Erste Eindrücke von Dehli

(30.09) Das Frühstück im Double Tree by Hilton ließ uns, nach einer kurzen Nacht,  erste Bekanntschaft mit indischen Essensgewohnheiten schließen. Neben klassisch englischen Omelett und einen eher mageren Angebot an kontinentalen Wurst- und Käseaufschnitten bot es nämlich vegetarische warme Speisen, die mit dem indischen Grundnahrungsmittel,  den Naan-Brot, kombiniert werden.

Solchermaßen gestärkt fuhren wir durch das quirlige Dehli mit seinen erhöhten Verkehrsaufkommen.  Irgendwie müssen wir dabei auch am Roten Fort vorbeigekommen sein, doch erschließt sich mir das im Nachgang nicht mehr. Am letzten Tag unserer Rundreise besichtigten wir es, dazu aber später.

Die Eindrücke waren verwirrend für mich und – laut meines durchaus empfehlenswerten Rajasthan-Reiseführers von Rainer Waterkamp, der auch Dehli und Agra inkludiert, lässt sich sehr viel mehr in der indischen Hauptstadt entdecken als wir, im Zuge unserer schnellen Marco-Polo-Sonderreise, gesehen haben.

An vielen  Sehenswürdigkeiten fuhren wir einfach vorbei und ich war auch dankbar dafür, den klimatisierten Bus nicht allzu oft verlassen zu müssen. 36 bis 39 Grad im Schatten übertrafen das, was ich als “angenehme Temperatur” empfinde.

Outh Minar-Komplex

Unser erster Ausstieg erfolgte am Qutb Minar – Komplex, wo ich dann allerdings erst einmal damit beschäftigt war, eine Toilette zu finden.

Exkurs: Toiletten in Indien

Die indischen Toiletten sind keine Freude für westliche Touristen, immerhin waren die wartenden Inderinnen gesprächig und rieten mir von der europäischen Toilette ab, die ich, zu ihrem Erstaunen,  aber vor der  von ihnen präferisierten Hockvariante mit den beiden Trittbrettern rechts und links vor der Öffnung bevorzugte.  Toilettenpapier gab es keines, weshalb man in Indien immer  Taschentücher dabei haben sollte.  In Indien dagegen wird der Popo mit einer kleinen Wasserbrause abgeduscht.

Glücklicherweise hielt unser Reisebus während der Rundreise immer in Touristen-Neppfallen mit überteuerten Boutique-Shops, dafür aber mit europäischen Toiletten, wofür ich dankbar war. Während der Reise sah ich immer wieder, dass der indische Staat an den Straßen immer wieder Toilettenhäuschen gebaut hatte, die aber bis in die unmittelbare Umgebung hinein einen beißenden Geruch verbreiteten, der nicht zum Besuch einlud.

Die vom Reiseveranstalter für uns gebuchten Hotels boten indes jeden sanitären Luxus, den man sich nur wünschen konnte.

Der Turm Qutb Minar

Nach dem Toilettenbesuch machte ich mich auf zum 73 Meter hohen Turm Qutb Minar (Unesco Weltkulturerbe) . Dieser besteht aus roten Sandstein und ist mit Versen aus dem heiligen Buch meiner “Lieblings”religion verziert und soll, was wenig überraschend ist, mal wieder den “Sieg” dieser Glaubensrichtung über Andersgläubige anzeigen.

Bis heute handelt es sich beim Qutb Minar  um den höchsten Steinturm Indiens. Der Turm diente auch als Minarett für die kurz vorher erbaute “Macht-des-Islam”- Moschee, die nach der Zerstörung des Roten Forts,  im Jahre 1193,  errichtet wurde.

Qutb Minar, Detailaufnahme

Um  den Qutb-Minar-Komplex zu bauen, schreckte man nicht davor zurück Hindu- und Jain-Tempel abzureißen und als Baumaterial zu verwenden. Aus diesem Grund finden sich dann an den Säulen auf dem Moscheehof auch diese Apsaras mit abgeschlagenen Köpfen.

Die Eiserne Säule soll aus dem Jahre um 400 stammen und erst später hier aufgestellt worden sein.  Sie zeugt von der Meisterschaft des Metallhandwerks im alten Indiens.

Ruine der Quwwat-ul-Ilam Masjid, “Macht des Islam Moschee”

Nachdem ich innerhalb des Qutb-Minar-Komplex die gewalttätige Dimension des Islams eindrucksvoll vorgeführt bekommen hatte, ging es zum Tempel einer Religion, die eine Weichenstellung zwischen Hinduismus und Islam einnimmt: den Sikhismus.

Zuvor fuhren wir jedoch erst einmal durch das Regierungsviertel, konnten hier aber nicht aussteigen.  Auch die Verbrennungsstätte Mahatma Gandhis ließ sich nicht besuchen, da diese wegen eines Staatsbesuches gesperrt war.

Parlamentsgebäude

Am India Gate legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein und genossen die Volksfest-Atmosphäre davor. Von bunt gekleideten Frauen in der Tracht Rajasthans kaufte ich Armbänder.

Das India Gate

Der Sikhtempel: Gurudwara Bangla Sahib

Diesen durften wir nur barfuss betreten. Frauen sowie auch Männer mussten sich außerdem noch ein Tuch über  den Kopf binden, bevor wir die Großküche  des Tempels betreten durften, wo jeden Tag für ca. 1000 Menschen, unabhängig von Rassen-und Religionszugehörigkeit,  ein kostenloses vegetarisches Mahl zur Verfügung gestellt wird.  Eindrucksvoll!

Großküche im Sikh-Tempel
Vorbereitung für den nächsten Schub an Kostgängern
Einlass
Essensausgabe: Die Arbeit für die Allgemeinheit gehört zur Glaubenspraxis dazu.

Der Tempel an sich ist ein ehemaliger Maharadscha-Palast.

Das Schwimmbad (Sarovar) des Sikh-Tempels, wo man sich nach ermüdender Reise rituell waschen kann.

Das Heiligtum, wo gerade ein Gottesdienst stattfand bei dem aus  dem Buch Siri Guru Granth Sahib vorgelesen wurde, durften wir auch betreten, jedoch im Innern nicht fotografieren.

Bevor uns dann ein fantastisches Abendbuffet im Double Tree by Hilton einen schönen Abschluss des eindrucksvollen Tages bescherte, ging es noch mit dem Fahrrad-Rikscha-Taxi  durch Alt-Dehli.

Dabei kam es dann auch zu ersten Begegnungen mit den heiligen Kühen, die von ihren Besitzern, nachdem sie keine Milch mehr geben, in die Freiheit entlassen werden.  Da diese Kühe als eine hohe Inkarnationsstufe  im Kreislauf der Wieergeburten gelten, genießen sie in der indischen Gesellschaft Narrenfreiheit, was in der Praxis bedeutet, dass sich der Verkehr nach ihnen zu richten hat.  Dies scheint mir die einzige Verkehrsregel in Indien zu sein, an die sich gehalten wird.

 

 

 

 

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