Von Glasgow nach Oban

(9.Juli 2019) Nach dem Frühstück fuhren wir nach Glasgow.

Zuerst  machten wir dabei einen Halt bei der St. Mungo’s Cathedral. Sie nennt sich zwar Kathedrale, gehört aber zur presbyterianischen Kirche und kennt also kein Bischofsamt.

Der Friedhof Glasgow Necropolis neben der Kathedrale ist eindrucksvoll und erzählt vom Glanz vergangener Tage. Glasgow war vor allem durch den Tabak- und Sklavenhandel zu Reichtum gelangt.

Unser Reiseleiter erklärt uns, dass in Schottland Gräber für die Ewigkeit gebaut werden. Eine Grabmiete für einige Jahrzehnte gibt es nicht. Wenn keine Angehörigen sich mehr um die Gräber kümmern wollen oder können, verfallen sie, was, neben den schottischen Wetter, sicherlich zum morbiden Charme dieses Landes beiträgt.

Die Grenzen zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir phantasieren, scheinen mir in Schottland durchlässiger zu sein, als anderswo auf der Welt.

Oben auf der dorischen Säule bewacht der Reformator John Knox den Friedhof.

Danach unternahmen wir mit dem Bus eine kleine und sicherlich eher oberflächig gehaltene Stadtrundfahrt, bevor wir in der Innenstadt ausstiegen und ein wenig Zeit zur freien Verfügung hatten. Diese reichte aber nicht aus, um beispielsweise  das Mackintosh-Haus zu besuchen.

Die Stadt ist von viktorianischer Architektur und den sogenannten „Glasgow Style„, wie er von Charles Rennie Mackintosh vertreten wurde,  geprägt.  Mackintosh war der Hauptvertreter des Art Nouveau und der Arts and Crafts-Bewegung im Vereinigten Königreich.

Glasgow war einst eine bedeutende Handels- und Industriestand. Dies schlug sich in prachtvolle Gebäude nieder. Im Rathaus lässt sich die Pracht von damals noch erahnen.

Aufgrund der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg weist die Stadt jedoch noch viele Brachflächen auf, wobei ich mich frage, ob nicht mittlerweile genug Zeit verstrichen wäre, um hier einen Wiederaufbau geleistet haben zu können.

Die Stadt wirkt auf mich seltsam desaströs. Auch moderne Bauten können kaum darüber hinwegtäuschen, dass hier der Verfall herrscht. So sieht man dann an der Hauptstraße moderne Glaspaläste,  gleich dahinter tun sich Baulücken, die noch die Ruinen des Weltkrieges zeigen, auf. 

Im einstigen Geschäftsviertel werden die Gebäude immer höher. Viele Büroräume stehen aber leer Wer braucht heutzutage noch Büros, wo man doch von jedem Ort der Welt arbeiten kann?

Die Geschäfte in der Innenstadt sind austauschbar und zeigen die gleiche Tristesse, die mittlerweile alle Städte der globalisierten Welt befallen hat. Zwischen „Primark“ und „Hard Rock Cafe“ kommen bei mir nur Fluchtgedanken auf. Glücklicherweise fand ich eine kleine Oase der Ruhe im Kellergeschoss der Gallery of Modern Art. Dort gibt es eine kleine Bibliothek, wo man einen Tee und einen kleinen Imbiss zu sich nehmen kann, alles serviert auf einem leicht schäbig wirkenden Tablett.  

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Nichts mit Teekultur in Schottland. Teebeutel! Eigentlich überall. #tee #teebeeutel #travelblog #reiseblog #reiseblogging #schottlandrundreise #scotland #tea #mamiwatablog

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Mein Fazit: Hier liegt einstige Pracht, Verfall und Moderne dicht beieinander. Dies wirkt nicht nur verstörend, macht aber auch Lust auf ein tieferes Eintauchen in die  interessante Architektur der Stadt. Dabei würden sich sicherlich interessante Fotomotive finden lassen!

Durch die Highlands nach Oban

Nach der kurzen Begehung von Glasgow fuhren wir nach Oban, ohne dabei auch nur irgendetwas von den Highlands sehen zu können. Eine Wetterlage aus Regen und Nebel ließ uns die Berge nur erahnen.

In Oban gibt es übrigens das einzige Kollosseum jenseits von Rom: den McCaig’s Tower. Leider blieb für einen Aufstieg zum Kolosseum-Nachbau aus dem 19. Jahrhundert genauso wenig Zeit, wie für eine Überfahrt zur Insel Mull und Iona, eine Fahrt zum Dunollie Castle oder eine Tierbeobachtung-Tour. Hier wäre definitiv ein weiterer Aufenthaltstag angeraten, allerdings war das dortige Hotel wenig einladend, sodass ich dann auch nicht allzu traurig war, den Ort am nächsten Morgen wieder verlassen zu können.

Das Regent-Hotel in Oban

Das größte Hotel am Platz, weswegen hier alle Reisegruppen untergebracht werden. Auch Studiosus!
Blick aus dem Hotelzimmer

Das Regent Hotel sieht zwar an seinem an das Bauhaus angelehnten Stil (eigentlich soll es Art Deco sein, aber ich bleibe mal bei den deutschen Referenzen) recht imposant aus, hat aber seine besten Tage eindeutig hinter sich.

Die Lage direkt am Hafen ist fantastisch. Sicherlich war es einmal ein wunderbares Hotel, jetzt breitet sich dort aber Verfall und Gruselstimmung aus und ich frage mich, wieviel Geld man investieren muss, um dieses Hotel wieder auf dem heutigen Stand zu bringen. 

Der neue Eigentümer scheint wohl bemüht zu sein, den jahrzehntelangen Renovierungsstau zu bekämpfen, doch reicht dafür wohl ein wenig Farbe nicht aus.  

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