Warum man heutzutage (keine) Türme (mehr) baut!

Ursprünglich stand der hannoversche Bismarckturm in der Ägidienmarsch. 1935 wurde er abgerissen, weil an seiner Stelle der Maschsee  angelegt wurde.  Momentan erinnert an Hannovers Bismarckturm (bzw. an die Bücherverbrennung, die dort stattgefunden hat) nur noch ein winziger Stolperstein (auf der Höhe Geibelstraße).

Bismarcksäulen  wurden in den Jahren zwischen 1869 und 1934 überall im Deutschen Reich angelegt, um Otto von Bismarck zu ehren.

Der Aufruf der deutschen Studentenschaft vom 3. Dezember 1898 gibt uns Auskunft über die Motivation der Erbauer:

„Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normannen über den Leibern ihrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserm Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Überall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivem Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und Wahlspruch des eisernen Kanzlers geschmückt. Keinen Namen soll der gewaltige Stein tragen, aber jedes Kind wird ihn dem Fremden deuten können: Eine Bismarcksäule!„(Dreißig Entwürfe der engeren Wahl aus den Wettbewerben zu den Bismarcksäulen einschließlich der zehn preisgekrönten Entwürfe. Bonn 1899. Zitiert nach: Kloss, Günter und Seele, Sieglinde: Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Imhof 1997, S. 24)

Die hannoversche Variante muss imposant gewesen sein, schließlich zierte ihn nicht nur eine allegorische Figur, die die Studentenschaft symbolisieren sollte, sondern auch vier Wappen, die da wären: Reichsadler, Stadt Hannover, Landeswappen (das Niedersachsenross und Bismarckwappen; „an der Aussichtsplattform in 16 m H. acht kupferne Schilde; das Feuerbecken (acht eiserne Becken) mit kupferner Umwallung bildet den oberen Abschluss, es ruht auf einem Betonsockel (der zweiten Aussichtsplattform) und läuft in vier Drachenköpfen aus“. Zitiert nach: Kloss, S. 90)

„Wenn ich mir selbst einen Turm errichten würde, um meine Großartigkeit und Eigenartigkeit zu feiern, wie würde er aussehen?“, frage ich mich und beginne Konzeptkunst zu erdenken.

Wenn euch,  liebe Leser/innen, diese Frage zu selbstbewusst und zu eitel erscheint, so verweise ich gerne auf Crowley – Jeder Mensch ein Stern.  „Ich, natürlich“, sage ich, “ aber auch DU.“

Wie würde dein Turm aussehen?

Und zum Abschluss stelle ich die Frage: Wer baut heute noch Türme und setzt eindrucksvolle Zeichen in die Landschaft?

…… Die Banken …. Doch die sind weder „Stern“, noch gründen sie ein „Reich“, stattdessen treiben sie die Globalisierung voran. Studenten werden ihnen wohl  kaum Denkmal-Türme  bauen, weshalb sie es selbst – eitel wie sie sind –  in Gestalt von hohen, dekonstruktivistischen  Glasgebilden tun.

So lasst uns denn das Feuer entzünden!

 

Ergänzung,  7. Mai 2015: Meine Sammlung von Bismarcktürmen, die hoffentlich ständig erweitert wird. /29. Mai 2015: Bad Pyrmont zugefügt!/14. Februar 2016: Dassendorf/09.12.2017: Heidelberg

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