Vom Reichserntedankfest zum Tag der Deutschen Einheit

Wer hätte das gedacht?

Das grüne Büchlein „Unser Sonntagsausflug“ von Ingeborg Müller weist meiner Freundin und mir den Weg zum Festplatz der nationalsozialistischen Erntefeste.

Entgegen des dort geschilderten Wanderungsablaufes  vollzogen wir die Strecke von der Grillhütte zum Festgelände jedoch in umgekehrter Reihenfolge und wären ohne den hilfreichen Hinweisen einer Spaziergängerin vollständig in die Irre gegangen. Und ich frage mich (mal wieder), warum Wanderführer gerne ihre Touren an Orten beginnen lassen, die man – spätestens seit dem 80er Jahren, wo öffentliche Verkehrsverbindungen massiv abgebaut worden sind, nicht mehr ohne Auto erreichen kann?

Aufgrund dieser Unwegsamkeiten gab es den geschichtlich-interessanten Ort quasi am Anfang unserer Wanderung über dem Hellberg, dessen Namen  an die Göttin Hel erinnert, weswegen die nationalsozialistischen Ideologen hier einen Begräbnisort vermuteten.

Eine Treppe führte uns hinauf:

 

Oben angekommen ist der Platz der Reichserntedankfeste   zu erkennen, allerdings nur dann, wenn man denn um die geschichtlichen Hintergründe weiß.

Ein Gebüsch versteckt nämlich  die Überreste der Ehrentribüne.

Wer sich  durch die Brennesseln traut, wird fündig.: „Grüner Abriss“ sozusagen. Überwucherung. Ein unbequemes Denkmal eben.

Ehrentribühne

Von hier aus lässt sich dann der sogenannte „Führer“weg nach unten abschreiten.

So erreicht man den Platz der ehemaligen Rednerbühne und kann nun das von Albert Speer gestaltete Festgelände „von unten“ betrachten.

Festplatz

Am Ort selbst befindet sich kein einziges Schildchen, was auf dieses Denkmal hinweist, weswegen es angebracht ist, sich vorab mit Informationen zu versorgen, beispielsweise hier: Reichserntedankfest 

Zurück in Hannover ging es für uns zum Maschsee, wo die große Lasershow zum Tag der Deutschen Einheit stattfand,  was Anlass dazu gab, sich Gedanken über Kontinuitäten zwischen Reichserntedankfesten und solchen Spektakeln zu machen.

Gemeinsamkeiten liegen wohl darin, dass das Volk durch vielfältige Unterhaltung abgelenkt  und im Sinne der jeweiligen politischen Ausrichtung geformt werden soll.

Allerdings gelang dies -zumindest in meinem Fall – bei der Lasershow ganz und gar nicht. Schließlich konnten nur Menschen, die den Mut oder die Leidensfähigkeit hatten,  sich am engen und durch eine riesige NDR-Bühne verstellten Maschsee-Nordufer zu platzieren, überhaupt irgendetwas sehen.  Ich gehörte jedenfalls nicht dazu. Gut so!

Ergänzung, 7.Mai:  Da schlägt das Historiker-Herz höher. Wenn mich in Zukunft also die Langeweile beim Fernsehschauen übermannt, kann ich mir – was eventuell eine wahre Alternative darstellt – die Anweisungen zum Schutz gegen feindliche Propaganda durchlesen, womit ich sagen will: Russland gibt endlich Aktenblätter der deutschen Geschichte frei!http://wwii.germandocsinrussia.org/de/indexes/types/11

Und was finde ich dort gleich in der Akte „Adolf Hitler. Bilder aus dem Leben des Führers“: Das Reichserntedankfest!

bückeberg

 

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