Von Swinemünde nach Kolberg

Unwegsamkeiten auf der Fahrt nach Kolberg

Heute (1. Juli) geht es von Swinemünde weiter nach Kolberg gehen, was am Donnerstag kein Problem wäre und auch touristische Ausblicke geboten hätte. Da bietet nämlich die Adler Reederei vom Swinemünder Hafen eine Ausflugsfahrt bis nach Kolberg an. Nun ist aber Sonntag und die ca. vierstündige Strecke startet wahlweise um 9.02 oder um 13.21, dazwischen fährt NICHTS. Der bequeme Bahnhof, der in der Nähe meines Hotels liegt, wird ausschließlich von der deutschen DB unterhalten, der polnische Bahnhof dagegen liegt auf der Insel Wollin und ist nur mit einer Fähre erreichbar. Der Fahrkartenkauf könnte auch kompliziert werden, sodass ich wohl oder übel auf mein Hotelfrühstück ab 7.30 Uhr verzichten muss und um 7.00 Uhr auschecken werde, um dann um 9.02 Uhr im Zug nach Gollnow/Goleniow zu sitzen. Da habe ich dann über eine Stunde Zeit um das Frühstück nachzuholen, dachte ich zumindest, wurde dort aber eines Besseren belehrt. Am Bahnhof gibt es kein Café. Den Regionalzug, der um 11.11 Uhr startet, verpasse ich, weil ich irrtümlicherweise in den falschen Zug zurück nach Swinemünde einsteige. Eine Anzeigetafel wäre hilfreich gewesen. So darf ich mich ärgern und steige an der nächsten Haltestelle aus, um dann wieder zurückzufahren. Mittlerweile ist der Bahnhof in Gollnow fast menschenleer. Kein Wunder: Es fährt auch nichts mehr. Wie mir die hilfsbereite Toilettenfrau auf Polnisch zu erklären versucht, fährt der nächste Zug nach Kolberg erst um 15.30 Uhr. Beunruhigenderweise zeigt diese Verbindung die Internetauskunft der polnischen Bahn aber nicht an. Ziemlich verzweifelt gehe ich auf das Angebot eines Taxifahrers ein, der mich – wahrscheinlich vollkommen überteuert – für 70 Euro nach Kollberg bringen will. Mir bleibt auch nichts anderes übrig, weil ich die Zeit in Gollnow nicht sinnvoll nutzen kann, habe ich schließlich doch ein schweres Gepäckstück dabei und es gibt hier natürlich auch keine Schließfächer. Auch scheint mir die nachmittägliche Zugverbindung ungewiss zu sein.

In rasanter Fährt mit einem “Fast”- Unfall geht es nach Kolberg. Kurz vor der Stadt schielt mein Taxifahrer auf einem in der Nähe des Straßenrandes parkenden Wohnwagen und ich ahne, wo er das durch die Tour verdiente Geld wieder ausgeben wird. Um 13.30 Uhr bin ich endlich im Hotel angekommen und von dem unfreiwilligen Abenteuer total erschöpft.

Mein Hotel New Skanpol

Dieses liegt dicht beim Kolberger Bahnhof und scheint mir ein aufgehübschtes ehemals sozialistisches Vorzeigehotel zu sein. In der Tat wurde es 1968 in Kooperation mit Schweden gebaut. Architektonisch ist es durchaus interessant. Das Hochhaus steht auf riesigen Betonpfählern.

An der Rezeption wird deutsch gesprochen. Das mir empfohlene Spa-Center besuche ich nicht.. Viele der hier logierenden Gäste sind deutschsprachig und nehmen hier Kur- und Wellnessbehandlungen in Anspruch, die im Vergleich zu Deutschland günstiger sind. Da lohnt sich dann der Weg nach Kolberg.

Das Zimmer selbst ist komfortabel, jedoch klein. Es besitzt sogar einen kleinen Balkon, von dem ich auf dem gegenüberliegenden Park blicken kann. Aufgrund der zentralen Lage ist es nicht ruhig, dafür ist man innerhalb kürzester Zeit in der Innenstand und auch der Strand ist in 15 Minuten zu erreichen.

Erste Eindrücke von Kolberg

Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, mache ich mich auf, um ein Restaurant zu suchen. Da ich mich dabei in Richtung Strand bewege, bin ich bald mit einer großen Auswahl von Lokalitäten konfrontiert. Auch hier sind überall Buden aufgebaut.

Ich esse Kotelett mit Bratkartoffeln und dazu den in Polen gerne als Beilage servierten Weißkraut- und Möhrensalat.

Danach schlendere ich in Richtung Seebrücke. Umso näher ich dieser komme, umso mehr Menschen bevölkern die Promenade. Überall werden auch hier, ähnlich wie in Swinemünde, Kinderbespaßungen angeboten und Souvenirartikel von zweifelhafter Qualität verkauft.

Das Denkmal der Vermählung Polens mit dem Meer

Nach dem für die Deutschen verlorenen Zweiten Weltkrieg erhielt Polen ein Drittel des Staatsgebietes des Deutschen Reiches. Polen erlangte so Zugang zur Ostsee, was hier als Vermählung gefeiert wird. 1945 wurde dazu ein Ring in die Ostsee geworfen. Diese symbolische Hochzeit wurde von der polnischen Regierung bereits1920, als Polen den sogenannten “polnischen Korridor” erhielt, das erste Mal vollzogen. Nun erinnert das Denkmal die Strandbesucher an diese zweifach ausgeführte Zeremonie.

Der Leuchtturm

Bevor ich zum Hotel zurückgehe, erreiche ich noch den Leuchtturm. Dieser stammt aus sowjetischer Besetzungszeit, da der Vorgänger-Leuchtturm noch von deutschen Pionieren im März 1945 gesprengt worden war.

Alles Weitere verschiebe ich auf morgen. Der Tag war erlebnisreich genug und sehr anstrengend.

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