen Strecke am Rande der Straße über einen  gemütlichen Feld-Wiesen-Weg erreichbar ist.

Dort starteten wir eine Rundwanderung, die auf der Tafel am Parkplatz zwar noch ausgeschildert ist, im Wald selbst aber nicht angezeigt wird.

Der Hasbruch ist ein ehemaliger Hutewald, also ein Wald, der als Weide für das Vieh genutzt wurde. Jungbäume konnten sich so nicht entwickeln. Die älteren Bäume dagegen fanden ideale Bedingungen vor, weshalb sich der Hasbruch  einen eindrucksvollen Bestand von Baum-Titanen aufweist.  Die Friderikeneiche ist mit ihren 1200 Jahren der älteste Baum Niedersachsens.

In voller Größe ließ sie sich von mir nicht fotografieren, zumal die Umgebung des Baumes aus Schutzgründen abgesperrt ist.

 

40 Hektar  des Hasbruchs sind als Naturwald ausgezeichnet. Hier lässt sich erahnen, wie vielfältig der Wald, jenseits forstwirtschaftlicher Bewirtschaftung sein kann.

 

Unsere Tour auf komoot zum Nachwandern:

Alle Fotos unserer Wanderung könnt ihr hier sehen.

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Meines Wissens wurde die Stedingsehre von einem anderen Architekten entworfen.